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02.03.2023 – Ovar

Heute haben wir wieder eine kleine Fährfahrt vor uns. An solchen Tagen sind wir immer leicht gehetzt, denn die Taktung ist recht grob und mehrere Stunden am windigen Hafen zu warten, ist nicht so gemütlich. Als wir ankommen sticht gerade ein Viermaster in See – die Santa Maria Manuela. Wir finden heraus, dass es sich um ein Segelschiff der Frota Branca von Portugal aus dem Jahr 1937 handelt, die ursprünglich Kabeljaufischerei vor Grönland betrieb. Einige Leute sind mit Autos angereist, um das Event zu beobachten.
Am Ticketautomaten stehen wir vor einem Problem. Dieser nimmt nur portugiesische EC-Karten, kein Bargeld und das Ticket muss laut Hinweisschild vor Antritt der Fahrt gekauft sein. Wir sprechen einen der Wartenden an. Er versteht kein Englisch, aber dennoch unser Problem und erklärt uns gestisch, dass es einen Schalter im Stadtzentrum gibt. Es bis dahin und zurück rechtzeitig zu schaffen wäre utopisch. Wir fragen einen der Zuschauer am Hafen, ob er uns mit seiner Karte das Ticket gegen Bargeld kaufen kann und er ist gerne bereit zu helfen, schenkt uns am Ende sogar die Fährfahrt. Danach teilt er uns mit, dass es mittlerweile auch möglich ist das Ticket an Bord zu erwerben und verabschiedet sich winkend. Etwas überrumpelt winken wir zurück, ganz perplex ob der offenen Freundlichkeit ohne jegliche Skepsis.

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01.03.2023 – Praia de Mira

Am Morgen haben wir Frost an unserem Zelt, entsprechend kalt sind die ersten Kilometer. Doch dann beginnt die Sonne uns kräftig einzuheizen. Nach unserem Ausflug ins Inland, nähren wir uns heute wieder dem Meer. Schnurgerade fahren wir durch wüstenartige Dünen. Die Pause im weichen warmen Sand soll am liebsten nie enden. Aber irgendwann wollen wir ja doch am Campingplatz ankommen. Der Wind ist in der Zwischenzeit stärker geworden und wir müssen ganz schön gegen ihn ankämpfen, um vorwärts zu kommen. Immerhin ist die Straße unter uns ganz neu gemacht – glatter Asphalt ohne Schlaglöcher. Um so erstaunter sind wir, als es plötzlich nicht weiter geht. Eine Brücke war wohl nicht Teil der Fahrbahnsanierung und so klafft ein Abgrund vor uns. Der Ast, der die beiden Seiten verbindet, dient höchstens Ameisen zum Überqueren des Flusses. Für uns keine Chance. Da hilft nur umkehren und einen anderen Weg durch die Dünen nehmen.
Obwohl wir das Meer heute nur aus der Ferne gesehen haben, geleitet es uns Abends auf dem Zeltplatz mit laut tosendem Wellenrauschen in den erholsamen Schlaf.

Freinacht on tour

28.02.2023 – Abrunheira

Es ist kaum vorstellbar für jemanden der es nicht miterlebt, wie irre die Hunde auf irgendwas an uns oder dem Tandem reagieren. Richtige Bellchöre brechen aus, sobald wir uns nähren. Und dann stacheln sie sich gegenseitig hoch, stecken auch noch Gänse und Hähne an und schon ist das ganze Dorf in Aufruhr. Total crazy…
Aber das kennen wir ja jetzt schon seit einigen Monaten und seit wir nicht mehr in Italien sind und recht sicher sein können, dass die Hunde angeleint sind, finden wir teilweise unseren Spaß daran.
Immer öfter gibt es jetzt Straßen, die wenig befahren und dennoch gut erhalten sind. So macht das radeln wieder richtig Freude. Dazu kommen leichte Berge, die die Landschaft interessanter machen. Klar sind die Höhenmeter immer anstrengend, aber jedes Mal aufs Neue sind wir verzaubert vom verdienten Ausblick. Auf einer Art Höhenzug fahren wir einige Kilometer. Linkerhand können wir von hier am Horizont schon das Meer sehen! Rechts fällt der Blick in ein grünes Tal.
Zum Schlafen suchen wir uns wie gestern einen “Parque de Merendas“. Um dort hin zu gelangen müssen wir einen Kopfsteinpflasterweg SEHR steil hinab rollen – hier kommt sicher nicht so oft jemand her… Aber es ist ein absoluter Wohlfühlort. Während die Sonne orange leuchtend untergeht, kochen wir einen leckeren Eintopf.

Freinacht on tour

27.02.2023 – Casal dos Bernardos

Deutlich später als unsere Zimmernachbarin, eine Pilgerin aus Tschechien, brechen wir auf. Wir erfahren, dass der frühe Start bei Pilgern durchaus üblich ist und von manchen Herbegen sogar gefordert wird. Sobald wir ab Santiago de Compostela dem Jakobsweg rückwärts folgen, werden wir uns diesem Rhytmus wohl anpassen müssen.
Gestern Abend haben wir etwas recherchiert und entdeckt, dass es ab hier in Nordportugal auch ausgewiesene Picknickplätze gibt. In Spanien haben wir sie als “Area Recreativa“ kennengelernt, große Areale mit Bänken und Grillhäusern, in Portugal heißen sie “Parque de Merendas“. Einen solchen steuern wir heute zum Wildzelten an.
Entspannt erreichen wir den anvisierten Spot. Die Fahrt war durch einige gemütliche Pausen, unauffälligen Verkehr und die wärmende Sonne so entspannt wie lange nicht! Der Schlafplatz ist überwältigend: verteilt zwischen den Weiden finden sich Bänke, eine Quelle spendet frisches Wasser zum Waschen und Kochen und der Ort ist so abgeschieden, dass wir vor Sonnenuntergang bereits das Zelt aufbauen und eingekuschelt in den Schlafsack einen Film schauen.

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26.02.2023 – Golegã

Dieser Morgennebel, den wir schon von gestern kennen, zaubert eine faszinierende Atmosphäre in den Pinienwald, durch den wir fahren. Als die Sonne endlich durchkommt und die Klammheit aus unseren Klamotten verschwindet, können wir die Tour richtig genießen! Auch bei den Störchen hier machen sich Frühlingsgefühle breit. Es klappert aus den zahlreichen Nestern von Strommasten, Palmenstümpfen und Bäumen. Teilweise erinnert es an Mehrfamilienhäuser, wenn ein Baum oder Mast gleich mehreren Storchenpaaren als Herberge dient.
Ein Ort, dessen Namen wir leider nicht rekonstruiert bekommen, hat es uns besonders angetan. Wir kommen an Wandmalereien in verschiedenen Stilen vorbei, die uns an die Murales auf Sardinien erinnern. Manche Häuserfassaden sind mit Kacheln bedeckt, wie es in Portugal häufiger zu sehen ist, aber die Farben und Rafinesse der Muster sind hier besonders auffällig.
Ein weiterer Aspekt, der uns etwas Ruhe zurückgibt, sind die mehr werdenden Rastplätze, so wie wir es aus Spanien kennen. An einem besonders ruhigen Plätzchen im grünen machen wir eine ausgiebige Pause mit Brot, Hummus und Oliven. Von letzteren wir sind total die Fans geworden und essen sie aktuell fast täglich.
Am Abend kommen wir in unserer ersten Pilgerherberge unter. Wir sind auf dem “Caminho português de Santiago“. Alles ist sehr wohlich eingerichtet und es gibt sogar eine Küche zur Selbstverpflegung. Vor ein paar Tagen haben wir aus einer Biobäckerei Weißbrot gerettet und für die Nutzung fallen uns zwei Rezepte ein: Irenes Panzanellasalat und Omas Rostige Ritter.

PS Und auch wenn es die Minderheit ist, muss fairerweise erwähnt werden, dass es hier durchaus Autofahrer gibt, die sehr vorbildlich überholen.

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25.02.2023 – Marinhais

Als wir den Reißverschluss des Zeltes öffnen, finden wir uns komplett in Nebel gehüllt wieder. Ganz weiß ist es soweit der Blick reicht. Wir trinken Tee um warm zu werden und essen Frühstück. Dann brechen wir auf. Die ersten 10 Kilometer hält sich der dichte Nebel, aber das ist für Autofahrer in Portugal kein Grund das Licht an zu machen. Es ist schließlich nicht mehr dunkel.
Wir machen eine Kaffeepause mit Pasteis de Nata im Intermarchè, gehen einkaufen und laden (natürlich unter ständiger Aufsicht) unsere gebliebene Powerbank. Durch die Glasscheibe können wir beobachten wie der Nebel langsam weicht und der Sonne Platz macht. Das nutzen wir, um die letzten 20 km in Angriff zu nehmen. Just nachdem wir uns gefragt haben, ob die Autofahrer sich hier und heute etwas aufmerksamer verhalten oder wir bereits abgehärtet sind, ertönt direkt neben uns ein Reifenquitschen und Scheppern. Kaum einen Meter von uns entfern ist ein Auto in den vor ihm, zum abbiegen langsamer gewordenen Wagen gefahren. Zu unserem Glück hat keiner der beiden das Lenkrad verzogen…
Wir werden langsam zynisch: zwei Autos weniger, die uns heute zu knapp überholen können.

Freinacht on tour

24.02.2023 – Vila Franca

Kaum lässt man das Zelt mal für zwei Nächte stehen, macht es sich ein Haufen Spinnen zwischen Innen- und Außenwand bequem. Beim Abbau ist es gar nicht so leicht, die alle einzeln wieder lebend raus zu manövrieren. Hoffentlich wird beim Einrollen niemand zerquetscht.
Wir haben nach einer kurzen recherche doch noch einen Zeltplatz gefunden, müssen dafür jedoch die Tour durch die industriellen Vororte Lissabons legen. Den Vormittag über sind wir Grenzgänger zwischen Regen- und Sonnenfront, zwischen Bordstein und rauschendem Verkehr. Immer knapp auf der hellen und sicheren Seite. Leider ziehen die Wolken irgendwann doch noch über uns und lassen einen Hagel- und Regenschauer auf uns herab. Ab da fahren wir in Dauerniesel.
Als wir den Campingplatz erreichen, gibt uns die Frau an der Rezeption erst auf portugiesisch, dann etwas verständlicher auf französisch zu verstehen, dass der Platz aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen ist. Wir sind der Verzweiflung nahe. Wohin nun, so durchnässt und durchgefroren? Die Unterkünfte viel zu teuer, der nächste Zeltplatz 30 km entfernt…
Wir atmen tief durch, fahren etwas weiter und stellen unser Zelt schließlich unter einer Brücke hinter einem Pfeiler am Wasser auf. Hier werden wir bestimmt von niemandem gesehen – vor allem nicht von den zwei, sich reichlich seltsam verhaltenden, weißen Trucks…
Über uns donnern die Autos hinweg. Dennoch fühlen wir uns hier sicher und es wird wider erwarten ein gemütlicher Abend in unserem Palast.

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22.02.2023 – Lissabon

Um dem wilden Verkehr zu entgehen, wollen wir es heute noch mal mit Radwegen abseits der Raser in der Natur versuchen. Paulo empfahl uns einen “wunderschönen“ Pinienwald zu durchqueren. Leider übertrifft sich Portugal selbst mit der Qualität seiner Radwege. Wir schlängeln uns auf sandigen Wegen durch das Gebiet, bis es nicht mehr weiter geht, weil unser Hinterrad unter uns durchdreht. Ab da haben wir noch 3 Kilometer zu schieben, in Wellen hoch und runter durch knöcheltiefen Sand. Völlig abgekämpft erreichen wir die Fähre nach Lissabon. Dort erklimmen wir zu guter Letzt noch einen der sieben Hügel und kommen für zwei Nächte auf einem Campingplatz unter.

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21.02.2023 – Fetais

Mit einigen Tipps von unserem Gastgeber Paulo ausgestattet, radeln wir los Richtung Naturpark Arràbida. Wir werden dadurch wohl einen Tag weniger in Lissabon haben (denn die Weiterfahrt nach Porto lässt sich wegen unserer Verabredung dort nicht verschieben), doch die Dinosaurierfußabdrücke von denen er uns erzählt hat, wollen wir uns nicht entgehen lassen. Die Spuren hat ein Dino vor 155 Millionen Jahren im Matsch hinterlassen!
Leider fällt es uns als Radreisende, so schön die Landschaft auch ist, schwer das Land unbefangen und offen kennen und lieben zu lernen. Jeden Tag erschrecken wir aufs neue wie schnell, rücksichtslos und fahrlässig die Autofahrer hier sind. Unseren ersten Beihnahecrash hatten wir schon. Diese ständige Angst angefahren zu werden, kennen wir bisher nur aus Italien. So viele Augen wie man braucht, um hier sicher zu radeln, bekommen wir nicht mal zu zweit zusammen. Stellenweise entwickelt sich ein richtiger Galgenhumor bei uns – nichts für Elternohren 😉

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20.02.2023 – Setubal

Uns uneinig, ob wir den relativ weit entfernten Campingplatz anstreben, oder etwas früher wildzelten, ist es schließlich das Schicksal, welches uns von dem Konflikt befreit. Ein Warmshowers-Host, den wir vor ein paar Tagen angeschrieben und von dem wir schon keine Antwort mehr erwartet haben, meldet sich und lädt uns zu sich ein. Damit wäre das geklärt und schon fährt es sich, auf das selbe Ziel hinstrebend, viel besser!
Nach der Fährüberfahrt und unsererseits pünktlichster Ankunft am vereinbarten Treffpunkt, dem casa da baìa, werden wir zunächst von unserem Host versetzt, da sich seine “Pläne geändert haben“ (wie sich später herausstellt war ein Hexenschuss der Grund). Wir sollen nun doch direkt zu seiner Wohnung kommen. Gelegenheit für uns noch einen kleinen Stadtbummel zu machen. Überall wird hier choco frito angeboten – wohl eine Spezialität der Stadt. Leider ist es keine fritierte Schokolade, sondern Tintenfisch.