Freinacht on tour

20.01.2023 – Iznalloz

Als wir aus dem Zelt kriechen, ist es deutlich wärmer als beim reinschlüpfen gestern abend. Sobald wir wieder auf die Hauptstraße treffen, erblicken wir ein Stück Regenbogen vor uns, das uns einige Kilometer begleitet und dabei an Intensität gewinnt und zum vollen Halbbogen wächst. Von den beiden Dingen, die es für diese optische Erscheinung braucht, bekommen wir allerdings nichts ab. Wir fahren in eintönigem Grau und weder öffnet sich die Wolkendecke für die Sonne, noch um sich abzuregnen. Unsere beiden Pausen machen wir im stehen. Erst als wir den zweiten Berg des Tages erklommen haben, verwandelt sich der Himmel in ein großartiges Wolkenschauspiel und als wir das Tandem steil in den Kiefernwald schieben, in dem wir schlafen wollen, sendet die Sonne sogar ein paar wärmende Strahlen. Die Erkundung des Waldes, der von dem warmen Licht streifenweise durchzogen wird, erweckt Erinnerungen an unser geliebtes Brandenburg ♥
Mit der Zeit merken wir, dass das Leben am Hang ziemlich anstrengend ist, wir haben ja leider zwei gleich lange Beine 😉 Auch für unser Zelt finden wir keine ebene Fläche (der Indikator ist, wie schief der jeweils andere steht) und so rutschen wir beim zu Bett gehen förmlich in die Federn. Auch in der Nacht schwindet die leichte Spannung, um sich in Position zu halten, nie ganz.

Freinacht on tour

19.01.2023 – Solera

Schönheit hat viel mit Diversität zu tun. Das merken wir, als wir heute, zumindest stellenweise, endlich mal wieder etwas anderes als Olivenbäume sehen. Anfangs konnten wir uns kaum satt sehen an den gepflegten, grünen Weiten, aber irgendwann verloren sie für das Auge doch den Reiz. Das “Neue“ sind hohe, wuchernde goldene Halme am Straßenrand und schneebedeckte Bergketten am Horizont.
Abends fahren wir in einen kleinen Weg, der von der Straße abgeht und finden ein kleines Nest inmitten von Schilf und kahlen Bäumen am Fluss. Das soll der heutige Schlafplatz sein und er wird uns in der folgenen Nacht besser als gedacht vorm Wind und der Feuchtigkeit schützen.

Regen.-Pause

18.01.2023 – Sabiote

Während wir die sicheren vier Wände um uns herum genießen, beginnt in unseren Köpfen der nächste Plan zu reifen. Bis Mitte nächster Woche wollen wir es nach Málaga schaffen und dann für sechs Tage in eine Unterkunft mit Saunazugang einchecken, um gemeinsam zu fasten. Wir hatten schon früher darüber nachgedacht, aber im Arbeitsalltag nicht die notwendige Ruhe gefunden. Wir erhoffen uns davon unsere metabolische Flexibilität zu erhöhen, um zukünftig bei Anstrengung nicht mehr alle zwei Stunden essen zu müssen, ohne dass die Laune und Energie sinkt.

Orga Regen.-Pause

17.01.2023 – Sabiote

Was für ein Glück wir mit der Wahl unserer Pausentage hatten, hören wir als wir am Morgen erwachen und es draußen stürmt und regnet. Nur einmal verlassen wir das Haus, um einzukaufen. Zu unserer Verwunderung haben wir in Spanien bisher nur eine Supermarktkette gefunden, wo es Tomatenmark zu kaufen gibt. Ansonsten scheint der Verkaufsschlager, den es in riesiger Auswahl gibt, Tomate frito zu sein. Schmeckt wie pürierte Tomaten mit Zucker und ist nicht so unser Ding. Ansonsten nutzen wir unseren freien Tag um Tandi zu warten, neue Fehlstellen an unseren Taschen zu nähen, lecker zu essen (endlich haben wir ein perfektes Mac’n’Cheese hinbekommen) und entspannt abzuhängen…

on tour

16.01.2023 – Sabiote

Wir verlassen den Bahnhof früh, um auf den Hauptweg zu kommen, bevor die ersten Arbeiter ihren Tag beginnen. Entgegen der Prognose, scheint zunächst wieder die Sonne. Dennoch werden wir nicht komplett warm, denn die Temperatur will einfach nicht die 5°C Marke knacken. Auf 28 km legen wir heute 632 Höhenmeter zurück. Zum Glück haben wir gestern schon etwas mehr geschafft, als geplant, denn heute ist es deutlich ungemütlicher. Bei einer hitzigen (und vlt. auch etwas unnötigen) Diskussion reißt Tandi unter uns der Geduldsfaden und die Kette springt ab. Damit ist alles gesagt oder?
Als wir in Sabiote eintreffen beginnt ein ganz feiner Nieselregen. Also schnell alle Zutaten für ein heißes Chili kaufen und dann ab in unsere Unterkunft. Nach dem Duschen schlafen wir beide für eine Stunde auf der Couch ein. Die erschöpften Körper haben sich genommen was sie brauchten und schon geht es uns wieder richtig gut. Vertragen sind wir natürlich längst ♥

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15.01.2023 – Villacarrillo

Die Nacht im Bahnhof war angenehm warm und bei einem kurzen gemeinsamen Blick hinaus, konnten wir einen der tiefsten und funkelnsten Sternenhimmel unseres Lebens bestaunen.
Am Morgen packen wir gut gelaunt ein trockenes Zelt ein und haben sogar die Ruhe und das Sicherheitsempfinden für einen Kaffee und Tee.
Zum Start geht es mild bergab, sodass wir die flüchtige Stimmung ganz in uns aufnehmen können, die das diesige Licht auf den Bergen erzeugt. Wie eine Zeichnung in graublau erscheinen nur die Silouetten und Staffeln sich bühnenbildmäßig nach hinten.
Nach den ersten 20 km des Tages endet unsere zweite Vìa Verde und wir werden auf eine Autostraße umgeleitet. Doch nur weil der weitere Teil der Bahnstrecke noch nicht ausgebaut ist, heißt das nicht, dass einige alte Bahnhöfe und Tunnel nicht noch irgendwo in der Landschaft existieren könnten. Wir nehmen uns vor heute Abend noch mal von der Straße abzufahren und einen weiteren Bahnhof zum Übernachten zu suchen, weil wir damit gestern so eine gute Erfahrung gemacht hatten und weil Regen zwischen 23 und 2 Uhr angekündigt ist. Zum Glück gibt es Karten, die die stillgelegte Zugstrecke noch verzeichnet haben.
Aber erst mal geht es entlang endloser Olivenplantagen. Die Bäume sind so akkurat angeordnet, dass es aussieht, als läge ein Vermessungsraster auf der Landschaft. Schon auf der Sattelitenkarte sah es abgefahren aus, aber erst von einem unserer heutigen Hochpunkte aus, erfassen wir ansatzweise die gesamte Dimension! Hier dreht sich alles um Oliven. Wir riechen viele große Fabriken zur Verarbeitung, schon bevor wir sie sehen und fast alle Autos die uns entgegen kommen oder uns überholen, haben was mit der aktuellen Olivenernte zu tun.
Am Abend finden wir nach einer beeindruckenden, aber auch anstrengenden Etappe tatsächlich einen der alten Bahnhöfe, inmitten, wie könnte es anders sein, einer bewirtschafteten Olivenplantage. Er ist gut in Schuss, also im wahrsten Sinne des Wortes: Er ist übersäht mit Einschusslöchern. Was hier wohl veranstaltet wurde? Dennoch besser, als im ungesicherten alten Tunnel, den wir auf dem Weg entdeckt haben, denken wir und errichten unser Nachtlager. So richtig gemütlich wird es aber erst nach Einbruch der Dunkelheit, als die Landwirtschaftsfahrzeuge ihren Betrieb einstellen und es leiser wird um uns herum.

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14.01.2023 – Gènave

Achtung ein Zug fährt durch!
Heute fühlen wir uns schon viel mehr wie auf einer Bahnstrecke. Wir fahren durch tiefe Schneisen im Fels, lange Tunnel und über Dämme mit weitem Blick über die Landschaft. Die vorherrschenden Farben sind saftiges grasgrün und helles himmelblau. In regelmäßigen Abständen treffen wir auf die gut bekannten alten Bahnhöfe. Es ist fast immer das selbe Model nur in unterschiedlichen Verfallszuständen. In einem gut erhaltenen kommen wir heute unter und hoffen, durch das zusätzliche Dach, auf eine etwas wärmere Nacht. Wir merken, dass die kühlen Temperaturen an den Abenden und Morgenden uns zu viel Energie kosten, daher haben wir den Plan gefasst, nach einer kurzen Regenerationspause in einem Apartement nahe Ùbeda, zurück an die Küste zu fahren.

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13.01.2023 – El Jardìn

Von Albacete startet unser nächster Bahntrassenradweg, ähnlich dem nach Teruel. Beide gehören zu den Vìas Verdes, einem Netz aus umfunktionierten Bahnstrecken. Wir müssen jedoch schnell feststellen, dass Vìa Verde nicht gleich Vìa Verde ist. Dieser Weg wirkt viel liebloser gestaltet, als unser erster und verläuft, zumindest heute, eintönig durch Landwirtschaftsgebiete. An zwei Stellen werden wir unerwünschterweise von ein paar Wassersprenklern mitgegossen.
Am Wegrand sind immer wieder Schilder mit der Aufschrift: Coto de Caza. Das haben Spanien und Italien gemeinsam: die unfassbar vielen Jäger und Jagdgebiete.
Pausenplätze sind Mangelware. Der erste kommt nach über 50 km und den nutzen wir dann auch direkt zum schlafen. Beim Kochen, Essen und Zeltaufbauen schlottern wir, denn sobald die Sonne hinterm Berg verschwunden ist, ist es schnell sehr kalt geworden. Trotzdem lassen wir uns das Abendprogramm nicht entgehen. Gespannt sehen wir ein paar Iberiensteinböcken dabei zu, wie sie auf der Suche nach Nahrung am Hang entlang tänzeln. Ihre Trittsicherheit und Körperschwerpunktverlagerung ist beeindruckend.

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12.01.2023 – Albacete

Als wir am Morgen das Zelt einpacken, hängt ein dicker Nebel über dem Park am Fluss.
Von Valdeganga führt ein Radweg direkt nach Albacete. Leider bekommen wir von der Landschaft so gut wie nichts mit. Stattdessen sind wir durch den Nebel gezwungen, unsere Beobachtungen auf einen kleinen Radius zu beschränken. Im ersten Ort sehen wir, auf dem Boden vor einigen Häusern, florale Zeichnungen mit Namen und Daten. Wir vermuten, dass es sich um eine Art Zelebrierung von Geburten handelt. Die älteste noch erhaltene Malerei, die wir entdecken, reicht 5 Jahre zurück.
Auf dem Radweg selbst kommen uns einige Rennradlergruppen entgegen, die sich das Training auch bei trübem Wetter nicht entgehen lassen. Ganz plötzlich tauchen sie aus dem Weiß vor uns auf. Wir sehen mittlerweile so aus, als würden wir seit einiger Zeit durch Regen fahren, weil der Nebel an uns kondensiert und in dicken Tropfen herunter rinnt.
Am Straßenrand bemerken wir einige Hasenhochburgen, deren Bewohner schnell in den unzähligen Gängen im Erdwall verschwinden, sobald sie uns registrieren. Doch die weißen Schwänzchen heben sich verräterisch von der Umgebung ab.
Gegen 11 Uhr erringt die Sonne ihren ersten Teilsieg und schenkt uns ein kurzes Aufatmen. Doch schnell zieht sich die Wolkendecke wieder zu und der Nebel umfängt uns noch etwas dichter. Erst zwei Stunden später sollen wir die Sonne erneut zu Gesicht bekommen.

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11.01.2023 – Valdeganga

Nachdem wir wirklich lange geschlafen haben, wagen wir uns in den Canyon. Unser Weg heute wird uns immer am Fluss Jùcar entlang führen, der sich in weiten Bögen zwischen den weißen Kalkfelsen hindurch schlengelt. Mächtig ragen sie neben uns empor und lassen die Klettererherzen schneller schlagen. Die kleinen Orte, durch die wir kommen, integrieren sich faszinierend in die Landschaft. Die Häuser verschmelzen förmlich mit dem Fels und teilweise sieht man von einem ganzen Ort nur die Hausfassaden, während die Wohnungen im Berg selbst liegen. Auch außerhalb der Orte blinzelt ab und zu ein Fenster aus dem Stein. Wir grüßen einige Arbeiter, die mit verschiedensten Reparaturen beschäftigt sind oder sich um ihre kleinen Gärten nahe des Flussbetts kümmern. Dieser schmale Streifen Land am Jùcar ist erstaunlich belebt. Und weit über all dem zieht ein Adler mit großen Schwingen seine Kreise.
Von Zeit zu Zeit weisen einige Schilder auf Steinbruchgefahr hin, für alle, die die Einschlagslöcher und Kalkspuren auf der Straße nicht selbst zu deuten wissen. Vlt. erfüllt unsere tägliche Kopfbedeckung hier zwei Funktionen… wenigstens für kleinere Steine…? Naja, lieber nicht zu lange drüber nachdenken.