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01.05.2023 – Saint-Brevin-les-Pins

Quasi zu Beginn der Tour fahren wir durch Pornic, ein nettes Städtchen mit Hafen. Eine festliche Atmosphäre empfängt uns – das 1.Mai-Stadtfest ist in vollem Gange. Überall werden kleine Maiglöckchen-Sträuschen als Glücksbringer an die Liebsten verschenkt. Wir sitzen eine Weile an der Promenade und beobachten das Treiben.
Etwas später picknicken wir auf einer Parkbank, die in eine Mauer eingelassen ist und in der eine kleine Eidechse wohnt. Sobald einer von uns aufsteht, um etwas vom Tandem zu holen, steckt sie ihr Köpfchen hinaus. Sie möchte wohl so viele Sonnenstrahlen wie möglich einfangen.
Auf unserem Campingplatz gibt es zum ersten mal eine Parzelle für mehrere Fahrradfahrer gemeinsam. Aber niemand scheint in Plauderlaune zu sein, daher gehen wir an der Küste spazieren, wo uns die Skeletteskulptur einer Riesenschlange im Wasser überrascht.

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30.04.2023 – Les Moutiers-en-Retz

Dummerweise haben wir komplett verpeilt, dass heute Sonntag und morgen Feiertag ist. Aber zu unserem Glück gibt es einen Supermarkt, fast auf dem Weg, der zumindest ein paar Stunden geöffnet hat. Kurz vorher dann unerwartet eine Umleitung, doch der Mann, der für die Einhaltung zuständig ist winkt uns durch. Wir erkennen, dass die Strecke vor uns für ein Jugend-Fahrradrennen abgesperrt ist und fahren von Jubel begleitet die letzten 100 Meter auf der Zielgeraden ein. Sogar in der Lautsprecheransage vom Kommentator werden wir erwähnt!
Nach dem Einkauf werden die Wege ruhiger und grün. Vor uns flitzen ein paar Babykaninchen in Ihren Bau. Wir verharren ganz ruhig und bekommen sie nach ein paar Minuten erneut zu Gesicht. Sie passen von der Größe her alle noch in eine Hand.
Später führt uns Komoot als Abkürzung über eine Brücke, die allerdings steile Stufen am Anfang und am Ende hat. Hoch schaffen wir es, aber runter müssen wir viermal den Versuch abbrechen, bis glücklicherweise ein paar Franzosen ihre Hilfe anbieten. Zu viert ist es ganz leicht!
Nachmittags machen wir eine größere Waschaktion und dann trocknen unsere Klamotten in der brennenden Sonne, während ein paar Kilomter weiter im Landesinneren ein fettes Gewitter donnernd an uns vorüberzieht. Die dicken Wolken türmen sich rasend schnell auf und wir könnten ihnen stundenlang dabei zusehen, wie sie sich, klar vom blauen Himmel abgegrenzt, ständig verändern. Erst als wir abends im Zelt liegen, die Wäsche sicher verstaut, kommen auch hier ein paar dicke Tropfen runter.

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29.04.2023 – Saint Gervais

Am Morgen wird es unruhig auf unserer Campingparzelle. Keine zwei Meter von unserem Zelt entfernt beginnt ein Trecker mit Gülleanhänger eine Abwassergrube abzupumpen und knattert dabei Abgase zu uns rein. Dann stolpern zwei Arbeiter beim Hin und Her über unsere Abspannleinen, dass die Plane erzittert und erst als Tino mal den Kopf rausstreckt laufen sie etwas weitere Bögen um uns. Nachdem es sich draußen beruhigt hat, bauen wir ab und flüchten von diesem großen Familiencampingplatz.
Eine richtig entspannte Pause haben wir auf zwei Sonnenbänken an einem Meereszufluss. Solche Zuflüsse kreuzen wir heute öfter. Einige werden als Parkplätze für Boote genutzt. Steg reiht sich an Steg, alle irgendwie an die Gezeiten angepasst. Manche haben zwei Etagen, um sowohl bei niedrigem als auch bei hohem Wasserstand einsteigen zu können, andere sind beweglich gebaut und heben und senken sich durch den Auftrieb. An anderen Stellen werden die Meereszuflüssn für den Garnelenfang genutzt. Am Rand stehen dann Fischerhütten, von denen aus man Netze ins Wasser ablassen kann.
Unser heutiger Campingplatz ist klein, abgeschieden und wenig besucht und damit das genaue Gegenteil zum gestrigen. Uns begrüßt ein liebenswertes, englisches Pärchen – die Betreiber. So mögen wir es am liebsten: Eine große, abgelegene Wiese für die Zelte. Man merkt, dass die Natur sich hier verhältnismäßig frei entfalten kann, denn schon nach wenigen Minuten ist das Zelt von verschiedensten Tierchen belagert, dennoch fühlen wir uns sehr wohl!

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28.04.2023 – Brem-sur-Mer

Der Weg heute ist total abwechslungsreich: Wald, offene Küstenpassagen und dann auf Dämmen und Bretterwegen über weitläufige Salzwiesen – krautige, niedrigwachsende Pflanzenlandschaften durchzogen von Wasseradern. Eine wirklich faszinierende Landschaft – sowohl die von Menschenhand angelegten, klar strukturierten Bereiche mit geometrisch angeordneten Becken und Kanälen, die noch heute der traditionellen Salzgewinnung dienen, als auch die verwilderten Salzgärten mit ihren unregelmäßigen Formen.

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27.04 2023 – La Guittiére

Als wir erwachen, regnet es und so bleiben wir noch etwas länger liegen. Gegen 11 Uhr, als es aufhört, bauen wir aber schließlich ab und brechen auf. Es geht ganz gut voran, aber irgendwann beginnt erneut feiner Sprühregen, den wir unterschätzen, weil man ihn kaum spürt. Nach gut einer Stunde kleben die Klamotten komplett durchnässt an uns. Aber wenigstens ist es nicht kalt. Der Wind fühlt sich an wie Föhnluft auf mittlerer Stufe und als der Regen sich wieder verzieht, trocknen wir erstaunlich schnell. Bei einem Park finden wir eine Fahrradreparaturstation, wo wir die Reifen etwas nachpumpen und schließlich auch eine Essenspause machen. Zweimal werden wir interessiert angesprochen, wohin unsere Reise geht und es ist schön (anders als in den vorherigen Ländern) kleine Dialoge in der Landessprache führen zu können.

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24.04.2023 – Marans

Nach einem letzten gemeinsamen Tee verabschieden wir uns von Thomas. Wir sind dankbar ihn getroffen zu haben, denn er hat uns den Abstecher nach Deutschland deutlich erleichtert. Tandi wieder zu beladen, fühlt sich vertraut und gleichzeitig sehr merkwürdig an.
Und dann sind wir wieder back on track! Für heute haben wir nur 25 Kilometer bis Marans geplant, um sanft wieder rein zu kommen. Unterwegs halten wir am Fluss an für etwas Acroyoga. Wir sind sehr wackelig und steif, nehmen uns aber vor, von nun an wieder mehr zu trainieren!
Auf dem Campingplatz werden wir von einer Französin in perfektem Englisch empfangen. Da wir fast allein sind, können wir unseren Platz selbst wählen und fühlen uns direkt richtig wohl unter den Bäumen, die Sichtschutz versprechen. Frankreich bietet mit seinen städtischen Campingplätzen, die bisher alle unter 15€ für zwei Personen kosten, super Reisebedingungen!

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14.04.2023 – La Rochelle

Nach 35 Kilometern Fahrt – 25 davon im trockenen, 10 in leichtem Niesel – erreichen wir La Rochelle. Bei unserem Warmshowers-Host Thomas können wir das Tandem abstellen (hier wird es jetzt für eine Woche auf uns warten) und in die Altstadt schlendern. Es ist grau, aber hat sich für heute ausgeregnet. In einer Crêperie sind wir tatsächlich mit Jolan und Els verabredet, ganz knapp ist die Aufholjagd geglückt. Das Wiedersehen mit Jolan ist herzlich und auch Els schließen wir direkt ins Herz. Ein Crêpesmenü später trennen sich unsere Wege leider zwar schon, aber bald sehen wir uns ja in Belgien wieder. Zurück bei Thomas bereiten wir alles für die Abreise vor und werden anschließend von ihm zum Essen eingeladen. Zum Nachtisch gibt es einen Brownie mit flüssigem Kern und Nüssen in Vanillesoße – den müssen wir wenn wir zurückkommen unbedingt nochmal bestellen! Der Abend endet unerwartet mit zwei Brettspielen. Skull – eine Art vereinfachtes Poker-/Bluffspiel und Magic Maze ein kooperatives Labyrinthspiel, welches interessant wird, weil Phasenweise nicht geredet werden darf.

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12.04.2023 – Rochefort

In der Nacht hat es geregnet und den Vormittag verbringen wir im Zelt und lassen die letzten Regenschauer vorbei ziehen. Erst nach 12 Uhr bauen wir ab und brechen auf. Durch die Wolken und den starken Wind entwickelt sich ein rasantes Licht und Schatten Schauspiel. Nach wenigen Kilometern erreichen wir zeitlich perfekt unsere Fähre. Der Wellengang ist heftig! Reling und Horizont liegen kaum mal in einer Linie. Wie betrunken bewegen sich die Passagiere, die nicht auf ihrem Platz sitzen bleiben wollen. Nach einer halben Stunde ist es überstanden und wir sind am anderen Ufer. Jetzt gilt es das Tandem in seiner Spur zu halten. Und das ist keine Frage des strapazierten Gleichgewichtssinns, sondern der Armkraft, denn der von schräg vorn kommende Gegenwind tut sein Bestes uns aus der Bahn zu werfen.
Kurz vor dem Ziel müssen wir eine weitere Fähre nehmen – eine Schwebefähre! Es ist die letzte ihrer Art in Frankreich, erbaut im Jahr 1900. Ein Gerüst überspannt den Fluss und daran hängt an Stahlseilen eine Art Plattform, die sich zwischen den Ufern hin- und her bewegt. Eine wirklich interessante Konstruktion!

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11.04.2023 – Soulac-sur-Mer

Das Bild ist heute ebenso Panne wie der Tag

Zum Frühstück machen wir uns mal wieder Pfannkuchen – bzw. nennen die sich hier ja Crêpes 😉
Um 11 Uhr starten wir zwar motiviert aber irgendwie zickt Tandi heute ein bisschen mit uns rum. Immer wieder springt die Kette im höchsten Gang raus. Fünf mal legen wir sie, irgendwann routiniert eingespielt, wieder auf – leider ohne nachhaltigen Erfolg. So kommen wir nicht voran, also beschließen wir die Kette ganz zu wechseln. Doch auch damit ist es noch nicht getan. Jetzt treten wir beim pedalieren regelmäßig ins Leere. Die alte Kette hatte sich über die Zeit durch den Verschleiß gelängt und so müssen wir ein weiteres Glied in die neue Kette einfügen um die Differenz auszugleichen. Zwei Stunden später beginnen wir erst so richtig Kilometer zu machen. Nach jetzt 8000 Kilometern, war das dann wohl unsere erste Panne. Oder nennt man das in dem Fall nicht so, weil es ein Verschleißteil ist? Wir sind uns auch nach einigem argumentativen Hin und Her uneinig.

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10.04.2023 – Le Porge

Kurz nach Abfahrt kommt uns ein Radreisender aus Österreich entgegen. Mit ihm verquatschen wir uns eine Weile. Er ist ähnlich bepackt wie wir, macht pro Tag aber 120 bis 150 Kilometer, auch mal mit 1500 Höhenmetern. Das ist richtig beeindruckend, da gerade am Berg das Gewicht entscheidend ist!
Der Weg bietet uns heute zwei Optionen: eine Fähre über den vor uns liegenden See oder einen Radweg außen herum. Wir entscheiden uns für Letzteres und genießen den sich durch Pinien- und Korkeichenwälder schlängelnden Eurovelo. Das Radwegenetz hier an der französischen Küste ist fantastisch, oft fernab jeglichen Autoverkehrs. Zum ersten Mal auf der Reise wagen wir es auch mal ohne Helm zu fahren.
Wir sind in regelmäßigem Kontakt mit Jolan, der uns mit seiner Freundin nur noch ein/zwei Tagesetappen voraus ist. Mal sehen ob das noch was wird, bevor wir nach Hildesheim müssen…