Land

Südspanien Spezial

Nach fast acht Wochen verabschieden wir uns vorerst von Spanien, dem Land der Katzen, das uns mit seiner Vielfalt an Landschaften und sehr rücksichtsvollen Autofahrern überrascht hat. Wir haben viel erlebt, mal im Trubel, mal ganz abgeschieden, haben gefroren, geschwitzt, lecker gegessen, gefastet. Wenn Radler sagen “Spain is pain“, wissen wir jetzt warum. Die Berge sind gnadenlos, aber gleichzeitig wunderschön!
UNSER Spanien-Moment war definitiv die Vìa Verde de Ojos Negros! Diesen Bahntrassenradweg können wir wärmstens empfehlen. Wir freuen uns jetzt schon, wenn wir demnächst den Norden des Landes erkunden dürfen, aber jetzt ist erstmal Portugal dran, wo wir sogar für eine Woche Besuch bekommen werden 🙂

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08.02.2023 – Monte Gordo

Unsere Fahrt beginnt wolkig aber trocken. Leider ist die Fußgängerbrücke von Huelva nach Coralles geschlossen, die Brücke daneben ist eine Autovia mit eindeutigen Schildern, dass Fahrräder dort nichts zu suchen haben und der Weg zur nächsten Brücke über den Rìo Odiel würde für uns 20 Extrakilometer nach Norden bedeuten. Wir entscheiden uns für die Autovia, weil moderater Verkehr herrscht und wir heute noch genug Strecke vor uns haben, wenn wir Portugal erreichen wollen. 2 Kilometer später kommen wir schweißgebadet in Coralles an. Hoffentlich wird nicht nach dem illegalen Tandem gefahndet, aber im Zweifel sind wir ja bald nicht mehr im Land 😉
Gegen 11 Uhr beginnt Spanien Niseltränen zu weinen, weil wir uns heute verabschieden werden – zumindest für eine Weile. Als es heftiger wird, bietet uns eine BurgerKing Filiale Schutz (eine Premiere für uns als Paar), in der wir eine erstaunlich gute Erfahrung machen. 9€ für zwei Veggiburger, zwei Salate und was zu Trinken. Und der Regen hat danach auch wieder nachgelassen, sodass es sich deutlich angenehmer fährt. Kurz vor Portugal zieht die Wolkendecke etwas auf und wir bekommen sogar ein paar Sonnenstrahlen ab.
Während wir auf die Fähre über den Rìo Guadiana und damit die Ländergrenze warten, kaufen wir für unser Abendessen ein und dann geht es endlich los. Wir betreten das Schiff in Spanien um 15:00 Uhr und um 14:15 Uhr sind wir in Portugal – verrückt, eine kleine Zeitreise!

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07.02.2023 – Huelva

In Erwartung auf den angekündigten Regen haben wir unsere Regensachen im Schnellzugriff bereit gelegt und uns ein besonders einfaches Mittagessen überlegt. Doch als wir losfahren werden wir von warmen Sonnenstrahlen begleitet und ein kräftiger Rückenwind treibt uns voran. Wir sehen einige wunderschöne Vögel u.a. eine Blauelster, einen Herr Dudek (das Polnisch-deutsch-Lexikon verrät allen Unwissenden den bekannteren Namen) und die obige Steintaube. Auch heute finden wir kein geöffnetes Tor zum Nationalpark, dennoch ist auch der Hauptweg sehr idyllisch und kurzweilig. Die 70 Kilometer rasen nur so unter unseren Rädern dahin und bis zum Etappenende bekommen wir keinen Tropfen Wasser ab. Den Regen hat wohl jemand für uns weggewünscht 😉

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06.02.2023 – El Rocìo

Wir verlassen Sevilla sicher geführt auf grünen Radwegen. Nach 10 Kilometern lesen wir zufällig Alberts Kommentar mit einem Radlertipp. Eigentlich wollten wir nördlich an Huelva vorbei, auf direktem Weg nach Portugal. Doch nach kurzem Hin und Her entscheiden wir uns die Route umzulegen. Schließlich bekommt man nicht alle Tage so einen spezifischen Hinweis für Fahrradreisende. Also verlassen wir unsere Straße nach Süden und fahren durch den Naturpark Doñana. Leider haben wir konstanten Gegenwind und die schnurgerade Straße ist durch Zäune links und rechts vom Park abgetrennt – wir finden bis zum Ende nicht raus, ob man auch innerhalb des Parks hätte fahren können. Nichtsdestotrotz können wir die Ruhe, Abgeschiedenheit und gute Luft genießen. Den angekündigten Campingplatz bei El Rocìo finden wir schnell. Ein Ort, dessen gesamte Wirtschaftskraft auf genau zwei Wochen pro Jahr aufgebaut ist, erscheint uns jedoch etwas suspekt. Die schachbrettartig angelegten Sandstraßen wirken mäßig belebt. Wie es hier wohl zu Pfingsten mit Millionen von Pilgern auf Wallfahrt zur Ermita (der Kirche) zugeht?

Regen.-Pause Stadt

05.02.2023 – Sevilla

Weil wir uns bei der Fahrt gestern einen Sonnenbrand im Gesicht zugezogen haben, cremen wir uns für den Stadtspaziergang vorsorglich etwas dicker mit Sonnencreme ein. 20°C sollen es werden, unerwartet sommerlich. Aus dem Hostel ist es ein Katzensprung in die Altstadt, wo wir uns durch verschiedene Empanadas durchprobieren, gemeinsam ein dunkles Schoko-Orangeneis genießen, die Kathedrale anschauen und uns, als es zu anstrengend wird im regen Stadttreiben, in einen Park zurückziehen. Besonders angetan haben es uns die großen, dicken Bäume – großblättrige Feigenbäume, wie uns eine Biologin geflüstert hat 😉

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04.02.2023 – Sevilla

Die ersten 30 Kilometer ziehen sich heute schier endlos. Das ist das negative an flachen Landschaften ohne Bezugspunkte. Der zweite Teil unserer ¡hundertsten! Tagesetappe führt nahe der Autobahn durch ein riesiges Industriegebiet. Dann erreichen wir endlich Sevilla, wieder mal beeindruckt von den guten Bedingungen für Radfahrer in den spanischen Städten. Hier wollen wir auf den unausgesprochenen Rat einer Freundin hören und dem Konzept Stadtbesichtigung noch eine Chance geben. Sevilla besitzt eine der größten Altstädte Europas und neben der Besichtigung wollen wir hier noch mal lecker spanisch essen gehen, bevor wir nach Portugal aufbrechen.

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03.02.2023 – Marchena

Wir haben in einem ehemaligen Kiosk übernachtet und sind durch den Schutz der vier Wände dem morgendlichen Raureif an der Zeltplane entgangen, sodass das Einpacken ganz schnell geht.
Das Gelände heute ist total flach. Sehr spannend mal weder Berge noch Meer zu haben, einfach nur trockene Felder und vereinzelt ein Baum oder Gestrüpp. Auf unserer Straße fühlen wir uns zeitweise wie die letzten Menschen, so verlassen und staubig führt sie durch die karge, fast steppenartige Landschaft.
Abends kommen wir in Marchena über Warmshowers unter. Das ist jedes mal ein Überraschungspaket. Heute lernen wir Manuel kennen, einen Junggesellen um die 50, der zusammen mit seinem flauschigen kleinen Hundeknäuel lebt, dessen Toilette das gesamte Haus umfasst. Wir packen nur das nötigste aus, tragen die ganze Zeit Schuhe und versuchen so wenig wie möglich zu berühren.

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01.02.2023 – Pizarra

Wenn es hart kommt, dann geballt.
Doch beginnen wir am Morgen. Wir schlafen ganz gemütlich aus und machen uns Haferflockenpfannkuchen zum Frühstück. Als wir gegen Mittag losradeln fühlen wir uns vom Frühlingswetter beflügelt! Alles blüht und lebt, aber auf eine sanfte, unaufdringliche Weise. Der Tag startet wie der gestrige endete: zart und leicht.
Nach etwa einer Stunde seichter Abfahrt bemerken wir, dass wir Tinos Handy auf dem Campingplatz vergessen haben. Nach einem kurzen Schlucken geht es zurück und dann noch mal von vorne los. Wir nutzen die Strecke, um Blumenbilder für einen Frühjahrsgruß nach Deutschland zu sammeln und so vergeht die Zeit gefühlt schneller als beim ersten Mal.
Etwas später schickt Komoot uns hinunter in ein Dorf, um am Ende auf einer größeren Hauptstraße zu landen. Doch die Straßen werden immer kleiner und wir kommen in einer Sackgasse zum stehen. Zwei Hunde vor einem Haus stellen klar, dass wir uns bereits auf Privateigentum befinden. Es gibt keine Alternative, wir müssen wieder komplett nach oben und von einer anderen Stelle auf die Hauptstraße fahren. Wir halten noch so lange durch, bis wir etwas abgelegen einen ruhigen Pausenplatz finden. Doch der Tag ist mittlerweile deutlich vorangeschritten – etwas Beeilung ist gefragt. Der Feldweg wird immer steiniger und dann stehen wir plötzlich vor einem Fluss… ohne Brücke. Kleinere überraschende Bachquerungen kennen wir bereits von Komoot, aber das hier ist etwas anderes. Keine Möglichkeit eines sinnvolles Rüberkommens. Da hilft nur eine Umarmung und das Überbordwerfen der Pläne. Unseren anvisierten Schlafplatz werden wir nicht mehr erreichen, aber es gibt einen Campingplatz etwas ab vom Weg.
Gegen 18 Uhr kommen wir glücklich an und haben generell den ganzen Tag erstaunlich gelassen weggesteckt. Vielleicht ist das eine Auswirkung des, durchs Fasten, weniger schwankenden Blutzuckerspiegels. Dennoch werden wir unsere morgigen Tour, auf der wir ein paar Kilometer aufzuholen haben, sicherheitshalber bei Komoot als “Rennradtour“ auf Asphalt planen.
Zum Glück sind die Tage schon wieder so lang, dass wir jetzt noch etwas über eine Stunde Licht haben werden, um zu kochen.

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31.01.2023 – Màlaga

Heute sehen wir zum letzten Mal auf dieser Reise das Mittelmeer, von welchem wir seit Italien einige Küsten kennengelernt haben. Wenn wir in Portugal wieder ans Meer fahren, wird es der Pazifik Atlantik sein. Aber letztlich ist es egal, wer kann schon beim Blick ins weite Meer sagen wie es heißt.
Zunächst sind unsere Beine schwer und es fühlt sich an als hätten sich die durchs Fasten geleerten Speicher, gestern nicht annähernd wieder aufgefüllt. Aber nach drei Kilometern wird es besser und wir kommen in einen richtigen Energieflow.
Málaga erleben wir zwar nur im Durchfahren, sind aber angetan von den vielen Parks. Außerdem bekommen wir hier hautnah eine tolle Option mit, Städte fahrradfreundlicher zu machen: von den mehrspurigen Straßen ist jeweils die rechte auf 30km/h begrenzt und soll bevorzugt für Fahrradfahrer sein. Autos können sie mit bedacht aber ebenfalls nutzen.
Nach und nach erschöpft sich unsere Energie, wir sind noch nicht ganz zurück auf dem alten Level. 10 Kilometer vorm Ziel überfällt uns ein Erschöpfungstief. Alles ist zu viel. Die Fußgänger, auf die man Rücksicht nehmen muss, die stinkenden Autos und generell alle Geräusche. Hier ist es einfach zu touristisch und dicht besiedelt.
In einem kleinen Waldstück zwischen zwei Orten können wir einmal kurz tief durchatmen und die letzten Reserven anzapfen. Noch ein paar Kilometer bergauf und wir haben es geschafft. Wir sind raus aus dem Trubel in der Natur und blicken wieder auf Berge! Sie werden von der tiefstehenden Sonne angestrahlt und die entstehenden Schatten verstärken das Relief.
Auf dem Campingplatz ist es angenehm ruhig. Nur ein paar leise Stimmen, Vogelgezwitscher und ein krähender Hahn. Von einigen Blüten im Eingangsbereich steigt uns ein süßlicher Geruch entgegen und die Sonne wärmt noch angenehm. All das legt sich wie eine sanfte Umarmung schützend um uns.