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06.02.2023 – El Rocìo

Wir verlassen Sevilla sicher geführt auf grünen Radwegen. Nach 10 Kilometern lesen wir zufällig Alberts Kommentar mit einem Radlertipp. Eigentlich wollten wir nördlich an Huelva vorbei, auf direktem Weg nach Portugal. Doch nach kurzem Hin und Her entscheiden wir uns die Route umzulegen. Schließlich bekommt man nicht alle Tage so einen spezifischen Hinweis für Fahrradreisende. Also verlassen wir unsere Straße nach Süden und fahren durch den Naturpark Doñana. Leider haben wir konstanten Gegenwind und die schnurgerade Straße ist durch Zäune links und rechts vom Park abgetrennt – wir finden bis zum Ende nicht raus, ob man auch innerhalb des Parks hätte fahren können. Nichtsdestotrotz können wir die Ruhe, Abgeschiedenheit und gute Luft genießen. Den angekündigten Campingplatz bei El Rocìo finden wir schnell. Ein Ort, dessen gesamte Wirtschaftskraft auf genau zwei Wochen pro Jahr aufgebaut ist, erscheint uns jedoch etwas suspekt. Die schachbrettartig angelegten Sandstraßen wirken mäßig belebt. Wie es hier wohl zu Pfingsten mit Millionen von Pilgern auf Wallfahrt zur Ermita (der Kirche) zugeht?

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04.02.2023 – Sevilla

Die ersten 30 Kilometer ziehen sich heute schier endlos. Das ist das negative an flachen Landschaften ohne Bezugspunkte. Der zweite Teil unserer ¡hundertsten! Tagesetappe führt nahe der Autobahn durch ein riesiges Industriegebiet. Dann erreichen wir endlich Sevilla, wieder mal beeindruckt von den guten Bedingungen für Radfahrer in den spanischen Städten. Hier wollen wir auf den unausgesprochenen Rat einer Freundin hören und dem Konzept Stadtbesichtigung noch eine Chance geben. Sevilla besitzt eine der größten Altstädte Europas und neben der Besichtigung wollen wir hier noch mal lecker spanisch essen gehen, bevor wir nach Portugal aufbrechen.

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03.02.2023 – Marchena

Wir haben in einem ehemaligen Kiosk übernachtet und sind durch den Schutz der vier Wände dem morgendlichen Raureif an der Zeltplane entgangen, sodass das Einpacken ganz schnell geht.
Das Gelände heute ist total flach. Sehr spannend mal weder Berge noch Meer zu haben, einfach nur trockene Felder und vereinzelt ein Baum oder Gestrüpp. Auf unserer Straße fühlen wir uns zeitweise wie die letzten Menschen, so verlassen und staubig führt sie durch die karge, fast steppenartige Landschaft.
Abends kommen wir in Marchena über Warmshowers unter. Das ist jedes mal ein Überraschungspaket. Heute lernen wir Manuel kennen, einen Junggesellen um die 50, der zusammen mit seinem flauschigen kleinen Hundeknäuel lebt, dessen Toilette das gesamte Haus umfasst. Wir packen nur das nötigste aus, tragen die ganze Zeit Schuhe und versuchen so wenig wie möglich zu berühren.

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01.02.2023 – Pizarra

Wenn es hart kommt, dann geballt.
Doch beginnen wir am Morgen. Wir schlafen ganz gemütlich aus und machen uns Haferflockenpfannkuchen zum Frühstück. Als wir gegen Mittag losradeln fühlen wir uns vom Frühlingswetter beflügelt! Alles blüht und lebt, aber auf eine sanfte, unaufdringliche Weise. Der Tag startet wie der gestrige endete: zart und leicht.
Nach etwa einer Stunde seichter Abfahrt bemerken wir, dass wir Tinos Handy auf dem Campingplatz vergessen haben. Nach einem kurzen Schlucken geht es zurück und dann noch mal von vorne los. Wir nutzen die Strecke, um Blumenbilder für einen Frühjahrsgruß nach Deutschland zu sammeln und so vergeht die Zeit gefühlt schneller als beim ersten Mal.
Etwas später schickt Komoot uns hinunter in ein Dorf, um am Ende auf einer größeren Hauptstraße zu landen. Doch die Straßen werden immer kleiner und wir kommen in einer Sackgasse zum stehen. Zwei Hunde vor einem Haus stellen klar, dass wir uns bereits auf Privateigentum befinden. Es gibt keine Alternative, wir müssen wieder komplett nach oben und von einer anderen Stelle auf die Hauptstraße fahren. Wir halten noch so lange durch, bis wir etwas abgelegen einen ruhigen Pausenplatz finden. Doch der Tag ist mittlerweile deutlich vorangeschritten – etwas Beeilung ist gefragt. Der Feldweg wird immer steiniger und dann stehen wir plötzlich vor einem Fluss… ohne Brücke. Kleinere überraschende Bachquerungen kennen wir bereits von Komoot, aber das hier ist etwas anderes. Keine Möglichkeit eines sinnvolles Rüberkommens. Da hilft nur eine Umarmung und das Überbordwerfen der Pläne. Unseren anvisierten Schlafplatz werden wir nicht mehr erreichen, aber es gibt einen Campingplatz etwas ab vom Weg.
Gegen 18 Uhr kommen wir glücklich an und haben generell den ganzen Tag erstaunlich gelassen weggesteckt. Vielleicht ist das eine Auswirkung des, durchs Fasten, weniger schwankenden Blutzuckerspiegels. Dennoch werden wir unsere morgigen Tour, auf der wir ein paar Kilometer aufzuholen haben, sicherheitshalber bei Komoot als “Rennradtour“ auf Asphalt planen.
Zum Glück sind die Tage schon wieder so lang, dass wir jetzt noch etwas über eine Stunde Licht haben werden, um zu kochen.

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31.01.2023 – Màlaga

Heute sehen wir zum letzten Mal auf dieser Reise das Mittelmeer, von welchem wir seit Italien einige Küsten kennengelernt haben. Wenn wir in Portugal wieder ans Meer fahren, wird es der Pazifik Atlantik sein. Aber letztlich ist es egal, wer kann schon beim Blick ins weite Meer sagen wie es heißt.
Zunächst sind unsere Beine schwer und es fühlt sich an als hätten sich die durchs Fasten geleerten Speicher, gestern nicht annähernd wieder aufgefüllt. Aber nach drei Kilometern wird es besser und wir kommen in einen richtigen Energieflow.
Málaga erleben wir zwar nur im Durchfahren, sind aber angetan von den vielen Parks. Außerdem bekommen wir hier hautnah eine tolle Option mit, Städte fahrradfreundlicher zu machen: von den mehrspurigen Straßen ist jeweils die rechte auf 30km/h begrenzt und soll bevorzugt für Fahrradfahrer sein. Autos können sie mit bedacht aber ebenfalls nutzen.
Nach und nach erschöpft sich unsere Energie, wir sind noch nicht ganz zurück auf dem alten Level. 10 Kilometer vorm Ziel überfällt uns ein Erschöpfungstief. Alles ist zu viel. Die Fußgänger, auf die man Rücksicht nehmen muss, die stinkenden Autos und generell alle Geräusche. Hier ist es einfach zu touristisch und dicht besiedelt.
In einem kleinen Waldstück zwischen zwei Orten können wir einmal kurz tief durchatmen und die letzten Reserven anzapfen. Noch ein paar Kilometer bergauf und wir haben es geschafft. Wir sind raus aus dem Trubel in der Natur und blicken wieder auf Berge! Sie werden von der tiefstehenden Sonne angestrahlt und die entstehenden Schatten verstärken das Relief.
Auf dem Campingplatz ist es angenehm ruhig. Nur ein paar leise Stimmen, Vogelgezwitscher und ein krähender Hahn. Von einigen Blüten im Eingangsbereich steigt uns ein süßlicher Geruch entgegen und die Sonne wärmt noch angenehm. All das legt sich wie eine sanfte Umarmung schützend um uns.

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23.01.2023 – La Herradura

In der Nacht hatten wir Besuch von einer Katze. Ist natürlich spannend so ein knisterndes Zelt und im Vorzelt schlafen ist selbstverständlich erlaubt, aber bei unserem kleinen Haus hört der Spaß auf, wenn jemand dran hochklettern will. Unser Schlaf ist durchs Aufpassen unruhig und am Morgen haben wir trotzdem Kratzer in der Zeltplane. Die werden wir in der Fastenzeit flicken müssen.
Nach wenigen Kilometern, in denen wir uns um die letzten Bergzungen schlengeln, erreichen wir wieder das Meer. Ein tolles Gefühl! Die Sonne brennt heute ziemlich heftig und so kramen wir erst mal die LSF-Creme für die Gesichter aus den Tiefen der Gepäcktaschen hervor. Dann lassen wir das Kontrastprogramm auf uns zukommen. Auffallend ist die deutlich dichtere touristische Bebauung und die exotischere Vegetation.
Als wir auf unserem heutigen Campingplatz ankommen, scheinen wir zurück in Deutschland gelandet zu sein. Ganz selbstverständlich ist Deutsch hier die Platzsprache. Irgendwie unangenehm… Mit unserer etwas älteren Nachbarin führen wir dreimal das selbe Gespräch bevor wir betroffen realisieren, dass sie sich tatsächlich nicht an den bereits wiederholt geführten Smalltalk erinnern kann.

Freinacht on tour

22.01.2023 – Velèz de Benaudalla

Was für ein bombastischer Abschied aus dem Inland! Wir bekommen nochmal das Beste serviert, was die Berge zu bieten haben. Der Wind schiebt uns die letzten Hügel hoch, die uns noch von der Küste trennen. Eine kleine Pause am Hochpunkt, vor der Abfahrt, lassen wir uns nicht nehmen. Es gibt Tee und Suppe und einen Blick ins zerklüftete Tal. Plötzlich beginnt es über uns am Hang grollend zu donnern. Vermutlich Bergsprengungen, hoffentlich wissen die was sie tun… Beim dritten Mal werten wir es als Verabschiedung und schwingen uns aufs Rad. Die Sonne scheint und die Autobahn, die wir gestern noch stellenweise verflucht haben, zieht heute fast alle Autos in ihren Bann bzw. ihre Bahn und verschafft uns eine freie Abfahrt auf leeren Nebenstraßen. Im Rollen ziehen weißblühende Mandelbäume an uns vorbei, erst vereinzelt, dann immer zahlreicher. Tatsächlich fühlen auch wir, wie es wärmer wird. Schon um 15 Uhr erreichen wir unseren Schlafplatz, eine Area Recreativa bei der auch einige Spanier grillend ihren Sonntag verbringen. Der Geruch von Glutkartoffeln steigt uns in die Nase. Wir machen es uns in unseren Sesseln bequem und registrieren staunend, dass wir heute die 5000 Kilometer geknackt haben. Was für ein Meilenstein!

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21.01.2023 – Granada

Endlich wieder auf ebenem Boden finden wir schnell einen Platz zum Frühstücken. Ab heute beginnen unsere Entlastungstage vor dem Fasten. Kein Zucker, wenig Kohlenhydrate. Der Fokus auf Fetten und Eiweißen sowie generell etwas weniger Kalorien. Auch unsere Tageskilometer haben wir dafür nach unten reguliert. Als wir in der aufgehenden Sonne sitzen und unseren Porridge essen ist es unglaublich friedlich um uns herum. Das Gras glitzert vom leichten Frost und dort, wo die Sonne zu wärmen beginnt, steigt Dampf vom Boden auf. Gestärkt geht es Richtung Granada. Doch schon von weitem sehen wir, dass die Stadt von einem dichten Smog umhüllt ist. Auf einen Abstecher ins Getümmel verzichten wir daher, erspähen aber im vorbeifahren in der Ferne trotzdem kurz die Alhambra, die schon den ein oder anderen Songwriter inspiriert hat 😉 Für uns ist die Tandemtour nicht der richtige Urlaub für einen der beliebtesten Touristenhotspots Europas, diese Lektion haben wir bereits gelernt. Stattdessen fahren wir in einem wirren links/rechts-hoch/runter Slalom um die zwei großen Hauptstraßen hier, die nur für Autos gedacht sind. Mal gut geführt auf Radwegen, mal auf Nebenstraßen durch Unterführungen, die man kaum als solche bezeichnen kann. In jedem Fall haben wir hier definitiv immer das Nachsehen. Das haben wir schon besser erlebt.