Freinacht on tour

04.12.2022 – Lago di Gusana

Einen wunderschönen zweiten Advent!
Bei uns war heute ein Herbsttag, wie aus dem Bilderbuch. Nachdem wir uns von dem Hirten verabschiedet und für die trockene Nacht bedankt haben (es gab entgegen der Prognose heftige Regenschauer), fahren wir, in der Morgendämmerung auf menschenleeren Straßen, fülligem Nebel entgegen, aus dem sonderbare Rufe dringen.
Etwas später setzt leichter Regen ein. Uns ist kalt, denn die Temperatur ist zum ersten mal in den einstelligen Bereich gerutscht und wir sind froh über jeden Anstieg. Nach unserer Frühstückspause hört das Tröpfeln auf und die Stimmung bessert sich etwas.
Aufgrund der gesammelten Erfahrungen der letzten Tage, korrigieren wir noch mal unsere heutige Route; setzen den Endpunkt auf einen vermeintlich geeigneteren Ort zum Schlafen und den Track auf die Bundesstraße. Man kann auf Sardinien sehr gut radfahren, solange man sich an die großen Straßen hält. Die Autos, die wir am Tag außerhalb der Orte treffen, können wir an zwei Händen abzählen und deren rücksichtsvolle Fahrweise, die Wegbeschaffenheit, die mildere Steilheit und die tollen Aussichten haben uns überzeugt. Von Nebenstraßen lassen wir nach einigen miesen Erfahrungen die Finger… äh Reifen 😉
Als sich zum Mittag auch die Sonne blicken lässt, ist endgültig der Wendepunkt des Tages gekommen. Uns schenkt sie Wärme und den schönen Herbstfarben, beim Blick ins Tal, Intensität. Alles wirkt wieder leichter und machbarer.
Wir werden Ohrenzeugen einer riesigen Treibjagt und können jetzt auch die Geräusche des Morgens zuordnen. Bei einer unserer Pausen verirrt sich ein ganz junger Hund zu uns, der markiert durch eine Glocke um den Hals, eindeutig zur Jagd gehört. Er ist sehr interessiert, aber mit Frischkäse oder Wasser können wir ihn trotzdem nicht für uns gewinnen. Dafür ist er zu sehr in seinem Modus. Zum Nachmittag hin kommen uns die erfolgreichen Jäger in Autos entgegen und hupen ausgelassen zur Begrüßung.
Um 16 Uhr erreichen wir unseren Schlafplatz. Ein abgelegener, idyllischer See, in dem wir uns sogar mal wieder waschen können. Nach dem Reisnudelrisotto, kommen endlich die beiden Kerzen zum Einsatz, die wir seit drei Tagen mit uns herumfahren – alles für ein bisschen Weihnachtsstimmung 😉
Interessant, dass ein Tag, der so anstrengend startet, so entspannt ausklingen kann, oder – z.B. im Fall von gestern – andersherum.

Freinacht on tour

03.12.2022 – Allai

Heute Morgen lohnt sich das zweite “B“ in B&B zum ersten Mal für uns. Der Tisch ist liebevoll vorbereitet. Es gibt selbstgebackenen Birnenkuchen mit Schokostückchen und geröstetes Brot mit Orangenmarmelade. Frisch gestärkt und erstaunlich gut wieder hergestellt durch die Nacht fahren wir los. Und der Tag soll weiterhin unter einem guten Essensstern stehen.
Gegen Mittag fahren wir ziemlich gut gelaunt und staunend über die fantastische Aussicht eine Straße entlang. Freudig winkt uns eine Frau, die gerade mit ihrem Auto von einer Weide kommt. Wir halten an, sie steigt aus und obwohl wir uns kaum verständigen können, sind wir keine drei Minuten später bei Ines und ihrem Mann zuhause zum Spaghettiessen eingeladen. Das ist ein neues Level von Gastfreudschaft. Sie fährt voraus und wir folgen ihr mit dem Tandem in ein beschauliches kleines Dörfchen. Zum Glück gibt es Möglichkeiten der Übersetzung und so können wir uns doch etwas unterhalten, gemütlich bei einem Kaffee am Kaminfeuer. Die beiden fahren auch gerne Fahrrad und betreiben einen Hof. Eine Stunde später wird der Tisch gedeckt und es gibt etwas mehr als die versprochenen Spaghetti. Denn das ist nur die Vorspeise! Danach gibt es Fenchelsalat mit frischgebackenem, warmen Brot und Olivenöl, dazu Parmesan vom Block und Schafswurst und zum Schluss selbstgemachten Ricotta mit Honig überzogen und frisch frittierte Ricottabällchen mit weihnachtlichem Touch durch Mandarinenabrieb. Wir sind im Paradies! Erst nach 14 Uhr verabschieden wir uns, bekommen noch das restliche Brot mit und ihre Telefonnummer, falls wir mal Hilfe benötigen.
Nun geht es erstmal bergab in ein Tal, welches von mächtigen Felsen umrahmt wird. Auf der Abfahrt wird uns bewusst, was für ein krasses Hochzeitsgeschenk wir uns da gemacht haben. Wir sind so glücklich!
Als es immer steiler wird – nun jedoch bergauf – und der Straßenbelag loser und gröber, wissen wir, dass wir heute nicht mehr den kompletten Weg schaffen werden. Denn die Tage werden immer kürzer. Als die Sonne untergeht und wir noch keinen Schlafplatz gefunden haben, vor allem weil in regelmäßigen Abständen Hunde ihre Territorien durch bellen markieren, werden wir unruhig. Die Stimmen, die wir dann hören, bringen uns auf die Idee, nach einem Schlafplatz zu fragen. Und tatsächlich bekommen wir nach einigem Verständigen mit Händen und Füßen einen Platz für unser Zelt im Heulager direkt neben dem Schafsstall. In den Schlaf begleitet werden wir von Glöckchengeläut und Blöken, sicher behütet von… einem Hund 😉

PS und weil wir zu Recht darauf hingewiesen wurden, dass Temperaturangaben interessant wären: heute hatten wir 16°C, gefühlt aber eher 19°C durch die Sonne und weil es fast windstill war. Erst ab dem Abend ziehen wir meist etwas Langärmliges an.

on tour

02.12.2022 – Ales

Leider nur mit Stromleitungen zu genießen.

Hier auf Sardinien ist es genau so, wie wir uns das Radreisen in unseren schönsten Vorstellungen ausgemalt haben: Wenig Menschen, diese aber offen und freundlich; wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaften; gut ausgebaute und doch wenig befahrene Straßen; rücksichtsvolle Autofahrer; eine super Wasserinfrastruktur; mildes Klima…
Die heutige Strecke knüpft nahtlos an die gestrige an. Erst wunderschöne Küste, dann wieder grüne Berge. Um etwas zu verschnaufen halten wir kurz an, lauschen der Stille und teilen uns seelig einen saftigen Apfel. Die Sonne steigt gerade über die Bergspitzen am Horizont.
Dann folgt eine atemberaubende, kurvige Abfahrt mit neuem Geschwindigkeitsrekord! Unten angekommen, können wir in einer Lagune freilebende Flamingos beobachten! Was für ein Tag!
Doch es liegen noch einige Kilometer und vor allem Höhenmeter vor uns, bis wir bei unserer heutigen Unterkunft ankommen. Und nun beginnt es sich zu ziehen, wie Kaugummi. Die Beine fühlen sich ausgelaugt an, alles zittert. Wir kommen an ein neues Limit und verlieren den Blick für die Landschaft. Es heißt nur noch durch beißen. Und am Ende schaffen wir es und lassen uns erschöpft auf das gemütliche Bett für diese Nacht fallen. Durch Kohlehydrate, Magnesium, Heiß-Kalt-Duschen und Massagen versuchen wir die Regeneration zu unterstützen. Mal sehen wie es uns morgen geht.

Freinacht on tour

01.12.2022 – Costa Verde

Sardinien mit dem Fahrrad? Definitiv!
Durch den Tipp von Albert, die Costa Verde zu besuchen, hatten wir heute einen der (wenn nicht DEN) streckenmäßig schönsten Tag unserer gesamten Reise! Danke dafür 🙂
Uns fehlen die Worte, um das heute gesehene und erlebte im Detail wieder zu geben, aber wir erhoffen uns, durch diesen Bericht, zumindest irgendwann alles wieder ins Gedächtnis rufen zu können.
Der Tag beginnt für uns mit einem tiefroten Sonnenaufgang im Rücken auf einer langen geraden Straße, auf der die Finger durch den frischen morgendlichen Fahrtwind erst einmal einfrieren und dann mit zunehmender Anstrengung wieder auftauen. Durch einen kleinen Abstecher gelangen wir zu einem Wasserfall, der uns an eine unserer ersten Touren auf Island erinnert.
Zum Mittag kochen wir uns Nudeln in einem unverhofft gefundenen Park.
Ab dann geht es langsam bergauf. Fast 800 Höhenmeter haben wir zu bewältigen. Aber um uns herum gibt es ein uraltes Blei-, Zink und Silberabbaugebiet und eine stillgelegte Miene zu bestaunen, weshalb die Anstrengung in den Hintergrund rückt. Autos werden immer seltener. In Serpentinen geht es stetig eng am Berg entlang; links eine brüchige Felswand, rechts ein mal mehr und mal weniger steil abfallender, dicht bewachsener Hang. Oben angekommen, überlegen wir schon unser Zelt aufzubauen. Die Sonne taucht die grünen Hügel um uns herum in warmes Abendlicht und es ist so ruhig und friedlich. Doch dann zieht es uns doch noch weiter zum Meer. Eine traumhafte Abfahrt später rollen wir in einen verlassen wirkenden Ort ein und fahren noch ein Stück an der Küste entlang. Zum Ende des Tages zieht der Abend noch mal alle Register, um sich von uns zu verabschieden: Die Sonne geht, von einem dramatischen Wolken- und Lichtspiel begleitet, vor uns im Meer unter und hinter uns blinzelt ein Regenbogen durch die dunkle Wolkenfront, die den ganzen Tag zu sehen war, uns aber durchweg verschont hat. Wir wissen gar nicht wo wir hinschauen sollen, deshalb sitzen wir einfach stumm, staunend in unseren Campingstühlen und essen Reste zum Abendbrot. Im Dunklen errichten wir wenige Meter weiter unser Nachtlager und trauen uns somit zum ersten Mal direkt am Strand zu schlafen, begleitet vom Wellenrauschen.
Es war definitiv nie so schwer wie heute DAS Bild des Tages auszuwählen. Aber zumindest haben wir so einiges für unser “Sardinien spezial“ in der Hinterhand.

Freinacht on tour

30.11.2022 – Villasor

Reisen macht Spaß! Tinos Kopfschmerzen sind in der Nacht verschwunden.
Am Morgen verabschieden wir uns von unserem Berg. Kurz nach Aufbruch überholen wir die dicken Wolken über uns und können von da an in strahlendem Sonnenschein fahren. Am Wegesrand sehen wir ein paar Schafe unter Olivenbäumen grasen. Die sind wohl nicht sehr empfindlich gegenüber Bitterstoffen. Denn als wir vor ein paar Tagen eine schwarze Olive geerntet und trotz Warnung von Dr. Google probiert haben, war das definitiv das Bitterste, was wir je im Mund hatten.
Haben wir schon von den überambitionierten Wachhunden in Italien berichtet? Die gibt es auf Sardinien auch – und nicht immer sind sie eingesperrt! Als wir durch ein kleines Dorf fahren, wetzt uns plötzlich wild bellenden und zähnefletschend ein Hund hinterher. Wie ist die beste Art zu reagieren? Wir geben Alles und sind in diesem Fall ein Mü schneller, nach einem knappen Kilometer lässt er schließlich von uns ab. Zum Glück ging es nicht bergauf…
Um 16 Uhr halten wir Ausschau nach einem Platz, um unser Zelt aufzuschlagen. Wir finden einen Naturpark, mit Wasserstelle, bei der sich ein paar Italiener kanisterweise Wasser abfüllen. Das wäre natürlich ein Luxusplatz! Wir sondieren die Lage bis kurz vor Sonnenuntergang und entschließen uns zu bleiben. Nun liegen wir weich auf einem Kleebett unter Olivenbäumen und zählen Schäfchen.

PS: Zu unserer großen Freude haben wir heute erfahren, dass wir voraussichtlich Silvester mit Roman und Lotta in Spanien feiern werden! Das lindert doch gleich das von Zeit zu Zeit aufkommende Heimweh in der Vorweihnachtszeit!

Orga Regen.-Pause

29.11.2022 – Cagliari

Es herrscht Aufbruchstimmung. Morgen geht es endlich weiter! Die letzte Wäsche wird gewaschen, alles zusammengepackt, noch mal groß gekocht und die Route geplant. Da die Fähre nach Barcelona nur einmal pro Woche fährt, hatten wir die Wahl zwischen vier und elf Tagen Sardinienrundreise. Die Entscheidung ist klar auf die elf Tage gefallen.
Wir freuen uns auf die Insel! Nach sechs Tagen in einem abgeschiedenen Häuschen auf einem Berg, stellt sich eine gewisse Trägheit ein, die es jetzt wieder zu durchbrechen gilt. Tinos Kopf war fast durchgängig zwischen Nebel und leichten Schmerzen gefangen. Hoffentlich verzieht sich das beim Fahren wieder. Unsere Beine sind auf jeden Fall richtig gut erholt – es kann weiter gehen!

Orga Regen.-Pause

28.11.2022 – Cagliari

Heute haben wir sehr viel Zeit investiert, um das Loch in unserer Isomatte zu finden. In den letzten Nächten, in denen sie in Gebrauch war, hatte sie nach und nach Luft verloren. Leider waren die verschieden Versuche vergebens. Wir werden warten müssen, bis wir eine Unterkunft mit Pool haben, um sie großflächig unter Wasser drücken zu können. Naja, vielleicht reicht auch eine Badewanne 😉
Bis dahin heißt es Nachts einmal aufstehen und nachpumpen.

Regen.-Pause

27.11.2022 – Cagliari

Einen schönen ersten Advent allerseits!
Nun beginnt schon die Vorweihnachtszeit – wie schnell das Jahr voranschreitet. Weihnachtsstimmung will hier allerdings nicht so wirklich aufkommen bei 17°C, Sonne und noch immer sattem, dichten Grün, wohin das Auge reicht. Aber wir geben unser bestes und werden kreativ.
Bei einem Erkundungsspaziergang unseres Heimhügels haben wir blühenden Jasmin gefunden und geerntet und durch einen Tipp von Irene geschmackvolles, erfrischendes Wasser damit hergestellt.