Regen.-Pause Stadt

13.12.2022 – Genua

Als wir kurz vor Einbruch der Morgendämmerung mit dem Schiff in Genua einfahren, erstreckt sich vor uns ein großer leuchtender Berg. Ganz schön beeindruckend!
Beim Ausstieg dann erst mal ein Kälteschock. Nur 3°C hat es hier! Wird Zeit, dass wir nach Spanien kommen… Aber erstmal liegen zwei dringend benötigte Regenerationtage in Italien vor uns. Und Genua zieht uns, sobald wir im Kern ankommen, direkt in seinen Bann.
Großzügigerweise heißen uns Jonas und Fiona für zwei Nächte bei sich zuhause willkommen. Sie kommen aus Hamburg und leben aus beruflichen Gründen für drei Jahre in Genua. Unser Glück! So haben wir eine freie Unterkunft, um die Fährkosten auszugleichen und endlich mal wieder Leute mit denen wir uns auf Deutsch von Angesicht zu Angesicht austauschen können. Das hat und gefehlt, ohne dass wir es bewusst gemerkt haben und vermittelt direkt so etwas wie Heimat. Die Wohnung liegt in einer der Fußgängerzonen und so sind wir, als wir Nachmittags zu einer kleinen Erkundungstour aufbrechen, direkt mittendrin im Stadtleben.
Als es schon dunkel wird, kommen wir über einen Weihnachtsmarkt, der zum ersten mal eine vertraut winterliche Stimmung auslöst. Vermutlich unter anderem durch die Kälte. Zusammen mit dem Wind ist es echt grenzwertig! Für dieses Wetter sind wir nicht ausgerüstet. Und so eilen wir zurück und kochen für den Abend eine riesige Lasagne für uns vier.

Land

Sardinien Spezial

Unser erster begeisterter Eindruck von Sardinien hat sich bestätigt!
Wir behalten intensive Sonnenauf- und Untergangsstimmungen in Erinnerung; freundlich grüßende, lächelnde Menschen; berggeprägte Landschaften; blaues Meer; nicht zugebaute Strände und gute, verkehrsarme Straßen (wenn man sich an ein paar Routenplanungs-Regeln hält) mit rücksichtsvollen, entspannten Autofahrern und damit einhergehend herrliche Abfahrten!
Wenn wir Sardinien erneut besuchen würden, wäre es bevorzugt im Frühling oder Spätherbst, um wieder dem Touristenansturm zu entgehen und vermutlich mit Hauptaugenmerk auf die Westküste und die Berge.

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12.12.2022 – Porto Torres

Die Nacht war richtig gemütlich und der immernoch anhaltende, aber nicht mehr ganz so aggressive Wind, bringt uns den Vorteil ein komplett trockenes Zelt einpacken zu können.
Mit Rückenwind und Sonne im Gesicht, brechen wir zu unserer vorerst letzten Sardinienfahrt auf. Es ist das erste Mal, dass wir zu einem Ort zurückkehren und dadurch Wegpunkte wiedererkennen können.
Nachdem wir es durch das Einbahnstraßenlabyrinth zurück ins Zentrum von Porto Torres geschafft haben, stehen noch einige Vorbereitungen für die Fährfahrt an. Tandi wird in der Waschanlage herausgeputzt (es gibt sogar eine extra Haltekonstruktion!), Proviant gekauft und gemütliche Klamotten und Kissen bereit gelegt. Leider schmeckt das Wasser aus den öffentlichen Hähnen, an denen wir uns die letzten Wochen immer bedient haben, hier in Porto Torres als würde man aus einem Schwimmbecken trinken. Daher müssen wir auch noch ein paar Flaschen Wasser kaufen. Das ist immer ärgerlich, weil es hier kein Pfandsystem gibt und die alten Flachen einfach im Müll landen.
Als wir fertig sind haben wir immer noch drei sich dehnende Stunden bis zum Check-in auf der Fähre. Doch irgendwann sind auch diese geschafft (nicht zuletzt dank leckerer Pizza “to go“) und es kann losgehen! Zurück nach Italien… Der berühmte Schritt zurück auf den zwei nach vorne folgen 😉
Der Abschied von Sardinien ist deutlich schwerer als die Abfahrt aus Italien vor knapp drei Wochen. Es war eine wirklich tolle Zeit auf der Insel, die unser Selbstvertrauen und unsere Zuversicht gestärkt hat. Und es fühlt sich an, wie ein kleines Ende, obwohl wir natürlich wissen, dass wir immer zurückkehren können und dass sich dafür bald eine neue Tür öffnen wird.

Freinacht on tour

11.12.2022 – Stintino

Grüße zum dritten Advent!
Der Körper hat einige interessante Mechanismen: Nachdem wir jetzt 11 Tage am Stück auf dem Rad saßen, mit dem Wissen im Hinterkopf heute einen Pausentag auf der Fähre zu haben, fällt es uns an diesem Morgen nicht leicht uns noch mal für zwei weitere Tage aufzuraffen. Hätten wir uns aber von Anfang an auf 13 Tage eingestellt, wäre es jetzt vermutlich kein Problem.
Um die nächsten beiden Tage dennoch genießen zu können, haben wir die Touren ganz kurz geplant. Auf dem kürstesten Weg nach Stintino an die Küste und wieder zurück. Doch wir haben die Rechnung ohne diesen heftigen Gegenwind gemacht. So können auch relativ ebene 30 km sich wie eine richtig schwere Bergetappe anfühlen.
Auch an dem Platz an der Steilküste, den wir uns zum Schlafen aussuchen, benötigen wir noch einiges an Energie, denn der Wind entreißt uns alle Wärme, die unsere Körper produzieren. Und leider lässt er uns auch keine Kerzen entfachen, sodass wir unser Abendbrot ohne unseren improvisierten Adventskranz einnehmen.
Erst als wir nach der Dämmerung ins Zelt kriechen, können wir uns so richtig in die Entspannung sinken lassen.

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10.12.2022 – Porto Torres

Aus dem gestrigen Grau entwickelt sich heute ein trüber Regentag. Von vorne peitscht er uns entgegen. Dennoch kommen wir gut durch, können in kleineren Regenpausen sogar eine ganz eigene Schönheit in der nassen, gesättigten Landschaft und ihren gedämpften Farben erkennen. Irgendwie mystisch wirkt die Gegend mit dem “Dunstfilter“.
Leider scheinen die Autofahrer fast durchweg etwas gestresst zu sein und so kommt die Angst übersehen zu werden, die wir vom italienischen Festland kennen, wieder hoch.
Unser Endpunkt Porto Torres ist dann ernüchternd grau, unzugänglich und leer. Um so gemütlicher und einladender wirkt unser Zimmerchen mit Himmelbett, in dem wir alles zum Trocknen ausbreiten.

PS: Das Resultat unserer gestrigen Recherchen:
Da die Fähre nach Barcelona morgen nicht fährt, wir aber auch nicht sieben weitere Tage auf der Insel verbringen können, ohne unsere schönen Weihnachts- und Silvesterpläne über Bord zu werfen, brechen wir morgen zur Nordwestküste auf, um noch eine letzte Nacht auf Sardinien zu verbringen. Dann werden wir die ausgefallene Direktverbindung mit zwei Fährfahrten umschiffen, indem wir mit Umweg über Genua nach Spanien übersetzen. So fällt zwar die Stadtbeschtigung von Barcelona für uns flach, dafür kommen wir bis Weihnachten aber wie geplant nach Valencia und können von dort Roman und Lotta über Silvester in Albarracin besuchen.

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09.12.2022 – Valledoria

Heute ist der Himmel mit dunklen Wolken verhangen und es bläst uns ein starker Wind entgegen. Trotzdem ist es mit fast 20°C angenehm warm und unsere Gemüter sind heiter.
Wir saugen noch mal viele Details z.B. Gerüche dieser Insel in uns auf, die uns in den letzten Tagen so ans Herz gewachsen ist.
Abends kommen wir in einer kleinen, günstigen Ferienwohnung unter, im selben Ort, in dem eine von Helenas ersten Urlaubserinnerungen entstand.
Kurz vorm zu Bett gehen, bekommen wir die Mitteilung, dass unsere Fähre nach Barcelona ausfällt – ohne weitere Erklärung. Und die nächste kommt erst wieder in sieben Tagen! Wir sind beide nicht die Persönlichkeiten, die solch spontane Mitteilungen leicht verdauen, vor allem wenn noch weitere Planänderungen damit einhergehen. Und so beginnt noch ein langes Recherieren bis in die Nacht hinein. In jedem Fall kostet das nun eine Menge Zeit, Nerven und Geld.

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08.12.2022 – Lu Furracu

Das Wildzelten wird tatsächlich mit jedem Mal leichter. An guten Plätzen trauen wir uns mittlerweile bis in die Morgendämmerung hinein liegen zu bleiben.
Von der schlechten Stimmung des Vortages ist nichts mehr zu spüren. Zum Sonnenaufgang sitzen wir am Strand und frühstücken unser tägliches Müsli. Ganz leise gluckernd schwappen die Wellen ans Ufer. Es ist wunderbar friedlich hier.
Unser heutiges Ziel sind Marta und ihre Familie. Den Kontakt zu ihnen haben wir über WarmShowers geknüpft. Abgeschieden in den Bergen bewohnen sie ein Haus, das in der alten Kultur der Stazzi als “Lu Furracu“ bekannt war, was soviel wie “der Ofen“ bedeutet, denn es war einst das einzige Haus mit einem großen Backofen. Zur damaligen Zeit lebten die Menschen nicht in Siedlungen, sondern familienweise weit über die Region verstreut. Eine Verbindung stellten lediglich Händler und Reisende her, die dementsprechend herzlich willkommen waren. Ein Tausch von Herberge gegen Neuigkeiten und spannende Geschichten. Die Idee dieser alten Tradition bewahrend, werden auch wir wärmstens willkommen geheißen, und dürfen uns nach der Ankunft direkt an einen gedeckten Tisch zu Pasta und Brot setzen.

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07.12.2022 – Costa Smeralda

Nach einer wirklich erholsamen Nacht beginnt unser Tag mit einem glühenden Sonnenaufgang über dem Meer. Wir sind super glücklich genau jetzt, genau hier zu sein. Je höher die Sonne steigt, desto mehr gewinnen ihre Strahlen an Energie. Erstaunlich wie groß der Temperaturunterschied zwischen Gebirge und Küste ist. Hier unten können wir unsere Jacken wieder tiefer in den Taschen verstauen.
Doch es gibt, unabhängig von den äußeren Umständen, auch auf dem Fahrrad, einfach richtig miese Tage… und so schön Dieser startete, kippt er gegen Mittag. Der Gegenwind zehrt an den Kräften und an den Nerven und spätestens als wir durch Olbia fahren hängt trotz klarem Himmel eine richtig “dunkle Wolke“ über unseren Köpfen. Aus diesem Stimmungstief kann uns heute auch das wunderschöne Sardinien nicht rausholen.
Zum ersten Mal müssen wir Wasser nachkaufen, denn die freien Wasserstellen, die es bisher in fast jedem Dorf gab, sind hier im Osten rar und die wenigen, die wir sehen, abmontiert.
Unser Nachtplatz ist wieder direkt am Meer und angenehm abgeschieden aber wir schaffen es nicht mehr uns etwas zu essen zu kochen, sondern gehen direkt mit der einbrechenden Dunkelheit schlafen.

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06.12.2022 – Posada

Wir haben es auf die Ostseite von Sardinen geschafft! Einmal quer über die Insel quasi. Dabei haben wir das höchste Gebirge, den Gennargentu, geschnitten und die fantastische Aussicht war die Anstrengung immer wieder wert. Danke an dieser Stelle auch für diesen Tipp Albert! Das Kapitel Berge schließt sich nun fürs Erste.
Im Osten ist es gefühlt etwas dichter besiedelt, aber es gibt trotzdem große Flächen, wo die Natur weitestgehend sich selbst überlassen ist. Und das unter anderem sogar direkt am Meer! Keine Hotels und Restaurants, die den Blick und Durchgang an den Strand versperren – das ist wirklich erstaunlich… Und so können wir wieder eine Nacht im Zelt mit Meeresrauschen verbringen, nachdem wir mit einiger Mühe Tandi am Strand entlang geschoben haben, um den Platz zu erreichen, an dem wir uns am wohlsten fühlen.

PS: zum Nikolaus sind wir in einer Burg mit 360° Blick aufgewacht und es gab bei uns Schokobons – welch süße Sünde!

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05.12.2022 – Orgosolo

Heute haben wir den farbenfrohen, geschichtsträchtigen Ort Orgosolo bestaunt. An den Häuserfassaden finden sich ca. 120 Wandgemälde – Murales genannt. Sie dokumentieren die Geschichte und das Leben der Bewohner des Ortes und Sardiniens, sowie aktuelle weltgeschichtliche Themen. Ihren Anfang nahm die Tradition mit einem Protest gegen den Bau eines Nato-Truppenübungsplatzes 1969, bei dem sich die gesamte Dorfgemeinschaft den anrückenden Panzern und Soldaten entgegenstellte und sie schließlich zum Rückzug bewog. Um alles zu sehen und zu verstehen, müsste man sich sicher einen ganzen Tag Zeit nehmen und einen der angebotenen Audioguides nutzen. Wir saugen nur für ein/zwei Stunden den Flair auf und ziehen dann weiter.