on tour

24.11.2022 – Cagliari

Die Nacht verbringen wir im unruhigen Ruhesesselsaal der Fähre. Drei Plätze längs einnehmend, versuchen wir eng aneinanderliegend Schlaf zu finden. Für ein bis zwei Stündchen gelingt dies auch. Als der Morgen graut, sind wir froh, die Nacht überstanden zu haben. Belohnt werden wir an Deck vom Sonnenaufgang in trauter Zweisamkeit. Wir sind reif für die Insel!
Drei Stunden später rollen wir von der Fähre. Schnell wird klar, dass etwas anders ist. Eine Art innere Anspannung scheint von uns ab zu fallen. Ob es vor allem an den gelasseneren Autofahrern liegt, den offeneren Menschen, die lächeln und grüßen oder an der lichteren Bebauung, die dem Blick Freiraum schenkt und müden Beinen Pause wann immer man möchte. Keine Ahnung, aber es fühlt sich gut an!
Nach nur 25 Km kommen wir bei unserer Unterkunft an, die für sechs Tage unser Zuhause sein wird! Ja, wir machen einen etwas längeren “Reiseurlaub“, um Südsardinien zu Fuß zu erkunden.

Land

Italien Spezial

Wir haben uns entschlossen, jedem Land am Ende einen Spezialbilderbeitrag zu widmen, wie wir es bei der Schweiz getan haben. Hiermit also verabschieden wir uns aus dem Land des Kuchenfrühstücks, in dem alle Reklametafeln klingen wie Zaubersprüche bei Harry Potter und sich der Verkehr spontan und nicht durch Vorschriften regelt. Sardinien nehmen wir hier bewusst raus, da schon beim ersten Schritt auf die Insel ein ganz anderes Gefühl aufkommt.

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23.11.2022 – Neapel

Der Morgen nach dem Sturm ist sonnig und warm, als wäre nichts gewesen. Doch auf der Fahrt zeigen sich die Spuren des vergangenen Unwetters: Äste und Müll auf den Straßen, riesige Wasseransammlungen, die das eh schon bescheidene Entwässerumgssystem der italienischem Straßen nicht bewältigt bekommen hat. Übergelaufene Kläranlagen machen sich durch ihren üblen Geruch bemerkbar und alles gipfelt in einem auslaufenden See, der unsere Straße flutet. Ein entgegenkommender Autofahrer warnt uns vor der beachtlichen Tiefe der Überschwemmung. Gut, dass wir unsere Latschen dabei haben!
Nachdem dieses Hindernis bewältigt ist, fahren wir eine wunderschöne Küstenstraße entlang, bis nach Neapel, wo wir super leckere Pizza essen und in einem Park unser Gepäck für die anstehende Fährfahrt nach Sardinien umsortieren.
Es ist dann unerwartet schwer den richtigen Pier zu finden, weil nirgends der Name unserer Fährgesellschaft steht. Also fragen wir uns durch, finden die richtige Stelle und das Boarding ist dann völlig unkompliziert. Um 19 Uhr startet die Fähre und es heißt ciao italienisches Festland. In 15 Stunden werden wir in Cagliari ankommen.

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22.11.2022 – Castel Volturno

Sturmkanon:

🎶 HeTi, spannt die Waden an!
Seht der Wind treibt Regen übers Land.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, treibt das Tandem an!
Seht der Sturm schiebt Wellen übern Strand.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, fasst die Lenker stramm!
Seht die Böen drücken Richtung Rand.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, haltet niemals an!
Seht der Sturm wirft Äste übers Land.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, kommt sicher wieder an… 🎶

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21.11.2022 – Formia

Nach einem für Italiener sehr untypischen, für uns aber perfekten Frühstück, bestehend aus Haferflocken, Banane, Granatapfel und selbstgemachtem Jogurt, sowie Brot mit Feigenmarmelade, entschließt sich unser Gastgeber spontan, uns auf der heutigen Etappe zu begleiten. Für uns eine super Sache, denn er leitet uns auf verkehrsarme, trotzdem wegsame Straßen, die wir sonst wohl nicht gefunden hätten, vorbei an klaren Seen und entlang idyllischer Bachläufe. Er zeigt uns atemberaubende Kletterspots, weil er von unserem Hobby weiß und hat eine Menge Wissen und Geschichten zu verschiedensten Details parat, die wir sonst kaum bemerkt hätten. Trotz eines ordentlichen Tempos, erleben wir die Umgebung durch ihn intensiver. Zum zweiten Frühstück führt er uns in ein hochgelegenes Städtchen namens Terracina. Normalerweise scheuen wir Umwege, die so viele Höhenmeter bedeuten, aber der fantastische Blick auf das weite Meer, ist es an diesem sonnigen Tag wert. Kaum zu glauben, dass auf diesen warmen, fast windstillen Tag ohne jegliche Wolken, morgen ein heftiger Sturm inklusive Gewitter folgen soll. In der Altstadt sehen wir ein freigelegtes Amphitheater, in dem auch Momos Geschichte hätte spielen können.
Zurück auf der Küstenstraße kommen wir durch zwei Tunnel, in denen die Lichter nicht funktionieren. Finsternis umfängt uns und nur durch unsere Fahrradlichter und zwei/drei vorbeiziehende Autos, erkennen wir überhaupt etwas. Zum Mittag machen wir eine Pause in einem Bistro am Straßenrand, in dem wir als Touristen allein wohl eher nicht eingekehrt wären. Wir bestellen Tomatensalat mit Büffelmorzarella und frischen Oliven aus der Region und einen Auberginenauflauf und schweben geschmacklich auf Wolke sieben. Diese Aromen würden wir zu gerne festhalten und für die Zukunft konservieren. Als wir mit dem Baguette das letzte Öl aufdippen, erklärt uns Bernardo, dass es dafür ein italienisches Wort gibt: scarpitta! Grüße gehen raus an die Familie Metz 😉
Unsere Wege trennen sich in Formia, wenige Kilometer vor unserer heutigen Unterkunft. Und dort geht unser bisher schönster Tag in Italien zu Ende.

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20.11.2022 – Priverno

Was für ein Tag voll unfassbarer Lichtstimmungen und Farben!
Erst geht es auf der Schnellstraße raus aus Rom, der Himmel noch verhangen. Ein Auto überholt uns, aus dem es uns entgegen Jubelt. Ein kleiner Junge auf dem Beifahrersitz macht ein Foto. Dann werden die Straßen langsam leerer und die Sonne bricht hervor und setzt Lichtpunkte in die Landschaft. Der Himmel wirkt immer noch düster und schroff, wie das Gebirge, dem wir nun näher kommen. Doch der Wind vertreibt die Wolken nach und nach, sodass die Sonne nun richtig zu wärmen beginnt.
Der Herbst scheint in Italien jetzt erst einzusetzen. Vereinzelt bekommen die Bäume ihre ersten bunten Sprenkel. Im Prinzip war die Überquerung der Alpen, wie eine kleine Zeitreise durch die wir nochmal in den Spätsommer versetzt wurden und jetzt einen zweiten Herbstbeginn erleben. Am Straßenrand sehen wir Bauern bei der Olivenernte. Ganz schön rabiat geht es dabei zu mit den Elektrovibratoren. Auch für die Kiwiernte stehen schon die Kisten bereit.
Es läuft richtig gut auf dem Tandem – fast zu gut…
10 Kilometer vor Ende kommen wir vor einer Barrikade zum stehen, die unsere Straße versperrt. Da es keine sinnvolle Alternativroute zu geben scheint, müssen wir das Tandem überheben. Also Gepäck ab, Tandem rüber, Gepäck wieder dran und weiter gehts.
In unserem Rücken geht sie Sonne strahlend unter, hüllt alles vor uns in Pastelltöne und lässt die Berge plötzlich ganz sanft wirken. Am Horizont vereinigen sich zwei Vogelschwärme zu einer Windhosenartigen Formation. Wunderschön!
Schließlich erreichten wir das Haus von Bernardo, der uns für diese Nacht aufnehmen wird. Er ist der erste Italiener, der auf eine unserer Warmshowers-Anfragen reagiert hat. Wir können unser Zelt in einem seiner Räume aufbauen, die er aktuell saniert. Also richten wir uns gemütlich ein, duschen und setzen uns dann zu ihm vor den Kamin. Zum Abendbrot kocht er uns Couscous mit Gemüse und Frittata. Auch in Italien gibt es also unfassbar herzliche Gastfreundschaft und wir sind froh diese noch zu erleben.

Stadt

18.11.2022 – Rom

Eine 30 km lange Stadttour steht auf dem Programm. Wir wollen es mit dem Tandem probieren, um auch weitere Distanzen überbrücken zu können. Im Voraus haben wir eine Tour geplant, die sowohl bekannte Sehenswürdigkeiten, als auch ein paar unbekanntere, besondere Orte der Stadt mit einbezieht.
Der nächtliche Regen verzieht sich glücklicherweise kurz vor dem Mittag, sodass wir gegen 12 Uhr bei Sonnenschein starten.
Als erstes fahren wir durch das Quartiere Coppedè, welches im 20. Jhd. innerhalb von 11 Jahren, auf Grundlage von Planungen eines einzigen Architekten entstand.
Es folgt der Park “Villa Borghese“, in welchem wir unsere selbstgeschmierten Brote essen. Etwas weiter bekommen wir einen fantastischen Ausblick über die Stadt, bevor wir tiefer eintauchen und kleine malerische Gassen erkunden. Dort schieben wir angemessenerweise für eine Weile, vorbei an einer Straßenjazzband und fast auch an einem kleinen Eisladen. Doch wir gehen die drei Schritte noch mal zurück und wählen aus einer großen Auswahl verschiedener Schokoeissorten eine leckere Kugel Gianduiotti.
Wir nähren uns dem Zentrum. Als erstes Touristenhighlight erhebt sich das Pantheon vor uns. Es ist recht voll auf dem Vorplatz und wir können kaum in Ruhe unserem Audioguide lauschen, weil wir immer wieder angesprochen werden; wegen des Tandems und weil wir offensichtlich Touristen sind, denen man etwas andrehen könnte. Am Trevibrunnen ist es noch schlimmer. Eine dichte Menschenmasse ist darum versammelt, als würde gleich eine Show beginnen. Wie sieht es dort wohl zur Hochsaison aus?! Unser Energielevel sinkt. Am Forum Romanum und dem Kolosseum schieben wir mit einem kurzen Seitenblick vorbei. Es ist einfach zu voll. Das traurigste Bild des Tages gibt die große Marmormaske, der “Mund der Wahrheit“ ab, eingesperrt hinter Gittern – wie Symbolträchtig.
Ruhe finden wir erst wieder auf einem Friedhof, wie auch in Berlin schon so häufig. Einige Katzen scheinen die Hüter dieses Ortes zu sein. Prächtige Grabmale, Stille und Natur verbinden sich zu einem unserer heutigen Highlights.
Die Tage sind mittlerweile wirklich nicht mehr lang und so schleicht sich bereits um 17 Uhr langsam die Dunkelheit an. Die Thermen von Caracas auf dem Rückweg sehen wir schon nur noch durch das warme Licht der installierten Scheinwerfer.
Die letzten vier Kilometer spielen wir mit den verrückten Römer Auto- und Motorrollerfahrern “wer bremst verliert“. Je schneller man fährt, desto besser findet man sich in den abendlichen Flow der Stadt ein. Und wieder mal heißt es vollkomenen zu Vertrauen hinten auf dem Tandem.

on tour Stadt

17.11.2022 – Rom

Alle Wege führen nach Rom – so auch der unsere!
Es ist ein sonniger, warmer Tag. Bei der Einfahrt in Roms Speckgürtel, müssen wir vermeintlich über vier der sieben Hügel auf denen Rom erbaut wurde. Ein wirklich spannendes Höhenprofil! Im Nachhinein finden wir zu unserer Enttäuschung allerdings heraus, dass es doch nicht jene besagten 7 Hügel waren, da diese innerhalb der Mauern, also im absoluten Zentrum liegen. Dann sehen wir das erste Wahrzeichen Roms! Eine Pyramide!… Moment? Wo sind wir denn hier gelandet?
Auf unserem Weg in die Metropole kommen wir an einigen Prostituierten am Straßenrand vorbei. Dieser Kontrast, zwischen uns, die aktuell ganz frei sind, und Ihnen, die diesen Job sicherlich nicht alle aus freien Stücken gewählt haben, verschafft uns ein unbehagliches Gefühl.
Unsere Unterkunft befindet sich im Keller eines italienischen Palazzo. Um das Tandem mit nach unten nehmen zu können, müssen wir zum ersten mal von der Zerlegbarkeit gebrauch machen, was unerwartet schnell und unkompliziert ist.