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17.02.2023 – Aljezur

Heute holen wir die gestern liegen gelassenen Kilometer zum Teil wieder auf. Hier an der Westküste herrscht gerade ein sommerliches Hoch. Die Nächte haben die absolute Komforttemperatur für unser Zelt-Setup und tagsüber werden die 20°C geknackt. Vorm Supermarkt spricht uns ein Ehepaar an. Sie sind gerade in Portugal, um ihren Sohn und dessen Freundin zu besuchen, die genau wie wir mit dem Tandem aus Deutschland zu einer Radreise aufgebrochen sind – kaum zu glauben!!!
Auf unserem heutigen Zeltplatz riecht es leicht nach Menthol. Den Grund erkennen wir überrascht etwas später: überall um uns herum erheben sich Eukalyptusbäume! Leider finden wir heraus, dass das schöner klingt als es ist. Eukalyptus ist hier nicht heimisch, sondern wird aufgrund seiner Eigenschaft sehr schnell zu wachsen, systematisch für Portugals Papierindustrie gepflanzt. Durch seine invasive Art verdrängt er jedoch Stück für Stück die ursprünglichen Bäume wie z.b. die Korkeiche. Und es gibt noch ein Problem: Eukalyptus brennt wegen seiner ätherischen Öle extrem gut und ist schwer löschbar. Es gab schon einige riesige Brände, die auf die Eukalyptusmonokulturen zurückzuführen sind und viele Menschen ihr Leben oder ihre Heimat gekostet haben. Alles für die Wirtschaft…
Heute brennt es zum Glück nicht, im Gegenteil beginnt es sogar leicht zu regnen, sobald wir eingemümmelt im Schlafsack liegen. Und was gibt es Schöneres als mit dem leisen Prasseln des sanften Regens auf der Zeltplane einzuschlafen, in dem Wissen, dass man trocken bleibt und am nächsten Morgen wieder die Sonne scheint?

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16.02.2023 – Sagres

Die Sonne erwärmt unser Zelt am Morgen und lockt uns sanft in den Tag. Gegen Mittag holen wir mal wieder eine Essensrettertüte ab und bereiten uns daraus direkt einen Snack zu. Es gibt Obst, welches wir zu einem Salat aus Apfel, Birne, Orange, Kiwi und gehackten Nüssen verarbeiten, dazu haben wir noch einige Blätterteiggebäcke bekommen. Durch die Überraschungspäckchen wird unsere Nahrungsaufnahme definitiv abwechslungsreicher und wir müssen nicht mehr so oft Einkaufen gehen.
Wir sind heute tiefenentspannt, genießen die Wärme, sind begeistert vom Blick auf die steilen Klippen und entschließen uns spontan die heutige Strecke zu verkürzen und auf einem früheren Campingplatz zu stoppen. Dort legen wir unser Gepäck ab und machen uns mit leichtem Rad noch mal auf zum Leuchtturm am Cabo de São Vicente – dem (West)ende von Europa. Hier geht es nicht mehr weiter, ab jetzt sind wir also auf dem Heimweg 😉

PS: Für alle die gerne unsere Statistiken verfolgen: höhenmetermäßig haben wir jetzt 5 Mal den Mount Everest erklommen. “Everesting“ nennt man dieses Vergleichen im Radlerfachjargon.

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15.02.2023 – Salema

Wir folgen im groben dem Eurovelo 1, entlang der portugisischen Küste. In etwa einer Woche wollen wir Lissabon erreichen.
Die Stimmung auf dem Tandem ist total ausgelassen heute. Singen, Quatsch machen und Lachen lassen die Etappe rasend schnell vergehen. Wir kommen an einer Wiese vorbei auf der einige Pfeiler mit Storchennestern stehen und fast alle sind belegt – insgesamt bestimmt 50 Paare!
Gegen Ende sehen wir dann noch einen Igel mitten auf der Straße und wir geben ihm Geleitschutz vor den Autos, bis er es auf die andere Seite geschafft hat. Mit etwas Phantasie lässt sich auf dem heutigen Tagesbild auch ein Igel entdecken.
Bald darauf finden wir unseren heutigen Campingplatz. Es gibt 10% Rabatt, weil wir mit dem Fahrrad angereist sind. Der Platz ist riesig und etwas unübersichtlich… Es gibt verschiedene Campingzonen, die durch die Hanglage auf unterschiedlichen Ebenen liegen. Obwohl wir freie Platzwahl haben, finden wir erst nach über einer halben Stunde ein geeignetes Fleckchen. Sowas hatten wir auch noch nie… Nachdem das Zelt endlich steht, kochen wir uns aus allen gesammelten Resten der letzten Tage Nudeln mit Sahne-Käse Soße und einem Topping aus Zwiebeln, Speck und Apfelkompott.

Regen.-Pause

14.02.2023 – Portimão

Valentinstag – also Tinos Namenstag ♥
Wir machen einen ausgedehnten Stadtbummel um noch zwei Stationen von “Too Good To Go“ abzuklappern. Für uns eine neue, tolle Art eine Stadt kennen zu lernen. Leider ist Portimão nicht sehr fußgängerfreundlich. Keine einladenden Grünflächen, kaum Bänke, dafür enge Straßen mit schmalen Fußwegen, in denen die zahlreichen Autos unangepasst schnell fahren. Mit zwei geretteten Magicboxen im Gepäck (eine davon tagesaktuell richtig süß gestaltet) kommen wir erleichtert wieder im Apartment an. Mit den verschiedenen Lebensmitteln lässt sich einiges improvisieren. Nun heißt es Alles bereit machen für die Abfahrt morgen und dann schnell ins Bett.


Übrigens haben wir bei einem abendlichen Telefonat nun endgültig entschlossen am 06.08.2023, unserem ersten Hochzeitstag, eine kleine Rückkehrfeier (östlich von Berlin) zu veranstalten. Wer jetzt schon weiß, dass er Interesse und Zeit hat, kann gern hier einen Kommentar hinterlassen oder uns persönlich anschreiben. Genauere Informationen folgen dann.

Regen.-Pause

13.02.2023 – Portimão

Nach einem leckeren englischen Frühstück (wenn wir eine Küche haben, machen wir uns gerne Baked Beans) lassen wir uns heute mal auf eine ganz neue Erfahrung ein. Gestern haben wir durch Zufall die App “Too Good To Go“ wiederentdeckt. Einkaufsläden und Restaurants verkaufen darüber, zu einem sehr günstigen Preis, ihre bei Ladenschluss übriggebliebenen Produkte. Für heute haben wir uns eine “Magicbox“ reserviert und sind nun gespannt was uns erwartet. Gegen 11 Uhr spazieren wir in ein vier Sterne Hotel und bekommen eine Box mit Resten vom Frühstücksbuffet für 4€. Daraus bereiten wir uns ein zweites Frühstück (siehe Bild) und bestellen für morgen gleich noch eine Box in einem Cafè.

Fasten Regen.-Pause

12.02.2023 – Portimão

Heute haben wir uns endlich auf die schon länger geplante Klippenwanderung begeben. 12 Kilometer, mal direkt am Strand durch Felsentore, mal oben auf den Klippen mit Blick auf den Atlantik und dazwischen viele Treppen, sowie steile An- und Abstiege. Teilweise kann man unsere Fortbewegung schon klettern nennen. Die Farben sind bezaubernd, die Formationen beeindruckend.
Erschöpft und beseelt kommen wir am Nachmittag zurück in unsere Unterkunft.

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10.02.2023 – Albufeira

Verglichen mit dem gestrigen Hoch ist die Stimmung heute etwas getrübter. Tino hat Kopfschmerzen, vermutlich von zu viel Buffetkaffee gestern. Glücklicherweise verpassen wir, versunken in unsere eigenen Gedanken, landschaftlich nicht all zu viel. Golfplatz reiht sich an Golfplatz, dazwischen große Eigentumsvillen, Immobilienbüros, Rechtsanwaltskanzleien.
Der Wind drückt gut von hinten, was immer eine Freude ist, allerdings die Suche nach Pausenplätzen erschwert, heute sogar gänzlich misslingen lässt. Letztlich sitzen wir genau in einer zugigen Schneise und schlingen das Essen geradezu herunter, um dem Wind schnellstmöglich wieder zu entfliehen.
Auch auf dem Campingplatz ist die Luft noch stark in Aufruhr, sodass wir unsere Küche im Zelt aufbauen. Dafür müssen wir nur das Innenzelt aushängen und eine Schutzplane ausbreiten. Dann haben wir einen zwar belüfteten, aber Windgeschützten Raum. Wir haben auch schon mal drinnen die Campingstühle aufgebaut, dann wird es richtig bequem. Schon Wahnsinn was man alles auf einem Fahrrad transportieren kann: eine Küche, ein Schlafzimmer, Stühle und die komplette Garderobe, generell offensichtlich alles was man zum Leben braucht und noch ein bisschen mehr 🙂

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09.02.2023 – Olhão

Wir sind seit den ernüchternden Erfahrungen in Italien in keinem Bed and Breakfast mehr untergekommen. Heute ist aber mal wieder ein Frühstück im eh schon günstigen Preis inbegriffen und so gehen wir gespannt in den Essensraum. Ein richtiges Buffet überrascht uns, mit Schinken, Käse, Rührei, Jogurt, Früchten, verschiedenen Müslisorten, Brot zum toasten und heißer Milch und Kaffee aus zwei Spendern. Tino entdeckt Tomatenmarmelade für sich. Eineinhalb Stunden verbringen wir im Schlaraffenland, dann packen wir unser Zeug und machen uns auf den Weg.
Portugal zeigt sich von seiner besten Seite. Warm und sonnig ist es, sodass wir ein Kleidungsstück nach dem anderen in unseren Taschen verstauen. Ganz leicht, frei und willkommen fühlen wir uns!
Bei der Fahrt fallen uns direkt ein paar Unterschiede zu Spanien auf – aber kann das überhaupt sein, so in direkter Grenznähe? Oder spielt uns unser Kopf einen Streich, im Wissen, dass wir das Land gewechselt haben? Gefühlt liegen neue Gerüche in der Luft, die Straßen und Radwege sind wieder etwas schlechter, aber die Umgebung wirkt dafür ursprünglicher, auch abwechslungsreicher innerhalb kürzerer Abstände und und sehr idyllisch. Wenn wir auf Straßen ausweichen müssen, weil der Radweg schlecht passierbar ist, sind die Autofahrer tendenziell nicht mehr ganz so vorsichtig.
Als wir auf dem Campingplatz ankommen und für unter 10€ eine Pazelle bekommen, fragen wir uns, ob auch das Preisniveau gesunken ist.
Aber was wissen wir schon nach einem Tag? Es ist nur ein erster Eindruck und wir bleiben offen, diesen ständig zu erweitern.