Freinacht on tour

10.01.2023 – Villa de Ves

Gleich zu Beginn geht es heute steil bergauf. Erst so, dass wir es noch bewältgen können, indem wir die eh schon vorhandenen Serpentinen zusätzlich in Schlengellinien hoch fahren, später aber stellenweise zu steil, sodass wir schieben müssen. Als wir schließlich das Hochplateau erreichen, offenbart sich uns eine völlig neue Landschaft. Eine weite Ebene, mit Feldern, Wäldern und Windrädern. Soweit das Auge reicht, keine Felsen und Berge. Kaum zu glauben, dass wir uns 800 Meter über dem Meeresspiegel befinden. Es ist wie eine andere Welt… Und in dieser Welt sind wir ein Segeltandem:

Unsere “wohlverdiente“ Abfahrt zig Kilometer später, ist eine zwei Kilometer kurze, grobe Schotterpiste. Wir müssen so oft Pause machen, um die Bremsen zu kühlen, dass wir kaum schneller sind, als würde es bergauf gehen. Dafür überqueren wir durch dieses Opfer am Ende unsere erste Hängebrücke! und finden einen ruhigen Schlafplatz bei einem alten Elektrizitätswerk. Neben einigen teufelsanbeterischen Parolen und Zeichnungen, finden wir beim Erkunden der Ruine auch wunderschöne Wandmalereien, vermutlich von den ehemaligen Werksarbeitern.

Freinacht on tour

09.01.2023 – Cofrentes

Nach zwei Nächten drinnen ist Unordnung ins Gepäck gekommen, das als erstes wieder sortiert werden will. Dabei können wir auch noch mal die eine Tasche in Augenschein nehmen, die wir in Cella mit Zahnseide genäht hatten. Die Reparatur scheint die ersten Belastungen unbeschadet überstanden zu haben. Danach kaufen wir Proviant für die nächsten zwei Tage und starten in Richtung Albacete. Der Tag ist sonnig und mild, unsere Mittagspause durch die Atemübungen etwas länger als sonst und als wir unsere letzte Abfahrt des Tages hinunterrollen, sehen wir ein paar Böcke, die in unmittelbarer Nähe von uns geschickt die Felswände empor klettern.
Unser Schlafplatz liegt zwischen zwei Burgen aus der Zeit als Christen und Muslime noch um die Vorherrschaft in Spanien rangen.

Regen.-Pause

08.01.2023 – Requena

Während wir ein paar Lockerungs- und Dehnübungen machen, heult der Wind draußen laut und schmeißt von Zeit zu Zeit Regenschauer gegen unsere Fenster. Wir sind froh ihn heute nicht als Gegner zu haben. Und für morgen machen wir ihn zu unserem Freund und legen die Route so um, dass er uns von schräg hinten unterstützen kann.
Der Tag klingt mit einem Candlelight-Dinner und einer heißen Badewanne aus.

PS: Ab heute wollen wir eine neue Gewohnheit in unseren Alltag integrieren: Eine 15-25 minütige Atemübung, bei der man im 5-Sekunden Takt bewusst ein- und ausatmet. Sie soll bei regelmäßiger Ausführung die Herzfrequenzvariabilität steigern und die Aufmerksamkeit schulen.

on tour

07.01.2023 – Requena

Wir haben im Wald nahe einer eisenhaltigen Quelle geschlafen. Unter Bäumen hält sich die Wärme des Vortages besser, als auf dem freien Feld und so ist es am Morgen nicht ganz so schwer das Zelt zu verlassen. Gerade als wir aufbrechen, kommt der erste Spanier, um seine Kanister mit Wasser zu füllen. Die Quelle war gestern Abend schon sehr beliebt. So einen Ansturm auf Frischwasser kannten wir bisher nur von Sardinien.
Als wir wenig später im nächsten Ort ENDLICH im Supermarkt stehen, ist die Gier nach allen möglichen Lebensmitteln groß, aber die Vernunft letztlich doch noch etwas größer. Mit genug Essen für zwei Tage, aber dennoch ohne komplett überfüllte Taschen geht es weiter und während der Wind in der Hochebene uns auch bergab noch kräftig in die Pedalen treten lässt, denken wir nur an die heiße Badewanne am Abend. Die Unterkunft haben wir uns spontan gesucht, weil es morgen regnen soll und wir bei den aktuellen Temperaturen, die kaum in den zweistelligen Bereich gehen, lieber auf Nässe verzichten wollen.

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06.01.2023 – Talayuelas

Heute ist Weihnachtsbescherung in Spanien – der Tag der heiligen drei Könige! Gestern Abend zogen sie singend durchs nahe Dorf und die Weihnachtslieder hallten bis zu uns herüber. Gefeiert wurden sie mit einem bunten Feuerwerk und heute werden die Kinder ihre Geschenke finden.
Wir starten den Tag wie immer mit Tee, Kaffee und Müsli und versuchen dann mit einem Handtuch und rotgefrohrenen Fingern das Eis vom Zelt zu rubbeln. Aber erst mit Hilfe der Sonne bekommen wir das Zelt soweit trocken, um es guten Gewissens einpacken zu können. Dann geht es bei bester Laune los, entlang orange leuchtender Felsen bis wir an einer Kreuzung zum stehen kommen. Wir können den Weg, den das Navi (Komoot) vorschlägt einfach nicht finden, bis wir begreifen, dass es sich um die Schnellstraße handelt, die in 25 Meter Höhe über uns verläuft. Was für ein heftiger Kartenfehler! Und heute kostet er uns nicht nur ein paar Kilometer, sondern auch ein herzhaftes Abendessen, denn den angestrebten, einzig offenen Supermarkt, werden wir nicht mehr rechtzeitig erreichen. Aber wir sind gelassener geworden. Die Haferflocken werden schon irgendwie reichen für den Abend. Wir planen um und während wir noch überlegen, ob das die beste Alternativroute ist, befinden wir uns plötzlich auf den Spuren der heiligen drei Könige! In Mauernischen und unter Felsvorsprüngen finden wir Krippen in unterschiedlicher Größe und Detailverliebtheit. Die Suche ist aufregend, quasi Weihnachten und Ostern zugleich 😉 Mittlerweile ist es deutlich wärmer und wir fahren an einem rauschenden Bach entlang, durch einen sonnendurchfluteten Wald, zwischen hoch emporragenden Felswänden hindurch und dann wieder auf engen Serpentinen bergauf. In den Bergen wird uns wirklich nie langweilig!

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05.01.2023 – Torrebaja

Entgegen der gestrigen Erwartungen, schlafen wir recht gut und warm. Wie kalt es Nachts tatsächlich außerhalb unseres gemütlichen Nestes war, erfahren wir, als wir am morgen unsere Flaschen öffnen und das Wasser darin, durch die Erschütterung, augenblicklich kristallisiert. Unser Waschritual setzen wir trotz naher Wasserquelle aus. Nach dem Zeltabbau sind unsere Hände eiskalt. Auch während der Tour müssen wir immer wieder anhalten, um die Finger unter der Jacke am Körper zu wärmen. Bei der ersten Pause ist es diesmal Tinos Kreislauf der zusammensackt und nur durch hinsetzen und einen Energieriegel wieder in Schwung kommt.
Gegen 11 Uhr sind wir weit genug oben, dass die Sonne uns erreichen und wärme spenden kann. Obwohl Wärme hier in Relation zu sehen ist. In diesem Fall heißt es, dass wir die Handschuhe ausziehen können, Windjacke und -hose bleiben an, in weiser Voraussicht auf die Abfahrt, denn schon ist der Pass auf über 1400 m Höhe überquert und es geht bergab!
Leider finden wir auf dem gesamten Weg keinen geöffneten Supermarkt, dafür einen superschönen Schlafplatz an einem Bach. Bezüglich des Abendessens werden wir sehr kreativ werden müssen, denn die Vorräte sind quasi aufgebraucht. Hoffentlich hat morgen irgendein Laden offen, trotz Feiertag…

Freinacht on tour

04.01.2023 – Bezas

Wir erwachen mit heftigem Muskelkater. Der Tag gestern hatte es in sich.
Das Packen fühlt sich an, wie ein Neuanfang. Alle Klamotten sind mal wieder frisch gewaschen, die kaputte Isomatte ist ersetzt und einiges nicht genutztes Equipment wie Wasserfilter und -säcke, sowie Solarpanel und etwas Werkzeug schicken wir mit Roman und Lotta zurück nach Berlin, sodass unser Gepäck insgesamt leichter wird. Perfekt für die weiteren bevorstehenden Bergetappen!
Der Abschied fällt gar nicht so leicht, aber gegen Mittag trennen sich unsere Wege schließlich. Der Himmel ist wolkenlos und die Luft ganz klar. An einigen Stellen, wo die Berge dicht stehen und die Sonne nie hinkommt, sehen wir glitzernden Frost am Boden. Unfassbar, dass wir vor einer Woche noch in kurzarm und -bein unterwegs waren. Doch die kühlere Temperatur ist der Preis für die fantastischen, wilden Berglandschaften, absolute Ruhe in der Natur, und leere Straßen ganz für uns allein. Und den sind wir, zumindest temporär, gerne zu zahlen bereit.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz finden wir das “centro de Interpretaciòn“ und interpretieren den Parkplatz davor als unseren heutigen Zeltplatz. Als die letzten Sonnenstrahlen verschwinden, wird es schlagartig kalt und die halbe Stunde bis es dunkel wird, stehen wir nur eng umschlungen da. Dann können wir endlich aufbauen und uns in den Schlafsack verkriechen. Mal sehen wie wir durch die Nacht kommen…

Freunde und Familie Wandern

03.01.2023 – Albarracìn

Mit einem gemeinsamen Frühstück, feiern wir Romans Geburtstag. Geschenke und ein Liedchen dürfen natürlich auch nicht fehlen 😉
kurz vor Mittag brechen wir auf, denn heute steht unsere erste Bouldersession an, seit wir Deutschland verlassen haben! Mit Crashpads und viel Pausenproviant bepackt, bahnen wir uns vom Parkplatz den Weg durch den Wald, über umgefallene Bäume und querliegende Felsblöcke. Der Weg ist nicht überall eindeutig, aber wir folgen vertrauensvoll den kleinen Steinmännchen am Wegesrand und erreichen schließlich den angestrebten Sektor. Unser Ziel ist es sieben verschiedene Routen zu klettern und was in der Halle eine Leichtigkeit ist, wird am Fels zur interessanten Herausforderung. Es macht großen Spaß, die Routen zu lesen und zu erfahren, was unseren Körpern aktuell möglich ist und was nicht. Roman und Lotta sind geduldige und motivierende Begleiter, die erst so richtig auf ihre Kosten kommen, als wir schon ausgepowert sind. Als am späten Nachmittag die Sonne durch die Wolkendecke bricht, erstrahlen die Felsen und Bäume und verabschieden uns herzerwärmend in den Feierabend.
Unser Tag endet mit einer warmen Dusche und einem üppigen Abendessen.

Freunde und Familie Stadt

01.01.2023 – Teruel

Wir schlafen recht lang, dann zieht es uns hinaus in die Stadt für ein Frühstück und einen kleinen Spaziergang, der allerdings schnell auf einer Sonnenbank endet.
Nachdem wir uns von Roman und Lotta bis morgen Abend verabschiedet haben, heißt es für uns beide nur noch einen Salat zubereiten, essen und dabei einen Film schauen. Was für ein gemütlicher Tag!

Ps: Und weil für unsere Wachsfiguren kein sicherer Transport möglich ist, gab es natürlich ein kleines Fotoshooting, damit wir uns das Jahr über an sie erinnern können und der Abschied nicht so schwer fällt. Wir sind gespannt, ob der ein oder andere noch etwas ganz anderes erkennt.