on tour

14.04.2023 – La Rochelle

Nach 35 Kilometern Fahrt – 25 davon im trockenen, 10 in leichtem Niesel – erreichen wir La Rochelle. Bei unserem Warmshowers-Host Thomas können wir das Tandem abstellen (hier wird es jetzt für eine Woche auf uns warten) und in die Altstadt schlendern. Es ist grau, aber hat sich für heute ausgeregnet. In einer Crêperie sind wir tatsächlich mit Jolan und Els verabredet, ganz knapp ist die Aufholjagd geglückt. Das Wiedersehen mit Jolan ist herzlich und auch Els schließen wir direkt ins Herz. Ein Crêpesmenü später trennen sich unsere Wege leider zwar schon, aber bald sehen wir uns ja in Belgien wieder. Zurück bei Thomas bereiten wir alles für die Abreise vor und werden anschließend von ihm zum Essen eingeladen. Zum Nachtisch gibt es einen Brownie mit flüssigem Kern und Nüssen in Vanillesoße – den müssen wir wenn wir zurückkommen unbedingt nochmal bestellen! Der Abend endet unerwartet mit zwei Brettspielen. Skull – eine Art vereinfachtes Poker-/Bluffspiel und Magic Maze ein kooperatives Labyrinthspiel, welches interessant wird, weil Phasenweise nicht geredet werden darf.

Regen.-Pause

13.04.2023 – Rochefort

Gestern sind wir in einem netten Airbnb eingecheckt und hier bleiben wir für eine weitere Nacht. Den freien Tag nutzen wir, um unser Zeug für die Fahrt nach Hildesheim umzusortieren, Frühstücks-Crêpes zu genießen, einen kleinen Exkurs in Lineare Algebra zu unternehmen und dem Hinweis einiger nahestehender Personen zu befolgen und endlich Moules (hier: á la Charentaise) mit Frites zu probieren. Die lohnen sich wirklich!

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12.04.2023 – Rochefort

In der Nacht hat es geregnet und den Vormittag verbringen wir im Zelt und lassen die letzten Regenschauer vorbei ziehen. Erst nach 12 Uhr bauen wir ab und brechen auf. Durch die Wolken und den starken Wind entwickelt sich ein rasantes Licht und Schatten Schauspiel. Nach wenigen Kilometern erreichen wir zeitlich perfekt unsere Fähre. Der Wellengang ist heftig! Reling und Horizont liegen kaum mal in einer Linie. Wie betrunken bewegen sich die Passagiere, die nicht auf ihrem Platz sitzen bleiben wollen. Nach einer halben Stunde ist es überstanden und wir sind am anderen Ufer. Jetzt gilt es das Tandem in seiner Spur zu halten. Und das ist keine Frage des strapazierten Gleichgewichtssinns, sondern der Armkraft, denn der von schräg vorn kommende Gegenwind tut sein Bestes uns aus der Bahn zu werfen.
Kurz vor dem Ziel müssen wir eine weitere Fähre nehmen – eine Schwebefähre! Es ist die letzte ihrer Art in Frankreich, erbaut im Jahr 1900. Ein Gerüst überspannt den Fluss und daran hängt an Stahlseilen eine Art Plattform, die sich zwischen den Ufern hin- und her bewegt. Eine wirklich interessante Konstruktion!

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11.04.2023 – Soulac-sur-Mer

Das Bild ist heute ebenso Panne wie der Tag

Zum Frühstück machen wir uns mal wieder Pfannkuchen – bzw. nennen die sich hier ja Crêpes 😉
Um 11 Uhr starten wir zwar motiviert aber irgendwie zickt Tandi heute ein bisschen mit uns rum. Immer wieder springt die Kette im höchsten Gang raus. Fünf mal legen wir sie, irgendwann routiniert eingespielt, wieder auf – leider ohne nachhaltigen Erfolg. So kommen wir nicht voran, also beschließen wir die Kette ganz zu wechseln. Doch auch damit ist es noch nicht getan. Jetzt treten wir beim pedalieren regelmäßig ins Leere. Die alte Kette hatte sich über die Zeit durch den Verschleiß gelängt und so müssen wir ein weiteres Glied in die neue Kette einfügen um die Differenz auszugleichen. Zwei Stunden später beginnen wir erst so richtig Kilometer zu machen. Nach jetzt 8000 Kilometern, war das dann wohl unsere erste Panne. Oder nennt man das in dem Fall nicht so, weil es ein Verschleißteil ist? Wir sind uns auch nach einigem argumentativen Hin und Her uneinig.

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10.04.2023 – Le Porge

Kurz nach Abfahrt kommt uns ein Radreisender aus Österreich entgegen. Mit ihm verquatschen wir uns eine Weile. Er ist ähnlich bepackt wie wir, macht pro Tag aber 120 bis 150 Kilometer, auch mal mit 1500 Höhenmetern. Das ist richtig beeindruckend, da gerade am Berg das Gewicht entscheidend ist!
Der Weg bietet uns heute zwei Optionen: eine Fähre über den vor uns liegenden See oder einen Radweg außen herum. Wir entscheiden uns für Letzteres und genießen den sich durch Pinien- und Korkeichenwälder schlängelnden Eurovelo. Das Radwegenetz hier an der französischen Küste ist fantastisch, oft fernab jeglichen Autoverkehrs. Zum ersten Mal auf der Reise wagen wir es auch mal ohne Helm zu fahren.
Wir sind in regelmäßigem Kontakt mit Jolan, der uns mit seiner Freundin nur noch ein/zwei Tagesetappen voraus ist. Mal sehen ob das noch was wird, bevor wir nach Hildesheim müssen…

Meer Regen.-Pause

09.04.2023 – Dune du Pilat

Am Morgen wachen wir auf, weil die Sonne das Zelt langsam aufheizt. Es ist schön alles aufgebaut lassen zu können und ohne Aufgaben in den Tag zu starten, mit Tee, Kaffee und Müsli.
Zum Osterfeiertag verwöhnen wir uns mit gegenseitigen Kokosölmassagen gegen die verspannten Schultern. Dann zieht es uns zur Düne. Die kleine Wanderung ist beeindruckend! Fast wie in der Wüste sieht man stellenweise nur Sand und Himmel. Aber auch das Ausmaß des Waldbrandes wird von hier oben noch mal deutlicher.
Als die Fußgelenke schon ermüden vom aktiven Laufen im tiefen Sand, drehen wir um. Den Hang runter rennen wir in riesigen Schritten, wobei kleine Sandrutsche entstehen. Die Düne verändert sich, durch den Wind, aber auch durch die vielen Besucher…
Unser Mittag besteht aus Baguette, Hummus und Orangenmarmelade – einfach und lecker, vor allem in diesem Setting! Auf dem Campingplatz lernen wir zwei Jungs aus Stuttgart kennen, die zum Skaten in Frankreich sind. Bei ihnen im Van dürfen wir unsere Powerbanks laden.

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08.04.2023 – Dune Du Pilat

Das Wetter setzt nochmal etwas nach und schon am Morgen ist es angenehm mild. Wir folgen 87 Kilometer dem Eurovelo durch Mimizan und Biscarrosse, zwischen zwei großen Seen hindurch, bis zur Dune du Pilat, der höchsten Wanderdüne Europas! Im letzten Sommer hat es hier einen riesigen Waldbrand gegeben, der große Teile des Pinienwaldes und mit ihm einige Campingplätze zerstört hat. Zum Glück finden wir einen, der vor wenigen Wochen wiedereröffnet hat. Unser Camp bauen wir direkt an der Düne auf, keine 500 m vom Meer entfernt. Recht beschwerliche Meter allerdings – gilt es auf diese Distanz noch 80 Höhenmeter durch Sand zu bewältigen. Hier wollen wir gleich zwei Nächte bleiben und das phantastische Wetter morgen für einen Pausen- und Erkundungstag nutzen.

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07.04.2023 – Mimizan

Am Morgen gehen wir erstmal Lebensmittel einkaufen und es zeigt sich, dass das Sortiment wieder deutlich umfangreicher ist. Dann geht es kilometerlangen durch Pinienwälder, welche gerade in Blüte stehen und uns mit ihren grüngelben Pollen bestäuben. Die Klamotten, das Gepäck und das Handy zur Navigation sind schnell mit einer Staubschicht bedeckt, die wir gar nicht so einfach los werden. Und noch etwas bekommen wir nicht abgeschüttelt: den Jakobsweg. Es scheint auch hier Einer entlang zu führen, denn immer mal wieder sehen wir gelbe Muschelsymbole oder vereinzelt Pilgerer.
Gegen 12 Uhr machen wir unsere erste Pause. Mittlerweile hat es sich fest etabliert, dass wir vom Abendessen eine Box für unterwegs abfüllen, was den Planungsaufwand etwas reduziert. In dieser Pause auf einem Waldrastplatz kommen wir jedoch kaum zum Essen, weil ein Hund unsere Aufmerksamkeit und Hingabe einfordert. Er möchte Ball spielen und nachdem wir einmal nachgegeben haben, gibt es kein Zurück mehr. Unermüdlich jagd er dem Ball nach und bringt ihn zu uns zurück. Das Herrchen sitzt rauchend im Auto und scheint froh zu sein, dass jemand ihm die Arbeit abnimmt. Und das Konzept geht bestimmt nicht zum ersten mal auf 😉
Bei einer zweiten Pause lassen wir das Tandem am Wegesrand stehen, um einen kleinen Abstecher zum Meer zu machen. Da ist er wieder der Atlantik!

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06.04.2023 – Capbreton

Kilometer für Kilometer lassen wir die letzten Ausläufer der Pyrenäen hinter uns. Wir werden sanft empfangen von gut ausgebauten flachen Radwegen, blühender Landschaft und sommerlichen Temperaturen über 20°C.
In Bayonne findet am Flussufer ein großes Fest statt – La Foire au Jambon. Seit 1462 wird in diesen Tagen traditionell der beste Schinken aus Bayonne gekürt. Die Stimmung an der Promenade ist fröhlich und ausgelassen, Musik dringt von verschiedenen Seiten an uns. Wir essen hier aber nichts, sondern fahren weiter an einen abgelegene See für ein Picknick. Für eine Abkürzung, die wir von hier nehmen wollen, werden wir abgestraft indem wir mal wieder durch tiefen Sand schieben müssen. Aber so leicht lassen wir uns nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Die Zeltplatzsaison hat leider noch nicht begonnen und so steuern wir vergebens vier verschiedene an, bevor wir einen offenen finden. Dieser ist total fahrradfreundlich und wir bekommen sogar den Code zu einem Raum, in dem wir unsere Powerbanks sicher laden können 😉

Jakobsweg on tour

05.04.2023 – Saint-Jean-Pied-de-Port

Heute geht es fast nur noch bergab. Gegen Mittag rollen wir über eine Brücke in Arnèguy und sind damit in Frankreich angekommen.
Saint Jean ist kleiner als erwartet, dennoch bekommen wir unsere letzten Stempel zusammengesammelt. Damit haben wir jetzt offiziell zwei Jakobswege absolviert, sind also quasi Pilgerprofis 😉
Bevor wir die Stadt verlassen, legen wir noch unsere Jakobsmuschel, die uns seit Lissabon begleitet, mit einer kleinen Signatur versehen, an den Fuß der Kathedrale neben ein paar bunt bemalte Steine.