Fasten

30.01.2023 – Torre del Mar

Als wir aufstehen, wird klar, dass unser eigentliches Fastenhoch erst jetzt einsetzt. Wir fühlen uns ganz leicht, aber durch die paar Kalorien des Vortages total energiegeladen. Das gewohnte Vertrauen zum Körper ist zurück. Wir können die dauerhafte Konzentration, die uns bei allen Aktivitäten der letzten Tage begleitete, ablegen.
Zum späten Frühstück essen wir die Suppe von gestern, allerdings püriert und mit Sahne und Fisch verfeinert. Hier in Spanien gibt es so viel Fisch und dieses Angebot wollen wir ab jetzt mehr nutzen! Die Menge reicht bei unseren aktuell zusammengeschrumpften Mägen, um noch ein Mittagessen davon aufzuwärmen. Zum Kaffee dann endlich die ersehnte Geschmacksexplosion: Naturjogurt mit untergerührten Kokosflocken, darauf eine Schicht heiße Waldbeeren und zur Abrundung Mandelmuß und ein paar Splitter gehackte dunkle Orangenschokolade. Jeder Löffel eine Entdeckungsreise – das wird in Erinnerung bleiben ♥
Dann gehen wir spazieren und kaufen für die nächsten Tage ein, wenn wir endlich wieder unterwegs sind!
Unser Fastenfazit: Man benötigt als gesunder Mensch keine Betreuung bei fünf Tagen Wasserfasten, solange man auf seinen Körper hört. Es ist aber definitiv schön zu zweit diese intensive Erfahrung zu machen, sich zu unterstützen, motivieren und das Mehr an Zeit zu genießen. So paradox es klingt, wir haben in den Stunden viele neue Rezeptideen entwickelt, während unsere Einstellung zu Lebensmitteln und Genuss sich wieder einmal neu ausrichtete.
Wichtig gerade beim ersten Mal ist eine entspannte Umgebung, abseits vom Alltag und generell ausreichend Bewegung. Man muss den feinen Unterschied kennenlernen, ob der Körper gerade wirklich Ruhe braucht oder auf dem Weg ist, zu versacken. Gerade diese Sensibilisierung auf die echten Bedürfnisse war für uns total wertvoll.
Unsere Geheimtipps bei Kreislaufproblemen sind Salz und sanftes Yoga vor allem in Kombination mit bewusster Atmung. Das hat zuverlässig geholfen.
Wir wollen das Fasten von jetzt an definitiv regelmäßiger (viertel- oder halbjährig) in unser Leben integrieren. Für unsere gewünschten Effekte (Autophagie und kein Fettabbau (denn am Ende waren wir unnormal dünn)) reichen dafür drei Tage Wasserfasten und zwei weitere ketogene Aufbautage.

Fasten

29.01.2023 – Torre del Mar

Fünfter Fastentag: Am Morgen haben wir etwas mehr mit dem Kreislauf zu kämpfen, als die letzten zwei Tage. Großer Kraftaufwand fällt schwer und Tinos mittlerer Puls ist erhöht. Insgesamt fordern wir uns heute eher Mental, um den Körper zu entlasten und uns gleichzeitig von den Gedanken an das Fastenbrechen später abzulenken. Andernfalls wirkt es wie ein Warten auf die erste Mahlzeit, was wir so von den letzten Tagen nicht kennen. Vielleicht wäre es eine bessere Strategie, die erste Mahlzeit auf einen Morgen zu setzen, um den vorigen Tag bis zum Abend effektiver nutzen zu können. Um 17 Uhr, exakt fünf Tage nach Beginn, dann endlich das Fastenbrechen: Wir beginnen mit einem Glas verdünnten Apfelessigs, welcher den Magen bei der Aufnahme von Fett unterstützt. Danach bereiten wir uns eine Gemüsesuppe, die mit Kokos- und Olivenöl angereichert ist. Davon wird zunächst allerdings nur die Brühe gelöffelt. Wir verzichten also vorerst auf Kohlenhydrate und setzen stattdessen auf Fett, welches der Organismus aktuell am besten zur Energiegewinnung nutzen kann, da er das jetzt seit zwei/drei Tagen ausschließlich macht (Ketose). Die Brühe ist sehr Lecker, aber noch etwas zu nah am Trinken der letzten Tage, um uns vom Hocker zu reißen. Ein paar Stunden später gibt es die erste feste Nahrung. Avokado, Thunfisch und Sauerkraut, zur probiotischen Unterstützung der Darmflora, die beim Fasten immer etwas reduziert wird. Als Topping geschrotete Leinsamen, die mit ihren Ballaststoffen eine Überreaktion des Darms in Form von Verstopfung oder Durchfall verhindern sollen. Zum Theorie-Praxis Abgleich morgen mehr… Bei Tino kommt Appetit auf und er kann die erste feste Mahlzeit in vollen Zügen langsam genießen. Bei Helena hingegen zieht sich der Magen schon bei der Vorbereitung zusammen und nach den ersten Bissen schimmert eine Träne der Enttäuschung in ihren Augen. Also Abbruch und sie kocht sich zwei Esslöffel Haferflocken mit ein paar zerdrückten Blaubeeren, was dann endlich das ersehnte Lächeln auf Ihre Lippen zaubert. Und was lernen wir daraus? Manchmal ist es besser auf den Körper zu hören und sich gegen den Idealweg zu entscheiden, egal wie viel man zu einem Thema recherchiert hat und wie überzeugt der Kopf davon ist.

Fasten

28.01.2023 – Torre del Mar

Vierter Fastentag: Die Nacht folgt dem Muster der letzten Nächte. Nur beim Einschlafen hatten wir leichte Probleme, nachdem wir über die Zukunft geredet hatten und danach beide zu freudig erregt waren, um zur Ruhe zu kommen. Mit uns hat das Schicksal wirklich einen Treffer gelandet!
Unseren Tag starten wir mit einem zweieinhalb stündigen Spaziergang, wir können dabei das Tempo verglichen mit gestern etwas anziehen, ein kurzes Stück sogar rennen. Der Körper hat tatsächlich eine neue Energiequelle angezapft. Ein bisschen kann man es auch am Mundgeruch erkennen, der leicht säuerlich riecht, was auf Ketonkörper hindeutet.
Bisher verlief bei uns beiden alles ziemlich gleich, heute gibt es bei Helena etwas mehr zu berichten. Obwohl ihr Kreislauf seit dem Aufwachen sehr stabil ist, verschwimmt/verschiebt sich ihr Sichtfeld von Zeit zu Zeit. Wir sind etwas beunruhigt und wollen schon heute das Fasten brechen, doch als wir zuhause ankommen, erklärt sich das Phänomen für uns. Ihre Regelblutung setzt ein und am ersten Tag braucht ihr Körper erfahrungsgemäß mehr Ruhe als sonst. Mit der Info ist es leicht das Augenphänomen schnell zu beseitigen, etwas liegen, viel trinken und alles ist wieder gut. Übrigens kam die Blutung fünf Tage zu früh. Wer sich etwas mit dem weiblichen Zyklus auskennt, erkennt, dass dies eine logische Konsequenz des Körpers ist. Wir haben in der zweiten Zyklushälfte mit dem Fasten begonnen, zu dem Zeitpunkt war bereits eine Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und der Eisprung vorüber. Bei Befruchtung wäre das die Zeit, in der die Schwangerschaft startet. Da der Körper nun aber in den Überlebensmodus wechselt, hält er es nicht für sinnvoll ein potenzielles Kind zu gebären und bricht den Zyklus ab. Hätten wir in der ersten Zyklushälfte gefastet, hätte der Körper vermutlich den Einsprung rausgezögert und der Zyklus wäre länger geworden. Was für tolle Mechanismen der Körper besitzt. Da kann man nur staunen.
Jedenfalls geht es uns beiden des Rest des Tages sehr gut. Wir gehen den Nachmittag und Abend sehr gemütlich an und freuen uns auf morgen – nicht einmal mehr 24 Stunden bis zum Fastenbrechen.

Fasten

27.01.2023 – Torre del Mar

Dritter Fastentag: Noch eine erstaunlich ruhige Nacht liegt hinter uns, in der beide nur ein kurzzeitges Bauchgrummeln bis leichte Übelkeit in den frühen Morgenstunden hatten. Am Vormittag gehen wir für unsere Brühe zum Fastenbrechen einkaufen. Der klassische Apfel ist aufgrund des Insulinpeaks, den er auslöst, nicht mehr erste Wahl. Im Laden lösen vor allem die Backwaren und Obstsorten großes Verlangen aus – klar sehr energiereich. Nach der kleinen Stadttour, gibt es ein kurzes hetiges Erschöpfungstief, dass sich aber durch viel Trinken und etwas Salz schnell verzieht. Nach einer Runde kreislaufaktivierendem Yoga geht es in die Sauna. Die Wärme tut sehr gut und wirkt eher aktivierend, als schwächend. Die Phase der erhöhten Autophagie, in der der Körper ausgediente Zellteile und Proteine aussortiert bzw. recycled, lassen wir jetzt hinter uns und spätestens morgen sollten wir in eine tiefe Ketose kommen, in der der Körper anfängt aus Fetten Ketone herzustellen. Diese kann er dann als Treibstoff verwenden, anstelle der sonst genutzten Glukose. Wenn das passiert und der Körper metabolisch flexibler wird, kann dies zukünftige Tiefs verhindern, wenn wir beim Radfahren mal für ein paar Stunden kein Essen zuführen.
Dafür, dass die ersten drei Tage die schwierigsten sein sollen, geht es uns verdammt gut. Und speziell das Yoga werden wir uns für ggf. folgende Fastenkuren merken!

Fasten

26.01.2023 – Torre del Mar

Zweiter Fastentag: Die Nacht war friedlich und ruhig. Nur einmal hat bei uns beiden der Bauch etwas gezogen. Am Morgen hält das Hoch vom Abend weiter an. Es fällt nicht schwer sich zu verschiedenen Aktivitäten, wie Wäschewaschen etc. zu motivieren und die Gedanken an Essen sind nicht sehr präsent. Etwas vorsichtig müssen wir immer beim Aufstehen bzgl. Schwindel sein. Gegen Mittag machen wir wieder einen ausgedehnten Strandspaziergang in der Sonne, allerdings definitiv etwas langsamer als gestern. Danach sind wir ziemlich erschöpft und schlafen für zwei Stunden. Den Kreislauf bekommen wir durch Yoga am Nachmittag wieder gut in den Griff und durch gegenseitige Massagen und ein Kamillenbad setzt eine angenehme Entspannung ein. Insgesamt fühlt sich alles sehr entschleunigt und harmonisch an.

Fasten

25.01.2023 – Torre del Mar

Erster Fastentag: Die Nacht war duchwachsen. Durch die vergangenen Entlastungstage wussten unsere Körper wohl was auf sie zukommt und haben in leichter Panik Kopfschmerzen vorgeschoben. Am Morgen beim Spaziergang durch die Innenstadt vorbei an den Cafés und Restaurants kommen erste Gedanken auf, das ganze sein zu lassen. Fast schon eine Wut, nicht essen zu dürfen. Wie Emotional die Nahrungsaufnahme doch behaftet ist…
Nach erneutem belesen über die positiven Effekte wie Autophagie und Ketogenese und einem Strandspaziergang in der Sonne geht es uns direkt besser und die Motivation steigt. In einer öffentlichen Tauschboxen finden wir jeder ein Buch, dass wir in den nächsten Tagen auf der Dachterasse als Ablenkung und Alternativgenuss zum Essen verschlingen wollen. Das abendliche Hoch nutzen wir, um sanftes Yoga zu machen. Wir sind gespannt was die nächsten Tage passiert.

on tour

23.01.2023 – La Herradura

In der Nacht hatten wir Besuch von einer Katze. Ist natürlich spannend so ein knisterndes Zelt und im Vorzelt schlafen ist selbstverständlich erlaubt, aber bei unserem kleinen Haus hört der Spaß auf, wenn jemand dran hochklettern will. Unser Schlaf ist durchs Aufpassen unruhig und am Morgen haben wir trotzdem Kratzer in der Zeltplane. Die werden wir in der Fastenzeit flicken müssen.
Nach wenigen Kilometern, in denen wir uns um die letzten Bergzungen schlengeln, erreichen wir wieder das Meer. Ein tolles Gefühl! Die Sonne brennt heute ziemlich heftig und so kramen wir erst mal die LSF-Creme für die Gesichter aus den Tiefen der Gepäcktaschen hervor. Dann lassen wir das Kontrastprogramm auf uns zukommen. Auffallend ist die deutlich dichtere touristische Bebauung und die exotischere Vegetation.
Als wir auf unserem heutigen Campingplatz ankommen, scheinen wir zurück in Deutschland gelandet zu sein. Ganz selbstverständlich ist Deutsch hier die Platzsprache. Irgendwie unangenehm… Mit unserer etwas älteren Nachbarin führen wir dreimal das selbe Gespräch bevor wir betroffen realisieren, dass sie sich tatsächlich nicht an den bereits wiederholt geführten Smalltalk erinnern kann.

Freinacht on tour

22.01.2023 – Velèz de Benaudalla

Was für ein bombastischer Abschied aus dem Inland! Wir bekommen nochmal das Beste serviert, was die Berge zu bieten haben. Der Wind schiebt uns die letzten Hügel hoch, die uns noch von der Küste trennen. Eine kleine Pause am Hochpunkt, vor der Abfahrt, lassen wir uns nicht nehmen. Es gibt Tee und Suppe und einen Blick ins zerklüftete Tal. Plötzlich beginnt es über uns am Hang grollend zu donnern. Vermutlich Bergsprengungen, hoffentlich wissen die was sie tun… Beim dritten Mal werten wir es als Verabschiedung und schwingen uns aufs Rad. Die Sonne scheint und die Autobahn, die wir gestern noch stellenweise verflucht haben, zieht heute fast alle Autos in ihren Bann bzw. ihre Bahn und verschafft uns eine freie Abfahrt auf leeren Nebenstraßen. Im Rollen ziehen weißblühende Mandelbäume an uns vorbei, erst vereinzelt, dann immer zahlreicher. Tatsächlich fühlen auch wir, wie es wärmer wird. Schon um 15 Uhr erreichen wir unseren Schlafplatz, eine Area Recreativa bei der auch einige Spanier grillend ihren Sonntag verbringen. Der Geruch von Glutkartoffeln steigt uns in die Nase. Wir machen es uns in unseren Sesseln bequem und registrieren staunend, dass wir heute die 5000 Kilometer geknackt haben. Was für ein Meilenstein!

on tour

21.01.2023 – Granada

Endlich wieder auf ebenem Boden finden wir schnell einen Platz zum Frühstücken. Ab heute beginnen unsere Entlastungstage vor dem Fasten. Kein Zucker, wenig Kohlenhydrate. Der Fokus auf Fetten und Eiweißen sowie generell etwas weniger Kalorien. Auch unsere Tageskilometer haben wir dafür nach unten reguliert. Als wir in der aufgehenden Sonne sitzen und unseren Porridge essen ist es unglaublich friedlich um uns herum. Das Gras glitzert vom leichten Frost und dort, wo die Sonne zu wärmen beginnt, steigt Dampf vom Boden auf. Gestärkt geht es Richtung Granada. Doch schon von weitem sehen wir, dass die Stadt von einem dichten Smog umhüllt ist. Auf einen Abstecher ins Getümmel verzichten wir daher, erspähen aber im vorbeifahren in der Ferne trotzdem kurz die Alhambra, die schon den ein oder anderen Songwriter inspiriert hat 😉 Für uns ist die Tandemtour nicht der richtige Urlaub für einen der beliebtesten Touristenhotspots Europas, diese Lektion haben wir bereits gelernt. Stattdessen fahren wir in einem wirren links/rechts-hoch/runter Slalom um die zwei großen Hauptstraßen hier, die nur für Autos gedacht sind. Mal gut geführt auf Radwegen, mal auf Nebenstraßen durch Unterführungen, die man kaum als solche bezeichnen kann. In jedem Fall haben wir hier definitiv immer das Nachsehen. Das haben wir schon besser erlebt.