Zum Abschied von Porto haben wir eine Kollektion der schönsten Fassadenfliesen zusammengestellt, die das Stadtbild maßgeblich prägen. Es war eine sehr entspannte und anregende Zeit, die durchaus eine gewisse Sehnsucht nach einem festen Zuhause wach gerufen hat. In unseren Köpfen wirbeln so viel Inspiration und Pläne, die in Deutschland umgesetzt werden wollen und manchmal stimmt es uns wehmütig, sie noch so lange zurückstellen zu müssen. Doch wie immer werden wir uns auch schnell wieder an das Outdoorleben gewöhnen und mit Neugier und Begeisterung das nächste Teilziel, den Jakobsweg, meistern.
Regen, Regen, Regen… Wir verbringen den Tag fast nur drinnen, trinken viel Tee und ruhen uns aus. Nachmittags wollen wir zusammen in ein Cafè in der Nähe, aber dieses existiert irgendwie nicht. Also schlendern wir zurück und backen uns selbst einen Brownie, auch gut 🙂
Um Porto etwas besser kennen zu lernen, haben wir uns eine App gesucht, die uns in einer Art Schnitzeljagd durch die Stadt führt. Es gibt Rätsel zu lösen, Fotoaufgaben und Informationstexte. Ein tolles Konzept, in der Ausführung allerdings noch etwas ausbaufähig. Am Ende des Tages haben wir 14 Kilometer in den Beinen und gehen früh schlafen.
Genau jetzt, wo wir für ein paar Tage nicht auf dem Rad sitzen, kommt einiges an Regen runter – gut für uns, etwas schade für Mila. Gegen Mittag gibt es eine Regenpause, die wir nutzen, um eine kleine Shoppingtour durch Portos Second-hand-shops zu unternehmen. Ab jetzt müssen wir eine blaue Hose mehr mit uns rumfahren 😉
Direkt am Morgen setzt der Regen ein und wird bis zum Abend nicht mehr aufhören. Nur einmal gehen wir zum Einkaufen vor die Tür. Das Hauptaugenmerk liegt heute definitiv beim Essen. Wir backen Kuchen, essen zum Mittag Nudeln mit Erbsensoße und zum Abendbrot Ofengemüse mit Quark – ein Fest! Jetzt für einen gewissen Zeitraum von einem Zweierteam zu einem Dreierteam zu werden, ist spannend und bringt viel Potential Neues über sich selbst zu lernen und Angewohnheiten zu hinterfragen.
Heute ist noch nicht der richtige Tag zur Regeneration. Laut Wetterprognose soll es nämlich der letzte sonnige vor einigen Regentagen der nächsten Woche werden und entsprechend muss er weise genutzt werden. Wir entschließen uns 8 Kilometer bis zum Strand zu laufen. Dort bewundern wir, auf orangefarbenen Felsen sitzend, die wilden Wellen und wagemutigen Surfer. Als wir Hunger bekommen, schlendern wir noch ein Stück barfuß die Küste entlang. Die Füße graben sich in den warmen, feinen Sand. Einmal überrascht uns eine Welle und umspült kalt die Knöchel, doch bis wir unsere Schuhe wieder anziehen, ist alles getrocknet. In einem gemütlichen Innenhof schlemmen wir uns durch ein veganes Buffet. Danach schlägt die Erschöpfung aber heftig zu, sodass wir den Heimweg mit der Metro bestreiten.
Wir sind heute ganz auf unser Ziel ausgerichtet Porto zu erreichen und unsere Freundin zu treffen, die den Weg nach Portugal auf sich genommen hat, um uns zu sehen. Der Radweg führt uns auf großen Teilen mittels Holzstegen über Sand und Wasser. Das Geräusch der klappernden Planken unter uns erinnert an ein kindlich nerviges Xylophonspielen, aber die Landschaft ist abwechslungsreich und schön. Zwischendrin verhaspeln wir uns in einem kleinen Baustellenlabyrinth, schaffen es aber schließlich pünktlich nach Porto – ein sich vor uns auftürmender Stadtberg. In den engen steilen Gassen müssen wir viel schieben und bekommen zur Motivation aufmunterndes Lächeln oder liebe Kommentare von den Passanten. Die Freude und Erleichterung ist definitiv groß, als wir endlich Mila treffen und gemeinsam ins Apartment einchecken. Es wird ein langer, redseliger gemütlicher Abend mit viel Mac’n’Cheese.
Heute haben wir wieder eine kleine Fährfahrt vor uns. An solchen Tagen sind wir immer leicht gehetzt, denn die Taktung ist recht grob und mehrere Stunden am windigen Hafen zu warten, ist nicht so gemütlich. Als wir ankommen sticht gerade ein Viermaster in See – die Santa Maria Manuela. Wir finden heraus, dass es sich um ein Segelschiff der Frota Branca von Portugal aus dem Jahr 1937 handelt, die ursprünglich Kabeljaufischerei vor Grönland betrieb. Einige Leute sind mit Autos angereist, um das Event zu beobachten. Am Ticketautomaten stehen wir vor einem Problem. Dieser nimmt nur portugiesische EC-Karten, kein Bargeld und das Ticket muss laut Hinweisschild vor Antritt der Fahrt gekauft sein. Wir sprechen einen der Wartenden an. Er versteht kein Englisch, aber dennoch unser Problem und erklärt uns gestisch, dass es einen Schalter im Stadtzentrum gibt. Es bis dahin und zurück rechtzeitig zu schaffen wäre utopisch. Wir fragen einen der Zuschauer am Hafen, ob er uns mit seiner Karte das Ticket gegen Bargeld kaufen kann und er ist gerne bereit zu helfen, schenkt uns am Ende sogar die Fährfahrt. Danach teilt er uns mit, dass es mittlerweile auch möglich ist das Ticket an Bord zu erwerben und verabschiedet sich winkend. Etwas überrumpelt winken wir zurück, ganz perplex ob der offenen Freundlichkeit ohne jegliche Skepsis.
Am Morgen haben wir Frost an unserem Zelt, entsprechend kalt sind die ersten Kilometer. Doch dann beginnt die Sonne uns kräftig einzuheizen. Nach unserem Ausflug ins Inland, nähren wir uns heute wieder dem Meer. Schnurgerade fahren wir durch wüstenartige Dünen. Die Pause im weichen warmen Sand soll am liebsten nie enden. Aber irgendwann wollen wir ja doch am Campingplatz ankommen. Der Wind ist in der Zwischenzeit stärker geworden und wir müssen ganz schön gegen ihn ankämpfen, um vorwärts zu kommen. Immerhin ist die Straße unter uns ganz neu gemacht – glatter Asphalt ohne Schlaglöcher. Um so erstaunter sind wir, als es plötzlich nicht weiter geht. Eine Brücke war wohl nicht Teil der Fahrbahnsanierung und so klafft ein Abgrund vor uns. Der Ast, der die beiden Seiten verbindet, dient höchstens Ameisen zum Überqueren des Flusses. Für uns keine Chance. Da hilft nur umkehren und einen anderen Weg durch die Dünen nehmen. Obwohl wir das Meer heute nur aus der Ferne gesehen haben, geleitet es uns Abends auf dem Zeltplatz mit laut tosendem Wellenrauschen in den erholsamen Schlaf.
Es ist kaum vorstellbar für jemanden der es nicht miterlebt, wie irre die Hunde auf irgendwas an uns oder dem Tandem reagieren. Richtige Bellchöre brechen aus, sobald wir uns nähren. Und dann stacheln sie sich gegenseitig hoch, stecken auch noch Gänse und Hähne an und schon ist das ganze Dorf in Aufruhr. Total crazy… Aber das kennen wir ja jetzt schon seit einigen Monaten und seit wir nicht mehr in Italien sind und recht sicher sein können, dass die Hunde angeleint sind, finden wir teilweise unseren Spaß daran. Immer öfter gibt es jetzt Straßen, die wenig befahren und dennoch gut erhalten sind. So macht das radeln wieder richtig Freude. Dazu kommen leichte Berge, die die Landschaft interessanter machen. Klar sind die Höhenmeter immer anstrengend, aber jedes Mal aufs Neue sind wir verzaubert vom verdienten Ausblick. Auf einer Art Höhenzug fahren wir einige Kilometer. Linkerhand können wir von hier am Horizont schon das Meer sehen! Rechts fällt der Blick in ein grünes Tal. Zum Schlafen suchen wir uns wie gestern einen “Parque de Merendas“. Um dort hin zu gelangen müssen wir einen Kopfsteinpflasterweg SEHR steil hinab rollen – hier kommt sicher nicht so oft jemand her… Aber es ist ein absoluter Wohlfühlort. Während die Sonne orange leuchtend untergeht, kochen wir einen leckeren Eintopf.