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14.05.2023 – Le Havre

Der Wind hat glücklicherweise etwas nachgelassen, sodass wir die sanften Strahlen der Sonne richtig genießen können. Als wir an einem Riesenrad bei Honfleur vorbeifahren (auch hier ist heute buntes Treiben – ein Flomarkt!), entschließen wir uns spontan eine Runde zu fahren. Von oben können wir schon einen Blick auf die Pont de Normandie, europas größte Schrägseilbrücke und damit unseren heutigen Endgegner, erhaschen. Es ist ein Sonntagmittag im Mai und offensichtlich sehr wenig Verkehr. LKWs dürfen nicht fahren und der durchschnittlichen PKW-fahrer sitzt vermutlich gerade gemütlich zu Tisch. Unser Glück, denn zeitlich schaffen wir den empfohlenen Umweg, um die lange Brücke mit ihrem zu schmalen Radstreifen, nicht. Dieser würde eine Tagesetappe extra bedeuten und unser Apartment ist für heute gebucht. Wir wagen also die lange Überquerung der Seine und Dank der optimalen Randbedingungen gelingt es ohne Probleme und Stress. Nur der eine uns überholende LKW, der Wohl eine Ausnahmegenehmigung hat, gibt uns ein Gefühl wie unkontollierbar ein Fahrrad auf exponierter Brücke im plöztlichen Luftzug eines großen Gefährts werden kann. Die Einfahrt nach Le Havre ist dann ein Kinderspiel. Es geht durch das riesige, sonntags jedoch komplett leere Hafenareal (der Name ist Programm) und weiter auf Radwegen in die Innenstadt zur Unterkunft. Jetzt stehen drei Tage Entspannung und Geburtstagsvorbereitungen an.

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13.05.2023 – Houlgate

Wir verlassen heute die zerklüftete Landschaft der normannischen Schweiz und folgen der Orne zum Meer. Damit durchqueren wir an einem Tag das Departement Calvados – jedoch ohne etwas vom berühmten Apfelbranntwein probiert zu haben. Größte Stadt in Calvados ist Caen. Hier werden wir entspannt auf Radwegen am Fluss entlang geleitet. An einer Pferderennbahn herrscht reges Treiben, heute findet ein Trabrennen mit Sulky statt. Wir stehen eine Weile am Rand und beobachten, wie sich die Duos aufwärmen.
Etwas später fahren wir über die Pegasusbrücke, die im zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle beim Zurückdrängen der deutschen Truppen spielte. Wir sehen immer wieder die Flaggen der Alliierten. Im weiten, flachen Küstensand entdecken wir viele, teils gut getarnte Bunker. Heute ist dieses einst umkämpfte Gebiet dem Naturschutz gewidmet. Als wir schließlich auf schnurgerader Strecke die letzten Kilometer aufs Meer zufahren, haben auch wir gut zu kämpfen. Durch die Allee pfeift uns der Wind gnadenlos entgegen und erinnert an einen Windkanal.
Bei der Einfahrt in Houlgate, bemerken wir hunderte Drachen aller Formen und Farben, die im Himmel ihre Kreise ziehen. Das Meer ist voll von Kite- und Windsurfern. Wie sich rausstellt, findet just an diesem Samstag das alljährliche Festival Plein Vent (zu Ehren des starken Windes) zum 23. mal statt. So ist des Einen Leid manchmal des Anderen Freud.

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12.05.2023 – Les Riviéres

Die Sonne geht im Nebel auf, vertreibt diesen und wärmt und begleitet uns schließlich den ganzen Vormittag. Seit langem steht mal wieder eine Etappe mit vielen Höhenmetern an, denn es geht in die Nomannische Schweiz an den Fluss Orne. Und tatschläch erinnern die Blicke ab und zu an die sächsische Schweiz!
Heute ist dem Nasswerden leider nicht zu entgehen, denn ein riesiges Regengebiet kreuzt unweigerlich unseren Weg. Gerade als wir diese Erkenntnis nach einem Blick aufs Wetterradar für uns annehmen, kommt ein älterer Herr aus dem Haus vor dem wir kurz gehalten haben. Er muss uns aus seinem Wintergarten auf der Straße stehen gesehen haben und lädt uns ein, zu Kaffee und Tee mit ihm und seiner Frau. Nach der netten Begegnung und kleinen Stärkung wagen wir es, der Regenfront und den weiteren Bergen entgegenzutreten. Viel albernes Fluchen bringt uns schließlich ans Ziel, einen kleinen Campingplatz mit Vertrauenskasse an der Orne.

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11.05.2023 – Mortain

Es ist gar nicht so leicht den Blick vom Mont-Saint-Michel zu lösen, immer wieder sehen wir zurück. Der Radweg führt erneut an Salzwiesen vorbei, die vermutlich immer mal wieder von stärkeren Gezeiten überflutet werden. Einige Schafherden grasen dort und das Internet sagt dazu, dass ihr Fleisch eine leicht salzige Note erhält – das müssen wir einfach mal glauben, denn testen werden wir es nicht.
Ab Pontaobaolt verläuft unser Radeweg auf einem alten Bahndamm. Das sind immer tolle Kilometer, leicht erhaben vom Rest der Lanschaft. Musikalisch begleitet uns heute energetisierend “The Offspring“ ♥
Wir fahren auf dicke schwarze Wolken zu und machen uns das Wetterradar zu nutzen, um ihre Bewegung vorauszuahnen. Sie ziehen schräg vor uns weg und wir radeln quasi mit Sicherheitsabstand hinterher. Tatsächlich tragen die Radler, die uns entgegen kommen, nasse Regenklamotten. Und den Pfützen am Boden zufolge, scheint es stellenweise stark geschüttet zu haben. Von oben bleiben wir zwar trocken, doch durch den hochspritzenden Schlamm wird Tandi richtig dreckig, der Antrieb versandet und beginnt zu knarzen. Um dem hohen Verschleiß entgegenzuwirken, schieben wir den letzten Anstieg und putzen, endlich angekommen, mit zwei Zahnbürsten und unseren Trinkflaschen alle beweglichen Teile.
Der Campingplatz ist interessant, weil es sich um eine einfache Wiese mit einem Sanitärhäuschen handelt, wo abends ein Gemeindemitarbeiter mit einer Kasse rumgeht und 5 Euro pro Zelt einsammelt.

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10.05.2023 – Le Mont-Saint-Michel

Um 9 Uhr brechen wir auf. Der Himmel ist ganz grau, aber immerhin ist es warm. Kurz nachdem wir wieder auf dem Eurovelo sind, beginnt es zu regnen. Wir stellen uns unter das dichte Blätterdach eines Baums am Wegrand und warten dort den Schauer ab. Dann geht es weiter. Etwas später fallen erneut dicke Tropfen. Zum Glück fahren wir gerade unter einer Brücke durch und nutzen diese als Unterschlupf und Pausenplatz. Als die Wolken am Nachmittag aufflocken und die Sonne nach und nach durchkommt, sind wir kein einziges Mal nass geworden – es ist gut mal wieder zu merken, dass wir dem Wetter nicht völlig ausgeliefert sind, sondern einen gewissen Handlungsspielraum haben.
Wir erhaschen aus der Ferne einen ersten Blick auf die markante Silhouette des Mont-Saint-Michel – die weltbekannte Felseninsel mit Klosterfestung!
Die Campingplatzsuche gestaltet sich schwerer als gedacht, weil das Preisniveau hier am Touristenhotspot ziemlich hoch ist. Erst am frühen Abend finden wir, nun schon fast am Fuße des Berges, ein faires Angebot. Nach dem Zeltaufbau spazieren wir noch mal zum Wehr, um das beeindruckende Panorama zu bestaunen.

Regen.-Pause

09.05.2023 – Rennes

Unser regelmäßigeres Training macht sich langsam bemerkbar: Die Übungen fühlen sich wieder stabiler an und die ersten Erfolge beim “Monostar“ – einer Übung zur Verlagerung des Gleichgewichts – stellen sich ein.
Ansonsten planen wir heute Tinos Geburtstag und kümmern uns um ein paar organisatorische Dinge, bevor es morgen weiter geht. Das Geburtstagsziel ist die Küste bei Le Havre. Wir wollen dort ein paar schöne Tage verbringen – vlt. ist es der erste kleine Motivationsschub, um wieder in den Flow zu kommen.

Regen.-Pause

08.05.2023 – Rennes

Abends schlendern wir durch den großen Park in dem sich unser Zeltplatz befindet. Hier leben einige Wildkaninchen, es gibt eine heruntergekommene Minigolfanlage und am zentralen See ist eine Bar, deren bunte Lichter sich flimmernd auf der Wasseroberfläche spiegeln. Eine Band spielt Livemusik und es wird getanzt. Auch wir probieren uns etwas im freestyle Paartanz, aber eher schüchtern am Rand.

Regen.-Pause

07.05.2023 – Rennes

Wir beschließen die heftigsten Regentage noch abzuwarten und ziehen um, in eine Hütte auf dem Campingplatz. Es ist nur ein kleiner Kasten mit einer großen Matratze und etwas Stauraum aber dennoch total komfortabel! Durch die dünnen Holzwände ist man der Natur ähnlich nah wie im Zelt und kann in der Geborgenheit den Vögeln lauschen. Außerdem haben wir ein Dachfenster durch das wir die Sterne beobachten könnten, wären da nicht die dichten Wolken. Perfekt für ein romantisches Wochenende zu zweit!
Nachtrag: Keiner der vorhergesagten Regentage ist am Ende so düster wie befürchtet. Es gibt immer wieder wohltuende Sonnenlöcher, zum Spazierengehen, für Acroyoga oder um Wildkaninchen zu beobachten.

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06.05.2023 – Rennes

Zum Glück ist die Vilaine recht lang, sodass wir uns weiter mit dem Fluss durch die Bretagne schlängeln können. Wir nutzen das regenfreie Fenster gut. Als es am frühen Nachmittag wieder zu tröpfeln beginnt, sitzen wir bereits im aufgebauten Zelt. Trotzdem zieht die Unsicherheit mit dem Wetter Energie und erschwert das fassen eines Plans und das Aufraffen am Morgen. So einer Regenfront standen wir seit Beginn unserer Reise noch nicht gegenüber. Doch wenn wir ehrlich sind, ist unser Wetterproblem vermutlich nur der Deckmantel für eine gewisse Reisesättigung die uns seit Hildesheim ausbremst. Wir bräuchten eine Art Reset und ein neues Ziel, dass die nötige Motivation für die letzten zwei Monate liefert.

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05.05.2023 – Bourg-des-Comtes

Die Franzosen und ihre Automaten! Baguetteautomaten haben wir jetzt schon häufiger am Straßenrand gesehen und uns mittlerweile daran gewöhnt. Aber ein Pizzaautomat? Naja, wir kommen nicht dran vorbei… Drei Minuten später schiebt sich eine heiße Vier-Käsepizza aus der Klappe. Sie schmeckt solide, definitiv nicht die Schlechteste, die wir je gegessen haben, aber kommt natürlich auch nicht an unsere beste italienische Pizza von vor ein paar Monaten heran. Interessant ist das Konzept allemal!