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07.01.2023 – Requena

Wir haben im Wald nahe einer eisenhaltigen Quelle geschlafen. Unter Bäumen hält sich die Wärme des Vortages besser, als auf dem freien Feld und so ist es am Morgen nicht ganz so schwer das Zelt zu verlassen. Gerade als wir aufbrechen, kommt der erste Spanier, um seine Kanister mit Wasser zu füllen. Die Quelle war gestern Abend schon sehr beliebt. So einen Ansturm auf Frischwasser kannten wir bisher nur von Sardinien.
Als wir wenig später im nächsten Ort ENDLICH im Supermarkt stehen, ist die Gier nach allen möglichen Lebensmitteln groß, aber die Vernunft letztlich doch noch etwas größer. Mit genug Essen für zwei Tage, aber dennoch ohne komplett überfüllte Taschen geht es weiter und während der Wind in der Hochebene uns auch bergab noch kräftig in die Pedalen treten lässt, denken wir nur an die heiße Badewanne am Abend. Die Unterkunft haben wir uns spontan gesucht, weil es morgen regnen soll und wir bei den aktuellen Temperaturen, die kaum in den zweistelligen Bereich gehen, lieber auf Nässe verzichten wollen.

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06.01.2023 – Talayuelas

Heute ist Weihnachtsbescherung in Spanien – der Tag der heiligen drei Könige! Gestern Abend zogen sie singend durchs nahe Dorf und die Weihnachtslieder hallten bis zu uns herüber. Gefeiert wurden sie mit einem bunten Feuerwerk und heute werden die Kinder ihre Geschenke finden.
Wir starten den Tag wie immer mit Tee, Kaffee und Müsli und versuchen dann mit einem Handtuch und rotgefrohrenen Fingern das Eis vom Zelt zu rubbeln. Aber erst mit Hilfe der Sonne bekommen wir das Zelt soweit trocken, um es guten Gewissens einpacken zu können. Dann geht es bei bester Laune los, entlang orange leuchtender Felsen bis wir an einer Kreuzung zum stehen kommen. Wir können den Weg, den das Navi (Komoot) vorschlägt einfach nicht finden, bis wir begreifen, dass es sich um die Schnellstraße handelt, die in 25 Meter Höhe über uns verläuft. Was für ein heftiger Kartenfehler! Und heute kostet er uns nicht nur ein paar Kilometer, sondern auch ein herzhaftes Abendessen, denn den angestrebten, einzig offenen Supermarkt, werden wir nicht mehr rechtzeitig erreichen. Aber wir sind gelassener geworden. Die Haferflocken werden schon irgendwie reichen für den Abend. Wir planen um und während wir noch überlegen, ob das die beste Alternativroute ist, befinden wir uns plötzlich auf den Spuren der heiligen drei Könige! In Mauernischen und unter Felsvorsprüngen finden wir Krippen in unterschiedlicher Größe und Detailverliebtheit. Die Suche ist aufregend, quasi Weihnachten und Ostern zugleich 😉 Mittlerweile ist es deutlich wärmer und wir fahren an einem rauschenden Bach entlang, durch einen sonnendurchfluteten Wald, zwischen hoch emporragenden Felswänden hindurch und dann wieder auf engen Serpentinen bergauf. In den Bergen wird uns wirklich nie langweilig!

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05.01.2023 – Torrebaja

Entgegen der gestrigen Erwartungen, schlafen wir recht gut und warm. Wie kalt es Nachts tatsächlich außerhalb unseres gemütlichen Nestes war, erfahren wir, als wir am morgen unsere Flaschen öffnen und das Wasser darin, durch die Erschütterung, augenblicklich kristallisiert. Unser Waschritual setzen wir trotz naher Wasserquelle aus. Nach dem Zeltabbau sind unsere Hände eiskalt. Auch während der Tour müssen wir immer wieder anhalten, um die Finger unter der Jacke am Körper zu wärmen. Bei der ersten Pause ist es diesmal Tinos Kreislauf der zusammensackt und nur durch hinsetzen und einen Energieriegel wieder in Schwung kommt.
Gegen 11 Uhr sind wir weit genug oben, dass die Sonne uns erreichen und wärme spenden kann. Obwohl Wärme hier in Relation zu sehen ist. In diesem Fall heißt es, dass wir die Handschuhe ausziehen können, Windjacke und -hose bleiben an, in weiser Voraussicht auf die Abfahrt, denn schon ist der Pass auf über 1400 m Höhe überquert und es geht bergab!
Leider finden wir auf dem gesamten Weg keinen geöffneten Supermarkt, dafür einen superschönen Schlafplatz an einem Bach. Bezüglich des Abendessens werden wir sehr kreativ werden müssen, denn die Vorräte sind quasi aufgebraucht. Hoffentlich hat morgen irgendein Laden offen, trotz Feiertag…

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04.01.2023 – Bezas

Wir erwachen mit heftigem Muskelkater. Der Tag gestern hatte es in sich.
Das Packen fühlt sich an, wie ein Neuanfang. Alle Klamotten sind mal wieder frisch gewaschen, die kaputte Isomatte ist ersetzt und einiges nicht genutztes Equipment wie Wasserfilter und -säcke, sowie Solarpanel und etwas Werkzeug schicken wir mit Roman und Lotta zurück nach Berlin, sodass unser Gepäck insgesamt leichter wird. Perfekt für die weiteren bevorstehenden Bergetappen!
Der Abschied fällt gar nicht so leicht, aber gegen Mittag trennen sich unsere Wege schließlich. Der Himmel ist wolkenlos und die Luft ganz klar. An einigen Stellen, wo die Berge dicht stehen und die Sonne nie hinkommt, sehen wir glitzernden Frost am Boden. Unfassbar, dass wir vor einer Woche noch in kurzarm und -bein unterwegs waren. Doch die kühlere Temperatur ist der Preis für die fantastischen, wilden Berglandschaften, absolute Ruhe in der Natur, und leere Straßen ganz für uns allein. Und den sind wir, zumindest temporär, gerne zu zahlen bereit.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz finden wir das “centro de Interpretaciòn“ und interpretieren den Parkplatz davor als unseren heutigen Zeltplatz. Als die letzten Sonnenstrahlen verschwinden, wird es schlagartig kalt und die halbe Stunde bis es dunkel wird, stehen wir nur eng umschlungen da. Dann können wir endlich aufbauen und uns in den Schlafsack verkriechen. Mal sehen wie wir durch die Nacht kommen…

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31.12.2022 – Teruel

Als wir erwachen, steigt die Sonne just am Horizont empor. Nach unserem morgendlichen Ritual des Zelt abbauens und sich frischmachens, setzten wir uns mit einem Tee und Kaffee in die mittlerweile angenehm wärmende Sonne.
Weiter geht es auf der ehemaligen Bahntrasse bergauf, bis wir auf 1220 m Höhe schließlich unseren bisher zweithöchsten Pass (nach den Alpen) überqueren. Die Landschaft ist hier deutlich karger und wir kommen an rot-orangenen Felsen vorbei, vor denen Tinos sonst so auffällige Regenjacke, wie eine Tarnjacke wirkt. Am Wegesrand finden wir einen Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg.
Sanft rollend erreichen wir Teruel und checken in unsere Silvesterunterkunft ein. Erst sind wir unsicher ob und wo wir Tandi in den engen Gassen der Altstadt anschließen sollen, doch als wir einfach an der Rezeption fragen, findet sich in spanischer Gelassenheit schnell eine Lösung. So steht es nun für die nächsten zwei Tage im Ankleideraum des Personals.
Gegen 20 Uhr kommen Roman und Lotta und endlich können wir sie in die Arme schließen. Wie schön mal wieder vertraute Gesichter und Stimmen um uns zu haben! Der Abend verfliegt, während wir uns in einem nahen Restaurant durchfuttern und auf den neuesten Stand bringen. Kurz vor Mitternacht machen wir uns zu viert auf den Weg zurück in unser Zimmer, für eine spanische Tradition…

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30.12.2022 – Sarriòn

Hier in den Bergen durchlaufen unsere Körper eine Art Abhärtungsprogramm z.B. durch deutlich kühlere Nächte (bis auf 4/5°C). Und am Morgen heißt es dann erst mal Waschen mit eiskaltem Brunnenwasser… Eine kleine Runde Sport dient dem Aufwärmen und dann wird gefrühstückt.
Zum Glück fühlen wir uns beide gut erholt und fit und so brechen wir gegen 10 Uhr von unserem liebgewonnen Schlafplatz auf. Es geht weiter auf dem alten Bahndamm. Was für ein Luxus mitten im Gebirge zu sein, aber nur moderate Anstiege zu haben, weil für den ehemaligen Zug, Schneisen und Tunnel in die Berge gehauen wurden, die einem das Gröbste ersparen. In einem besonders langen sind allerdings mittendrin mehrere Lampen in Folge ausgefallen und so finden wir uns plötzlich in absoluter Finsternis wieder und fahren in wortwörtlich blindem Vertrauen, bis es wieder hell wird. Auf der anderen Seite erwartet uns jedes Mal eine andere Überraschung. Entweder die Landschaften ändern sich drastisch oder die Farbe der Felsen. Durch verschiedene Erze reicht das Spektrum von weiß/grau über gelb, dunkles orange und violett bis grün/blau. Ein spektakuläres Farbenspiel.
Abends finden wir eine Kapelle inmitten von Olivenbäumen unter denen steinerne Tische mit Bänken stehen und zwei offene Gebäude mit langen Tafeln. Bestimmt ein beliebter Platz für Feste im Sommer und heute für uns zum Schlafen.

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29.12.2022 – Barracas

Seit gestern Mittag fahren wir durchweg auf der “via verde de ojos negros“ einem ehemaligen Bahndamm, der zu einem Radweg umfunktioniert wurde. Es wechseln sich tolle Passagen mit weitem Blick über die Landschaft (teils über Viadukte) mit Abschnitten, in denen wir durch Schluchten oder lange Tunnel fahren. Dafür müssen wir nicht mal die Fahrradlampen rausholen, denn die Tunnel sind ausgestattet mit Bewegungsmeldern, oder Schaltern, um sich Licht an zu machen. Am Wegesrand finden sich einige einladende Rastplätze. Ein Radler-Traum!
Mitten in der Hochstimmung werden plötzlich Helenas Beine ganz zittrig, und es scheint, als würde der eingeatmete Sauerstoff nicht ausreichend im Körper ankommen. Nach ein paar Nüssen und Datteln wird es besser, doch ganz kommt die Leistungsfähigkeit nicht zurück und dann wandeln sich die vorher unregelmäßigen Böen auch noch in einen grausamen Gegenwind, der an den Jacken reißt und in den Ohren rauscht. Die letzten 20 Kilometer schaffen wir nur mit einem Podcast zur Ablenkung.
Als wir in der Dämmerung gegen 18 Uhr und einem Schnitt von 11,8 km/h unsere Tour beenden, waren es nicht nur gefühlt die längsten 42 Kilometer unserer Radgeschichte. Der anvisierte und erreichte alte Bahnhof, der unser Schlafplatz werden soll, stellt sich als perfekt geeignet heraus, weil er uns vor dem Wind und möglichen Blicken schützt. Als wir uns schließlich ins Zelt legen, fällt mit einem tiefen Seufzer die ganze Anspannung von uns ab.

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28.12.2022 – Navajas

Wir werden von vier Hähnen geweckt, die um die Wette krähen, wer wohl am besten sänge. Dann gibt es erst mal Frühstück und als wir uns etwas später von Silvia, Joseph und Iara verabschieden, schenken sie uns noch frische, hartgekochte Eier vom Hof und Orangen.
Heute haben wir 800 Höhenmeter vor uns, die sich glücklicherweise als relativ sanft ansteigend erweisen. Bei einer Pause finden wir eine Quelle, aus der wir uns endlich mal wieder ungechlortes frisches Bergwasser abfüllen können. Und wir sind nicht die einzigen! Am laufenden Band halten hier Rennradler, um ihre Flaschen zu füllen. Zum Essen müssen wir in den Schatten flüchten, weil die Sonne zu stark auf uns niederbrennt.
Nach und nach weichen die Palmen herbstlichen Laub- und Nadelbäumen. Neue Gerüche liegen in der Luft, Mengen an Salbei, Rosmarin und Thymian stehen am Wegesrand. Fehlt nur noch Petersilie und ein Wegweiser nach Scarborough Fair. Wir pflücken eine handvoll für ein aromatisches Abendessen.
Als wir schließlich den Pass überquert haben, beginnt eine wundervolle Abfahrt. Kilometerlang können wir einfach rollen, den Fahrtwind und die Landschaft genießen. Einfach magisch die Berge ♥ Und zu zweit kann man all die Emotion teilen, bei der man allein gegebenfalls nicht wüsste wohin damit.

PS: Hier ein kleiner Eindruck von der Abfahrt:

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27.12.2022 – Llìria

Heute brechen wir zu einem einwöchigen Abstecher in die Berge auf. Mal sehen, was uns erwartet und wie wir mit den kühleren Temperaturen klarkommen werden.
Die Überwindung zum Start war gar nicht so leicht. Durch die Pause in Valencia ist der Körper runtergefahren und möchte nur schwer wieder raus aus der Gemütlichkeit. Doch unsere nahende Silversterverabredung lockt uns schließlich doch hinaus in die sonnigen Straßen und als wir auf einem schönen Radweg die Stadt verlassen, kommt das Reisefieber zurück und wir sind glücklich im hier und jetzt auf dem Tandem!
Abends kommen wir wieder einmal über WarmShowers bei einer Familie unter. Wir erleben ein großes ökologischen Bewusstsein. Ganz autark leben sie durch Solarenergie, Regenwasser und eine riesen Portion Bescheidenheit. Es wird ein lustiger Abend, bei dem sie uns ihre liebsten deutschen Lieder vorsingen (“Ich geh mit meiner Laterne“ und “Schnappi, das kleine Krokodil“) und am Ende, um Ihre kleine Tochter müde zu bekommen, munter mit ihr tanzen 🙂