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Freinacht on tour

30.11.2022 – Villasor

Reisen macht Spaß! Tinos Kopfschmerzen sind in der Nacht verschwunden.
Am Morgen verabschieden wir uns von unserem Berg. Kurz nach Aufbruch überholen wir die dicken Wolken über uns und können von da an in strahlendem Sonnenschein fahren. Am Wegesrand sehen wir ein paar Schafe unter Olivenbäumen grasen. Die sind wohl nicht sehr empfindlich gegenüber Bitterstoffen. Denn als wir vor ein paar Tagen eine schwarze Olive geerntet und trotz Warnung von Dr. Google probiert haben, war das definitiv das Bitterste, was wir je im Mund hatten.
Haben wir schon von den überambitionierten Wachhunden in Italien berichtet? Die gibt es auf Sardinien auch – und nicht immer sind sie eingesperrt! Als wir durch ein kleines Dorf fahren, wetzt uns plötzlich wild bellenden und zähnefletschend ein Hund hinterher. Wie ist die beste Art zu reagieren? Wir geben Alles und sind in diesem Fall ein Mü schneller, nach einem knappen Kilometer lässt er schließlich von uns ab. Zum Glück ging es nicht bergauf…
Um 16 Uhr halten wir Ausschau nach einem Platz, um unser Zelt aufzuschlagen. Wir finden einen Naturpark, mit Wasserstelle, bei der sich ein paar Italiener kanisterweise Wasser abfüllen. Das wäre natürlich ein Luxusplatz! Wir sondieren die Lage bis kurz vor Sonnenuntergang und entschließen uns zu bleiben. Nun liegen wir weich auf einem Kleebett unter Olivenbäumen und zählen Schäfchen.

PS: Zu unserer großen Freude haben wir heute erfahren, dass wir voraussichtlich Silvester mit Roman und Lotta in Spanien feiern werden! Das lindert doch gleich das von Zeit zu Zeit aufkommende Heimweh in der Vorweihnachtszeit!

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24.11.2022 – Cagliari

Die Nacht verbringen wir im unruhigen Ruhesesselsaal der Fähre. Drei Plätze längs einnehmend, versuchen wir eng aneinanderliegend Schlaf zu finden. Für ein bis zwei Stündchen gelingt dies auch. Als der Morgen graut, sind wir froh, die Nacht überstanden zu haben. Belohnt werden wir an Deck vom Sonnenaufgang in trauter Zweisamkeit. Wir sind reif für die Insel!
Drei Stunden später rollen wir von der Fähre. Schnell wird klar, dass etwas anders ist. Eine Art innere Anspannung scheint von uns ab zu fallen. Ob es vor allem an den gelasseneren Autofahrern liegt, den offeneren Menschen, die lächeln und grüßen oder an der lichteren Bebauung, die dem Blick Freiraum schenkt und müden Beinen Pause wann immer man möchte. Keine Ahnung, aber es fühlt sich gut an!
Nach nur 25 Km kommen wir bei unserer Unterkunft an, die für sechs Tage unser Zuhause sein wird! Ja, wir machen einen etwas längeren “Reiseurlaub“, um Südsardinien zu Fuß zu erkunden.

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23.11.2022 – Neapel

Der Morgen nach dem Sturm ist sonnig und warm, als wäre nichts gewesen. Doch auf der Fahrt zeigen sich die Spuren des vergangenen Unwetters: Äste und Müll auf den Straßen, riesige Wasseransammlungen, die das eh schon bescheidene Entwässerumgssystem der italienischem Straßen nicht bewältigt bekommen hat. Übergelaufene Kläranlagen machen sich durch ihren üblen Geruch bemerkbar und alles gipfelt in einem auslaufenden See, der unsere Straße flutet. Ein entgegenkommender Autofahrer warnt uns vor der beachtlichen Tiefe der Überschwemmung. Gut, dass wir unsere Latschen dabei haben!
Nachdem dieses Hindernis bewältigt ist, fahren wir eine wunderschöne Küstenstraße entlang, bis nach Neapel, wo wir super leckere Pizza essen und in einem Park unser Gepäck für die anstehende Fährfahrt nach Sardinien umsortieren.
Es ist dann unerwartet schwer den richtigen Pier zu finden, weil nirgends der Name unserer Fährgesellschaft steht. Also fragen wir uns durch, finden die richtige Stelle und das Boarding ist dann völlig unkompliziert. Um 19 Uhr startet die Fähre und es heißt ciao italienisches Festland. In 15 Stunden werden wir in Cagliari ankommen.

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22.11.2022 – Castel Volturno

Sturmkanon:

🎶 HeTi, spannt die Waden an!
Seht der Wind treibt Regen übers Land.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, treibt das Tandem an!
Seht der Sturm schiebt Wellen übern Strand.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, fasst die Lenker stramm!
Seht die Böen drücken Richtung Rand.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, haltet niemals an!
Seht der Sturm wirft Äste übers Land.
Schnell die Beine kurbeln,
Schnell die Beine kurbeln…

HeTi, kommt sicher wieder an… 🎶

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21.11.2022 – Formia

Nach einem für Italiener sehr untypischen, für uns aber perfekten Frühstück, bestehend aus Haferflocken, Banane, Granatapfel und selbstgemachtem Jogurt, sowie Brot mit Feigenmarmelade, entschließt sich unser Gastgeber spontan, uns auf der heutigen Etappe zu begleiten. Für uns eine super Sache, denn er leitet uns auf verkehrsarme, trotzdem wegsame Straßen, die wir sonst wohl nicht gefunden hätten, vorbei an klaren Seen und entlang idyllischer Bachläufe. Er zeigt uns atemberaubende Kletterspots, weil er von unserem Hobby weiß und hat eine Menge Wissen und Geschichten zu verschiedensten Details parat, die wir sonst kaum bemerkt hätten. Trotz eines ordentlichen Tempos, erleben wir die Umgebung durch ihn intensiver. Zum zweiten Frühstück führt er uns in ein hochgelegenes Städtchen namens Terracina. Normalerweise scheuen wir Umwege, die so viele Höhenmeter bedeuten, aber der fantastische Blick auf das weite Meer, ist es an diesem sonnigen Tag wert. Kaum zu glauben, dass auf diesen warmen, fast windstillen Tag ohne jegliche Wolken, morgen ein heftiger Sturm inklusive Gewitter folgen soll. In der Altstadt sehen wir ein freigelegtes Amphitheater, in dem auch Momos Geschichte hätte spielen können.
Zurück auf der Küstenstraße kommen wir durch zwei Tunnel, in denen die Lichter nicht funktionieren. Finsternis umfängt uns und nur durch unsere Fahrradlichter und zwei/drei vorbeiziehende Autos, erkennen wir überhaupt etwas. Zum Mittag machen wir eine Pause in einem Bistro am Straßenrand, in dem wir als Touristen allein wohl eher nicht eingekehrt wären. Wir bestellen Tomatensalat mit Büffelmorzarella und frischen Oliven aus der Region und einen Auberginenauflauf und schweben geschmacklich auf Wolke sieben. Diese Aromen würden wir zu gerne festhalten und für die Zukunft konservieren. Als wir mit dem Baguette das letzte Öl aufdippen, erklärt uns Bernardo, dass es dafür ein italienisches Wort gibt: scarpitta! Grüße gehen raus an die Familie Metz 😉
Unsere Wege trennen sich in Formia, wenige Kilometer vor unserer heutigen Unterkunft. Und dort geht unser bisher schönster Tag in Italien zu Ende.

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20.11.2022 – Priverno

Was für ein Tag voll unfassbarer Lichtstimmungen und Farben!
Erst geht es auf der Schnellstraße raus aus Rom, der Himmel noch verhangen. Ein Auto überholt uns, aus dem es uns entgegen Jubelt. Ein kleiner Junge auf dem Beifahrersitz macht ein Foto. Dann werden die Straßen langsam leerer und die Sonne bricht hervor und setzt Lichtpunkte in die Landschaft. Der Himmel wirkt immer noch düster und schroff, wie das Gebirge, dem wir nun näher kommen. Doch der Wind vertreibt die Wolken nach und nach, sodass die Sonne nun richtig zu wärmen beginnt.
Der Herbst scheint in Italien jetzt erst einzusetzen. Vereinzelt bekommen die Bäume ihre ersten bunten Sprenkel. Im Prinzip war die Überquerung der Alpen, wie eine kleine Zeitreise durch die wir nochmal in den Spätsommer versetzt wurden und jetzt einen zweiten Herbstbeginn erleben. Am Straßenrand sehen wir Bauern bei der Olivenernte. Ganz schön rabiat geht es dabei zu mit den Elektrovibratoren. Auch für die Kiwiernte stehen schon die Kisten bereit.
Es läuft richtig gut auf dem Tandem – fast zu gut…
10 Kilometer vor Ende kommen wir vor einer Barrikade zum stehen, die unsere Straße versperrt. Da es keine sinnvolle Alternativroute zu geben scheint, müssen wir das Tandem überheben. Also Gepäck ab, Tandem rüber, Gepäck wieder dran und weiter gehts.
In unserem Rücken geht sie Sonne strahlend unter, hüllt alles vor uns in Pastelltöne und lässt die Berge plötzlich ganz sanft wirken. Am Horizont vereinigen sich zwei Vogelschwärme zu einer Windhosenartigen Formation. Wunderschön!
Schließlich erreichten wir das Haus von Bernardo, der uns für diese Nacht aufnehmen wird. Er ist der erste Italiener, der auf eine unserer Warmshowers-Anfragen reagiert hat. Wir können unser Zelt in einem seiner Räume aufbauen, die er aktuell saniert. Also richten wir uns gemütlich ein, duschen und setzen uns dann zu ihm vor den Kamin. Zum Abendbrot kocht er uns Couscous mit Gemüse und Frittata. Auch in Italien gibt es also unfassbar herzliche Gastfreundschaft und wir sind froh diese noch zu erleben.

on tour Stadt

17.11.2022 – Rom

Alle Wege führen nach Rom – so auch der unsere!
Es ist ein sonniger, warmer Tag. Bei der Einfahrt in Roms Speckgürtel, müssen wir vermeintlich über vier der sieben Hügel auf denen Rom erbaut wurde. Ein wirklich spannendes Höhenprofil! Im Nachhinein finden wir zu unserer Enttäuschung allerdings heraus, dass es doch nicht jene besagten 7 Hügel waren, da diese innerhalb der Mauern, also im absoluten Zentrum liegen. Dann sehen wir das erste Wahrzeichen Roms! Eine Pyramide!… Moment? Wo sind wir denn hier gelandet?
Auf unserem Weg in die Metropole kommen wir an einigen Prostituierten am Straßenrand vorbei. Dieser Kontrast, zwischen uns, die aktuell ganz frei sind, und Ihnen, die diesen Job sicherlich nicht alle aus freien Stücken gewählt haben, verschafft uns ein unbehagliches Gefühl.
Unsere Unterkunft befindet sich im Keller eines italienischen Palazzo. Um das Tandem mit nach unten nehmen zu können, müssen wir zum ersten mal von der Zerlegbarkeit gebrauch machen, was unerwartet schnell und unkompliziert ist.

Meer on tour

15.11.2022 – Ladispoli

Laut Wetterprognose soll es heute ab 13 Uhr anfangen zu regnen und zwar ganze 25 mm! Das wollen wir lieber von drinnen beobachten, daher fahren wir die 50 Kilometer zur Unterkunft recht zügig – ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir kommen nur leicht betröpfelt an und freuen uns auf eineinhalb Tage nichts tun in einem gemütlichen B&B. Morgen soll es nämlich auch den ganzen Tag regnen und gewittern.
Was uns nach über einem halben Monat in Italien auffällt, ist, dass fast alles abgezäunt ist und sehr viele Schilder auf Privateigentum und Kameraüberwachung hinweisen. Zusätzlich lauert auf dem Land hinter jedem Tor mindestens ein aggressiver Hund… Zweimal ist ein Tor ungünstigerweise einen Spalt offen und wir werden bedrohlich bellend verfolgt. So richtig willkommen fühlen wir uns irgendwie nicht. Nur am Meer und hoch in den Bergen sind wir wirklich frei.

on tour

14.11.2022 – Tarquinia

Nach einer regenreichen Gewitternacht erwachen wir vom Vibrieren des Weckers. Es tröpfelt noch leicht, doch wir müssen das Zelt abbauen, bevor uns jemand bemerkt. Nass packen wir alles zusammen und starten die heutige Etappe. Nach etwa einer halben Stunde endet der Regen und die Wolken reißen auf. Wir haben nur gut 35 km vor uns, sodass wir, während einer sehr langen Pause auf einem Feld, all unsere Sachen in der Sonne getrocknet bekommen. Es ist das erste Mal seit Brandenburg, dass wir uns intensiver mit Regen und nassen Sachen beschäftigen müssen. Und die nächsten Tage sollen wechselhaft bleiben. Das setzt Allem, worum man sich den Tag über eh kümmern muss, noch mal eins drauf.
Apropos kümmern: In den letzten Tagen haben wir deutlich zu wenig getrunken. Es gibt hier in Italien zwar in vielen Parks und teilweise auch an den Straßen Wasserhähne, aber es schmeckt ganz anders als wir es gewohnt sind. An manchen Tagen kostet jeder Schluck Überwindung. Aber in unserer heutigen Unterkunft haben wir endlich mal wieder richtig leckeres Wasser!

Freinacht on tour

13.11.2022 – Castello dell’Abbadia

Unser Weg beginnt auf der Via Aurelia, einer Küstenfernstraße aus dem 2. Jhd. v. Chr., die Rom und Pisa verbindet. Heutzutage ist sie in beide Richtungen zweispurig ausgebaut und wir fühlen uns wie auf einer Autobahn. An die Geschwindigkeitsbegrenzung von 90 km/h halten sich hier gefühlt die wenigsten. Schnell und knapp überholen die Autos, bis wir, im Nackenbereich schon völlig verspannt, abfahren. Auf der Karte haben wir einen Radweg gesehen, der Zuflucht verspricht. Warum unser Navi (Komoot) uns da nicht direkt hingelenkt hat, erfahren wir wenige Kilometer später, als wir im Slalom um große Pfützen kurven und schließlich vor einem riesigen Matschsee zum stehen kommen. Also geht es fast den ganzen Weg wieder zurück und stattdessen als Umfahrung der Umfahrung auf einen Umweg durch ein Dorf…, dass allerdings auf einem Berg gelegen ist. Nach einem anstrengenden Anstieg und einer saftigen Abfahrt, kommen wir wieder auf unsere ursprüngliche Route. Gerade einmal 1,5 km Fernstraße haben wir uns durch diese Aktion “gespart“.
Nach dieser Erkenntnis hilft nur noch eine Pause am Meer. Wir sehen ein paar Kletterer (zweibeinig und vierbeinig) an den nahen Steilwänden und erforschen eine Höhle, die 30 Meter in den Berg hinein führt und von Tauben bewohnt ist. Von den Wänden hallt das Gurren und Flügelschlagen wieder und stellenweise ist der Boden ganz weiß vor Federn und… naja was Tauben eben sonst noch verlieren.
Nach der Rast entspannt sich die Radwegsituation deutlich, um dann allerdings ihren kritischen Höhepunkt zu erreichen in einem tief zerfurchten, gerölligen Weg, fernab der Zivilisation. Einige Passagen schieben wir aus sicherheitsgründen, spätestens aber bei den zwei Flussdurchquerungen, hätten wir eh absteigen müssen. Diesmal gibt es keine Chance auszuweichen, weil rundherum keine anderen Straßen sind.
Wir überlegen die Abgeschiedenheit direkt zu nutzen, um uns einen Schlafplatz für die Nacht zu suchen. Doch es zieht uns noch etwas weiter, zu einem auf der Karte verzeichneten See. Es dämmert bereits als wir die erste richtige Straße seit langem erreichen, die uns zu ihm führen soll. Zu unserem entsetzen müssen wir feststellen, dass er zu einem selbst jetzt noch gut besuchten Park gehört. Die angestaute Angespannung entweicht in Tränen, doch Tino findet einen Wohnmobilstellplatz nicht weit entfernt. Zelte sind dort normalerweise nicht erlaubt, aber wir handhaben es wie sonst: im dunklen auf- und wieder abbauen und nicht gesehen werden. Wir kommen an und kochen noch schnell ein paar Nudeln, um die Speicher wieder auf zu füllen. Um uns herum verströmt wilder Fenchel seinen süßlichen Geruch und als wir uns gerade ins Zelt zurückziehen, zucken am Horizont erste Blitze.