Freunde und Familie

01.01.2023 – Teruel (0:00 bis 2:00 Uhr)

Frohes neues Jahr!
Hier in Teruel wird kein einziger Feuerwerkskörper entzündet, dafür wird an einigen Stellen das Rathaus von Madrid live übertragen. Auch wir suchen den richtigen Kanal und setzen uns mit abgezählten Weintrauben aufs Bett. Als die Turmuhr zu schlagen beginnt, heißt es mit jedem Schlag eine Weintraube essen. Klingt definitiv leichter als es ist, vor allem mit Lachflash nebenbei 😉 Wer es schafft, dem steht ein glückliches, erfolgreiches neues Jahr bevor. Wie wir gelesen haben, soll die Uhr so umgestellt worden sein, dass sie etwas langsamer schlägt (alle drei Sekunden ein Gong), weil es Beschwerden und sogar einige Erstickungstote gab…
Als die Hamsterbacken wieder leer sind, stellen wir uns auf den Balkon und entzünden die Wunderkerzen aus dem Carepaket von zuhause. Ein vertrautes funkeln und glimmen.
Und was fehlt noch? Das Bleigießen! bzw. Wachsgießen, wie die Tradition in unserer Familie abgeändert wurde. Es entstehen fantastische und teils unglaublich eindeutige Figuren: z.B. ein Papagei auf einem Ast und eine Dame in wehendem Kapuzenkleid.
Als wir irgendwann nach zwei Uhr ins Bett gehen, war es zumindest für uns beide das längste Silvester der letzten Jahre!

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31.12.2022 – Teruel

Als wir erwachen, steigt die Sonne just am Horizont empor. Nach unserem morgendlichen Ritual des Zelt abbauens und sich frischmachens, setzten wir uns mit einem Tee und Kaffee in die mittlerweile angenehm wärmende Sonne.
Weiter geht es auf der ehemaligen Bahntrasse bergauf, bis wir auf 1220 m Höhe schließlich unseren bisher zweithöchsten Pass (nach den Alpen) überqueren. Die Landschaft ist hier deutlich karger und wir kommen an rot-orangenen Felsen vorbei, vor denen Tinos sonst so auffällige Regenjacke, wie eine Tarnjacke wirkt. Am Wegesrand finden wir einen Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg.
Sanft rollend erreichen wir Teruel und checken in unsere Silvesterunterkunft ein. Erst sind wir unsicher ob und wo wir Tandi in den engen Gassen der Altstadt anschließen sollen, doch als wir einfach an der Rezeption fragen, findet sich in spanischer Gelassenheit schnell eine Lösung. So steht es nun für die nächsten zwei Tage im Ankleideraum des Personals.
Gegen 20 Uhr kommen Roman und Lotta und endlich können wir sie in die Arme schließen. Wie schön mal wieder vertraute Gesichter und Stimmen um uns zu haben! Der Abend verfliegt, während wir uns in einem nahen Restaurant durchfuttern und auf den neuesten Stand bringen. Kurz vor Mitternacht machen wir uns zu viert auf den Weg zurück in unser Zimmer, für eine spanische Tradition…

Freinacht on tour

30.12.2022 – Sarriòn

Hier in den Bergen durchlaufen unsere Körper eine Art Abhärtungsprogramm z.B. durch deutlich kühlere Nächte (bis auf 4/5°C). Und am Morgen heißt es dann erst mal Waschen mit eiskaltem Brunnenwasser… Eine kleine Runde Sport dient dem Aufwärmen und dann wird gefrühstückt.
Zum Glück fühlen wir uns beide gut erholt und fit und so brechen wir gegen 10 Uhr von unserem liebgewonnen Schlafplatz auf. Es geht weiter auf dem alten Bahndamm. Was für ein Luxus mitten im Gebirge zu sein, aber nur moderate Anstiege zu haben, weil für den ehemaligen Zug, Schneisen und Tunnel in die Berge gehauen wurden, die einem das Gröbste ersparen. In einem besonders langen sind allerdings mittendrin mehrere Lampen in Folge ausgefallen und so finden wir uns plötzlich in absoluter Finsternis wieder und fahren in wortwörtlich blindem Vertrauen, bis es wieder hell wird. Auf der anderen Seite erwartet uns jedes Mal eine andere Überraschung. Entweder die Landschaften ändern sich drastisch oder die Farbe der Felsen. Durch verschiedene Erze reicht das Spektrum von weiß/grau über gelb, dunkles orange und violett bis grün/blau. Ein spektakuläres Farbenspiel.
Abends finden wir eine Kapelle inmitten von Olivenbäumen unter denen steinerne Tische mit Bänken stehen und zwei offene Gebäude mit langen Tafeln. Bestimmt ein beliebter Platz für Feste im Sommer und heute für uns zum Schlafen.

Freinacht on tour

29.12.2022 – Barracas

Seit gestern Mittag fahren wir durchweg auf der “via verde de ojos negros“ einem ehemaligen Bahndamm, der zu einem Radweg umfunktioniert wurde. Es wechseln sich tolle Passagen mit weitem Blick über die Landschaft (teils über Viadukte) mit Abschnitten, in denen wir durch Schluchten oder lange Tunnel fahren. Dafür müssen wir nicht mal die Fahrradlampen rausholen, denn die Tunnel sind ausgestattet mit Bewegungsmeldern, oder Schaltern, um sich Licht an zu machen. Am Wegesrand finden sich einige einladende Rastplätze. Ein Radler-Traum!
Mitten in der Hochstimmung werden plötzlich Helenas Beine ganz zittrig, und es scheint, als würde der eingeatmete Sauerstoff nicht ausreichend im Körper ankommen. Nach ein paar Nüssen und Datteln wird es besser, doch ganz kommt die Leistungsfähigkeit nicht zurück und dann wandeln sich die vorher unregelmäßigen Böen auch noch in einen grausamen Gegenwind, der an den Jacken reißt und in den Ohren rauscht. Die letzten 20 Kilometer schaffen wir nur mit einem Podcast zur Ablenkung.
Als wir in der Dämmerung gegen 18 Uhr und einem Schnitt von 11,8 km/h unsere Tour beenden, waren es nicht nur gefühlt die längsten 42 Kilometer unserer Radgeschichte. Der anvisierte und erreichte alte Bahnhof, der unser Schlafplatz werden soll, stellt sich als perfekt geeignet heraus, weil er uns vor dem Wind und möglichen Blicken schützt. Als wir uns schließlich ins Zelt legen, fällt mit einem tiefen Seufzer die ganze Anspannung von uns ab.

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28.12.2022 – Navajas

Wir werden von vier Hähnen geweckt, die um die Wette krähen, wer wohl am besten sänge. Dann gibt es erst mal Frühstück und als wir uns etwas später von Silvia, Joseph und Iara verabschieden, schenken sie uns noch frische, hartgekochte Eier vom Hof und Orangen.
Heute haben wir 800 Höhenmeter vor uns, die sich glücklicherweise als relativ sanft ansteigend erweisen. Bei einer Pause finden wir eine Quelle, aus der wir uns endlich mal wieder ungechlortes frisches Bergwasser abfüllen können. Und wir sind nicht die einzigen! Am laufenden Band halten hier Rennradler, um ihre Flaschen zu füllen. Zum Essen müssen wir in den Schatten flüchten, weil die Sonne zu stark auf uns niederbrennt.
Nach und nach weichen die Palmen herbstlichen Laub- und Nadelbäumen. Neue Gerüche liegen in der Luft, Mengen an Salbei, Rosmarin und Thymian stehen am Wegesrand. Fehlt nur noch Petersilie und ein Wegweiser nach Scarborough Fair. Wir pflücken eine handvoll für ein aromatisches Abendessen.
Als wir schließlich den Pass überquert haben, beginnt eine wundervolle Abfahrt. Kilometerlang können wir einfach rollen, den Fahrtwind und die Landschaft genießen. Einfach magisch die Berge ♥ Und zu zweit kann man all die Emotion teilen, bei der man allein gegebenfalls nicht wüsste wohin damit.

PS: Hier ein kleiner Eindruck von der Abfahrt:

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27.12.2022 – Llìria

Heute brechen wir zu einem einwöchigen Abstecher in die Berge auf. Mal sehen, was uns erwartet und wie wir mit den kühleren Temperaturen klarkommen werden.
Die Überwindung zum Start war gar nicht so leicht. Durch die Pause in Valencia ist der Körper runtergefahren und möchte nur schwer wieder raus aus der Gemütlichkeit. Doch unsere nahende Silversterverabredung lockt uns schließlich doch hinaus in die sonnigen Straßen und als wir auf einem schönen Radweg die Stadt verlassen, kommt das Reisefieber zurück und wir sind glücklich im hier und jetzt auf dem Tandem!
Abends kommen wir wieder einmal über WarmShowers bei einer Familie unter. Wir erleben ein großes ökologischen Bewusstsein. Ganz autark leben sie durch Solarenergie, Regenwasser und eine riesen Portion Bescheidenheit. Es wird ein lustiger Abend, bei dem sie uns ihre liebsten deutschen Lieder vorsingen (“Ich geh mit meiner Laterne“ und “Schnappi, das kleine Krokodil“) und am Ende, um Ihre kleine Tochter müde zu bekommen, munter mit ihr tanzen 🙂

Regen.-Pause Stadt

26.12.2022 – Valencia

Jetzt aber genug vom Essen. Stattdessen lieber noch etwas zur Stadt 😉
Wir nehmen Valencia als eine sehr lebenswerte Stadt war. Es ist schwer dieses subjektive Wohlbefinden in Worte zu fassen. Objektiv betrachtet liegt es an der vielen Natur, tollen Architektur (sowohl historisch als auch futuristisch), komplett verkehrsberuhigten Innenstadt, guten Fahrradwegen und dem angenehmen Klima im Dezember. Aber da ist noch etwas anderes, weniger greifbares…
Heute sind wir die “grüne Meile“ entlang spaziert, die eigentlich Jardin del Turia heißt und in einem ehemaligen Flussbett angelegt wurde. In regelmäßigen Abständen wird sie von Brücken in verschiedenen Stilen überspannt. Die entstehenden Abschnitte unterscheiden sich in Bepflanzung und vorgesehener Nutzung. Am Ende kommen wir bei einem futuristischen Komplex an, der Stadt der Künste und Wissenschaft – das Adlershof von Valencia quasi 😉

Regen.-Pause Stadt

25.12.2022 – Valencia

Tag zwei im Paradies! Die Stadt ist wirklich schön, das Essen vorzüglich und allgmein tut die Pause mit dem anhaltend warmen Wetter einfach gut. Neben den Verkostungen der verschiedenen landestypischen Spezialitäten, haben wir es nach drei Monaten endlich in Angriff genommen unseren Daunenschlafsack zu waschen und ihn danach glücklicherweise wieder getrocknet bekommen, ohne, dass er an Volumen eingebüßt hat.
Bei einem unserer Streifzüge entdecken wir eine acht Kilometer lange, grüne Parkmeile, die mitten durch die Stadt verläuft und lassen uns von dem einladenden, sauberen Rasen zu einer spontanen AcroYoga Session locken. Es fühlt sich toll an, auch mal wieder andere Muskelgruppen als die Beine zu betätigen und nach ein paar anfänglichen Wacklern läuft es auch richtig gut! Erstaunlich wie sich die Bewegungen und Abläufe im Muskelgedächtnis gespeichert haben.
Kleine Erläuterug zum Essen:
1. Herzhafte Eierkuchen: mit Frischkäse, Pilzen, Zucchini und Tomaten. Wir müssen schließlich das gekaufte Kilo Mehl aufbrauchen.
2. Pintxos: kleine, kalte oder warme, fein abgestimmte Gourmethäppchen aufgespießt auf Weißbrotscheiben. Diese haben unsere Erwartungen definitiv übertroffen. Es ist mehr als ein belegtes Brötchen!
3. Orxata con Fartòn: Valenzianisches Erfrischungsgetränk aus Erdmandeln. Klassischerweise tunkt man ein längliches Hefegebäck hinein. Wir hatten zusätzlich eine Kugel Vanilleeis darin versenkt. Ziemlich süß und frisch (auch ohne das Eis) und sehr lecker! (Obwohl wir wissen, dass die Meinungen da stark auseinander gehen.)
4. Tapas: Zusammenstellung aus verschiedenen Minigerichten. Ursprünglich gab es diese kostenlos als kleine Beilage in Bars zum Getränk. Mittlerweile werden sie in eigenständigen Tapas-Restaurants verkauft. Wir haben mit unserem Restaurant leider keinen 100%igen Treffer gelandet (die Tapas kamen, bis auf die Datteln im Speckmantel, eher typischem Berliner Fastfood gleich) Aber wir sind ja noch eine Weile in Spanien und bekommen das sicher noch mal zufriedenstellender hin 🙂
Es war auf jeden Fall sehr vielfältig, aber wir freuen uns auch, ab morgen wieder komplett selbst zu kochen 😉

Regen.-Pause Stadt

24.12.2022 – Valencia

Feliz Navidad!
Danke für die vielen lieben Grüße und Geschenke, auf welchem Weg auch immer sie uns erreicht haben und erreichen werden ♥
Unser Weihnachtsfest steht dieses Jahr im Zeichen der Kulinarik. Wir haben eine Küche und 100€, die wir zweckgebunden nur für Essen ausgeben dürfen. Heute haben wir den Anfang gemacht, die Stadt zu Fuß erkundet und es wurde ein sehr süßer Tag 🙂
1. Eierkuchen: Ein Frühstück, das uns an gemütliche Sonntage zuhause erinnert. Beim Teigrezept sind wir nicht sehr streng. Heute gab es Apfelmus, Frischkäse und Marmelade dazu, sowie unseren Favoriten: Banane-Schoko!
2. Paella Valenciana: das Nationalgericht der Region Valencia. Eine Reispfanne mit Safran, Gemüse und hellem Fleisch, garniert mit Rosmarin und Zitrone. Besonders der leicht an die Pfanne angebackene Reis am Ende hat es uns angetan.
3. Pandolce Genovese: ein traditionelles weihnachtliches Gebäck aus Ligurien, das wir uns auf Empfehlung von Fiona aus Genua mitgebracht haben. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben, irgendwie fluffig, fruchtig frisch. Auf jeden Fall sehr lecker!
4. Chocolate con Churros: Eine iberisches stangenförmiges Spritzgebäck, das in dicke, heiße Schokolade gedippt wird (ähnlich der, die wir in Genua probiert hatten)

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23.12.2022 – Valencia

Neues Land, neue Gerüche! Was in Italien die Olivenbäume waren, sind hier die Zitrusbäume. Wir fahren an endlosen Plantagen entlang und bekommen gar nicht genug von den frischen Orangen und Mandarinen. Dennoch ist heute nicht der Weg das Ziel sondern Valencia. Valencia steht für uns dieses Jahr synonym für Weihnachten und heute erreichen wir endlich die vielversprechende Stadt. Auf gut durchdachten Radwegen, werden wir bis hinein in die Innenstadt geführt. Wir kommen in einem sehr kleinen (und das bedeutet was, wenn wir das sagen!), aber feinen Apartment unter, waschen unsere Klamotten und kaufen für die nächsten Tage ein. Weihnachten kann kommen 🙂